Mit der Osterkrippe die Kar- und Osterzeit erleben

Wie können wir die Kar- und Osterwoche in dieser turbulenten Zeit der Pandemie begehen? Gerade in der gegenwärtigen Situation braucht es liebgewonnene Rituale, die zu uns sprechen und die tief in unserer Erinnerung verankert sind.

Solch ein Ritual ist unsere Osterkrippe, die sich in der Kar- und Osterwoche vielfach verändert und uns die Geschichte von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi vor Augen führt. Ich wünsche euch viel Freude beim Betrachten der Bilder und Videos und grüße herzlich aus Bamberg.

Palmsonntag

Video mit Osterkrippe und Bibeltext:

Joh 12,12-19:
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.
Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Gründonnerstag: Garten Gethsemane

Video mit Bibeltext:

Mk 14,43-52:

Und alsbald, während er noch redete, kam herzu Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift und führt ihn sicher ab. Und als er kam, trat er alsbald zu ihm und sprach: Rabbi!, und küsste ihn. Die aber legten Hand an ihn und ergriffen ihn. Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich gefangen zu nehmen? Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. Aber so muss die Schrift erfüllt werden. Da verließen ihn alle und flohen.
Und ein junger Mann folgte ihm nach, der war mit einem Leinengewand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie griffen nach ihm. Er aber ließ das Gewand fahren und floh nackt.

Karfreitag

Video mit Bibeltext:

Mk 15, 20-41

Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten. Und zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte. Und sie gaben ihm Myrrhe im Wein zu trinken; aber er nahm’s nicht.
Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte. Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden. Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.
Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.
Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia. Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!
Aber Jesus schrie laut und verschied.
Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!
Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome, die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Karsamstag

Video mit Bibeltext:

Mk 15, 42-47

Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete; der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon länger gestorben wäre. Und als er’s erkundet hatte von dem Hauptmann, überließ er Josef den Leichnam. Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür. Aber Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt war.

Ostersonntag

Video mit Bibeltext:

Mk 16, 1-10

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.
[Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria Magdalena, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren, die da Leid trugen und weinten.]

My dear Jewish friend 2: The Star of David and the guild emblem of brewers

It was a crisp winter day with clear skies and the sun shining bright. A perfect day to stroll through my new home town Bamberg. As my eyes wandered from the old medieval buildings to the beautiful light blue sky my thoughts wandered to you, my dear Jewish friend. The color reminded me of the beautiful New York sky that accompanied us as we walked through our Westchester neighborhood and chatted about our lives, our faith communities, and our shared involvement at your lovely pantry.

As my glance wandered back from the New York colored sky I halted my steps in great astonishment. Right in front of me I could see a golden Star of David at the historic smoke beer brewery „Schlenkerla“. The brewery has a long and old tradition. It was first mentioned in 1387 and is in operation since 1405.

As a Franconias I really enjoy the name „Schlenkerla“. It roughly derives from the English verb „dangling“ or even better „swinging along“. The -la suffix is typical of the East Franconian dialect. The name reportedly comes from a brewer with a gait whose image as it can be seen on the „Aecht Schlenkerla Rauchbier“ bottle. This brewery is run by the Trum family since six generations. A real traditional family business, where tradition and passion for exquisite beers make it a unique place of hospitality.

The symbol displayed on the outside of the historical brewery and tavern is the guild emblem of brewers. This hexagram is the same as the Star of David, which is the most important symbol of Judaism I truly honour and cherish. How could this shared symbolism come about? Matthias Trum outlines in his final thesis at the Technical University Munich that symbol was used for the first time as explicitly Jewish sign in Prague in 1350 on the flag of the Jewish militia and then appears as brewing emblem for the first time in Nürnberg in 1425.

„… the hexagram was in those days in Franconia and northern Bavaria widely used symbol for protection and in this form used by everyone including both jews and brewers . The exiled jews of Nürnberg brought the star with them to Prague, where it became symbol of the jewish community and was then spread all over the world through letterpress. The brewing star remained however in south Germany and developed into a tapping sign.“

Matthias Trum, Historical depictions, guild signs and symbols of the brewing and malting handcraft, TU Munich, 2002.

My dear Jewish friend, what a fascinating interconnection and shared history of our forbearers! I wished my ancestors would have embraced these shared roots, and as I have discovered, shared symbols instead of committing the crimes of Hitlers Nationalism.

I dream of having a stroll like today with you while the blue Bamberg sky will guide us to the historical tavern and we will have a nice cold beer with delicious Franconian food. On the way home, I am sure we will be swinging like the gait on the „Schlenkerla“.

Love across the miles from your Christian friend.

Gelebte Solidarität in schweren Zeiten

Mitten in den Stürmen des letzten Jahres, als die Pandemie in New York hereinbrach und Menschen in gesundheitliche, finanzielle und sehr persönliche Nöte stürzte, waren es besondere Menschen nah und fern, die mir Kraft spendeten und mir halfen in meinem herausfordernden Dienst als Pfarrerin in einem Ausbruchsgebiet helfend für andere da zu sein. Eine dieser Personen war Uwe Kemmesies, Leiter der Forschungsstelle Terrorismus/Extremismus im Bundeskriminalamt. Er hatte in dieser schweren Zeit ein offenes Ohr für meine Situation und deren Belastung.

Uwe Kemmesies kennt die Herausforderungen des Lebens und betreibt in engagierter Weise Radikalisierungsforschung mit kriminologischer und konflikttheoretischer Ausrichtung. Als Koordinator des Spitzenforschungsclusters »Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung« hat er ein besonders waches Auge auf die gegenwärtigen und zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass Herr Kemmesies die Corona-Krise zum Anlass für einen wachen und unverstellten Blick auf solidarische Entwicklungen und deren Inspiration war. In seinem neuen Buch „Solidarität in Zeiten von Corona und darüber hinaus – ein Plädoyer für Armutsbekämpfung“ (Leseprobe 1, Leseprobe 2; Besprechung) hat er einen vielschichtigen und inspirierenden Sammelband herausgegeben. Als er mich um ein Kapitel aus interreligiöser und internationaler New Yorker Sicht anfragte, war ich nicht nur Feuer und Flamme für dieses Thema, sondern über seine Anfrage sehr bewegt.

So sei Ihnen dieser Sammelband sehr ans Herz gelegt!

Kleine Einblicke gewährt die Reihe digitaler Leseveranstaltungen in dieser Woche, in der Autorinnen und Autoren persönliche Einblicke in ihre Artikel gewähren werden. Herzliche Einladung hierzu!

  1. März (19:00 – 20:30 Uhr) Materielle Armut mit:
  • Miriam Groß – Pastorin … berichtet aus New York
  • Hans Sander – Gewerkschafter … bringt sich ein als ‚Anwalt‘ der Armen
  • Antonis Schwarz – Philanthrop, Hochvermögender … beleuchtet Armut aus der Millionärsperspektive
    Moderation: Alexandra Blaumann (Friedensdorf International), Uwe Kemmesies (Herausgeber)
  • Weitere Informationen und kostenlose ANMELDUNG
  1. März (19:00 – 20:30 Uhr) Soziale Armut mit:
  • Ricarda Steinmayr – Professorin … was bedeutet Corona für Kinder und Jugendliche …
  • Ulrich Wagner – Professor im Ruhestand … was macht das Virus mit uns, mit der Gesellschaft
    Moderation: Rebecca Proba (Friedensdorf International), Uwe Kemmesies (Herausgeber)
  • Weitere Informationen und kostenlose ANMELDUNG
  1. März (19:00 – 20:30 Uhr) Kulturelle Armut mit:
  • Benedikt Eichhorn – Kabarettist (Pigor&Eichhorn) .. wir wollen nur spielen …..
  • Pamela Schobeß – Clubbetreiberin&Vorsitzende der Berliner Clubcommission …Clubkultur braucht Nähe …
    Moderation: Rebecca Proba (Friedensdorf International), Uwe Kemmesies (Herausgeber)
  • Weitere Informationen und kostenlose ANMELDUNG

Hoffnungszeichen Impfung – Impfbeginn bei der Bundespolizei

Hunderte Male war ich mit meinem kleinen grauen Dienstauto an der Westseite des Henry Hudsons entlang gefahren. Vorbei an der massiven Wand an Hochhäusern, die diesen Schnellweg säumen. Als ich an einem Spätnachmittag Ende März mein Auto Richtung Chelsea lenkte, eröffnete sich mir ein atemberaubend hoffnungsvoller Blick: die USNS Comfort, ein Hospitalschiff der US-Navy lag an Pier 90 vor Anker und brachte mit dessen Ankunft so viel Hoffnung nach New York.

Seit Anfang März 2020 war die Metropolregion New Yorks und vor allem New York City zu einem pandemischen Hotspot geworden. Die Bilder und Erfahrungen dieser Zeit verfolgen mich noch ein Jahr später und haben sich wie wenige andere in mein Gedächtnis eingebrannt.

Als ich nun an meinem neuen Dienstort des Aus- und Fortbildungszentrums der Bundespolizei Schilder entdeckte, die auf die anlaufenden Impfungen hinwiesen, fiel mir ein Stein vom Herzen. Ich habe gesehen, was dieses Virus anrichten kann und habe Menschen, die verstarben oder durch die gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen in Notlagen geraten sind begleitet.

Für mich ist das Angebot einer Impfung ein wunderbares Hoffnungszeichen. Die Bundespolizei hat Anfang März mit der Impfung der Beschäftigten in eigenen Impfzentren begonnen, damit die Impfzentren der Länder und das dort tätige medizinische Personal entlastet wird. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei arbeiten als Einsatzkräfte in Gefahrenzonen an der Grenze, auf der Schiene oder an Flughäfen. Daher müssen sie wie auch Lehrkräfte und medizinisches Personal geschützt werden, damit sie für unseren Schutz sorgen können.

Aus dem Erleben meiner nun zurückliegenden New Yorker Zeit weiß ich um die Gefahren des Virus. Doch durch die notwendigen Maßnahmen wie Schutzmaske, Abstand und Co., sowie Geduld und einer Impfbereitschaft können wir diese gesellschaftliche und ökonomische Herausforderung als Gemeinschaftswesen überstehen.

Gedanken zum Dienstbeginn bei der Bundespolizei

In ordentlichen Reihen hatten sich die Auszubildenden der Bundespolizei aufgereiht und lauschten aufmerksam den Worten ihrer Vorgesetzten, die die auf sie zukommende Aufgabe und deren Vorgehen beschrieben. Während ich ihnen gegenüberstand, konnte ich ihre angespannte Aufmerksamkeit gut verstehen – und ich war mindestens genauso aufgeregt, da ich eingeladen worden war, einen geistlichen Impuls und Segen für ihren Einsatz zu sprechen.

Mitte Januar hatte ich New York als „Heimat auf Zeit“ verlassen, um in der Bundespolizei als Seelsorgerin arbeiten zu dürfen. Der Wunsch war meiner ehrenamtlichen Seelsorgetätigkeit bei dem New York Police Department (NYPD) erwachsen. Durch meine Berufung war das New Yorker Ehrenamt zum Hauptamt geworden. Das Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in der fränkischen Stadt Bamberg bildet ca. 3.000 Auszubildende im Alter von sechzehn bis Mitte dreißig für den wichtigen und systemrelevanten Beruf des Bundespolizisten und -polizistin aus. Noch stehe ich ganz am Anfang dieser Tätigkeit, doch bereits jetzt bin ich beeindruckt von der überall zu spürenden Gemeinschaft. Nicht umsonst hat man mich mehrfach in der Familie der Bundespolizei willkommen geheißen.

Nun darf ich Teil dieser Familie sein und junge Menschen auf ihrem Ausbildungsweg begleiten, indem ich den überwiegenden Teil meiner Tätigkeit auf den Bereich des ethischen Unterrichtes ausrichten darf. Viel gibt es zu lernen, denn so wie die Auszubildenden ihren neuen Beruf Schritt um Schritt erlernen, werde auch ich in eine ganz neue Tätigkeit hineinwachsen. Möge Gott zu beidem seinen reichen Segen dazu geben.

(Foto: Bundespolizei)

Liebe gewinnt immer – von Nelkenherzen und christlichen Perspektiven

Nelke an Nelke reihten sich in zarter Abfolge zu einem duftenden Herz. Ich strich vorsichtig mit meinem Daumen über die wunderschöne Struktur, die mit einem strahlendgrünen bzw. violettem Dekorationsband verziert war. Dabei stellte ich mir vor, wie die fleissigen Hände von Familie Weyermann in filigraner Handarbeit vorsichtig Reihe um Reihe die einzelnen Gewürznelken zu einem kleinen Kunstwerk aufreihten. Als ich die beiden Herzen mit einem Brief zum Valentinstag in meinem Briefkasten vorgefunden hatte, war ich tief über diese wunderschöne Willkommensgeste angerührt.

Die Symbolik, die dieses Geschenk trug, wurde durch den beiliegenden Brief unterstrichen: „Liebe gewinnt immer!“ stand darauf in zart geschwungener Schrift. Als Theologin konnte ich diesem Satz vollen Herzens zustimmen. Gewürznelken standen im Mittelalter für die Passion Jesu Christi, der unsere Sünden auf sich nahm, damit wir befreit leben und Perspektiven bis in die Ewigkeit hinein haben konnten. In der Form der Gewürznelken sah man bildhaft die Nägel symbolisiert, die bei Jesu Kreuzigung verwendet worden waren. Vielen von uns ist dieses Bild durch das Abendlied „Guten Abend, gute Nacht“ bekannt, indem von den „Näglein“ die Rede ist. Der Wohlgeruch und die antiseptische Wirkung wiesen den Nelken nicht nur eine christliche Bedeutung zu, sondern hatten und haben weiterhin einen unterstützenden Einfluss auf die Gesundheit.

Nun zieren diese beiden Herzen unsere neue Wohnung und erinnern uns an die wichtige Botschaft, dass Liebe, wie wir sie durch Christus erfahren, immer gewinnt. Und wie Nelke um Nelke sich zu kleinen, duftenden Herzen reiht, so können auch wir durch unsere Taten und Lebensführung gemeinsam einen Unterschied in dieser Welt vollbringen.


Sollten Sie Interesse an einem solch wunderschönen, duftenden Herz haben, so können Sie dieses käuflich bei Firma Weyermann erwerben. Der Erlös kommt dem Projekt „Wünschewagen“ zugute, der schwerstkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen besonderen Wunsch erfüllt. „Seit über fünf Jahren bringen engagierte Samariterinnen und Samariter mithilfe des ausschließlich aus Spenden finanzierten Projekts Menschen am Ende ihres Lebens gut umsorgt noch einmal an ihren Lieblingsort.“ (Webseite Wünschewagen)

My dear Jewish friend 1

A few weeks ago we sat on the steps to our kitchen. As you presented me with a flat package containing my farewell gift, I could feel my throat go dry. Over the last months we grew together in ways our ancestors would have never even envisaged. I, the descendant of perpetrators during World War II, and you, carrying the weight of Jewish people murdered during the Holocaust, have been bound together by caring for those, who have been hit hardest by the economic implication the pandemic. You welcomed me in your pantry in such loving ways seeing the person and not the historic background I carry on my shoulders.
As I opened the gift, tears poured down my face in streams. The white plate lying in my hands had the most beloved verses of Jesus Christ imprinted: “For I was hungry and you gave me food, I was thirsty and you gave me something to drink, I was a stranger and you welcomed me.” What a gift to receive out of the hands of my Jewish friend.
You have welcomed me as a German stranger into your Jewish pantry. You empowered me to help those, who were most in need, and helped me to overcome some of the hurt of my nations broken past.
It is this commitment that drives me as I am called to serve the German Federal Police. Soon I will be teaching young police officers in ethical decision making. I will stand strong against any form of Antisemitism, Racism, and other shapes of hatred. I will hopefully be able to commit many others tho this important deed. Germany has changed. It is still a working progress, but there are many of us, who take the courage to stand strong against Antisemitism and Racism.
I miss you dearly, my Jewish friend. I miss the special times we had together. The coffees and chats. The afternoon strolls around our neighborhood. The times of serving together for those in need – every Thursday I become silent as my hands dream of placing food into bags at your lovely pantry.
I know, that what happened in Nazi-Germany to your people, was a pure evil and murderous crime. It has left deep scars on your soul and those of others. When I broke the news to you that I would need to return to Germany, I could see the fright on your face. I am dreaming of welcoming you to Germany someday. This year we are celebrating 1,700 years of Jewish life in Germany. As I am waiting for this pandemic to pass, I will start writing about Jewish life in Germany, and signs of hope and glimpses of faith that connects us on a deep spiritual and personal level.

Love from Germany!
Miriam

Grüß Gott, Bamberg!

Das Klingeln meines Handys unterbrach die Stille des Morgens. Ich schreckte aus meinen trüben Quarantäne-Gedanken auf. Als ich meine Teetasse hastig absetzte, ergoß sich die Hälfte auf der Küchenplatte. Ich schimpfte leise vor mich hin und nahm das Telefon ab. „Guten Morgen!“, sagte eine freundliche, junge Stimme, „Spreche ich mit Miriam Groß?“ Als ich dies bestätigt hatte, tönte es fröhlich durch das Telefon: „Ihr COVID-Test war negativ. Sie dürfen nun Ihre Quarantäne beenden.“ Ein Jubel brach bei mir aus. Ich bedankte mich für ihren Anruf und zog mich eilends an. Schon seit Tagen hatte mich die herrliche Aussicht auf Bamberg gelockt. Nun durfte ich erste Schritte in diese traditionsreiche fränkische Stadt machen, die meine neue Heimat geworden war. Während meiner Quarantäne hatten mir einige Fremdenführer Geschmack auf Bamberg gemacht, das liebevoll als „fränkisches Rom“ bezeichnet wurde, deren Inselstadt als „Klein Venedig“ und mit der Gärtnerstadt ein wahres Unikat in Deutschland darstellte. Dazu kam, dass dieses fränkische Kleinod eine reichhaltige Bierkultur besaß, die ihren Ausdruck in den zahlreichen Brauereien und Brauereigaststätten fand, die von uns hoffentlich nach der Überwindung der Pandemie erkundet werden konnten. Aber dies hatte zu warten, dafür nahm ich mir vor, Schritt für Schritt meine neue Umgebung so gut es eben zu Corona-Zeiten ging zu erkunden.

Mein erster Gang führte mich zur nahegelegenen Bäckerei, deren beleuchtete Aufschrift aufgrund des trüben Regentages mir noch heller und einladender entgegen leuchtete. Auf deutsche Bäckereiprodukte musste ich in meinen über sechs Jahren Auslandsdienst zumeist verzichten, da es in Übersee ein teures Luxusprodukt ist. Brot stellt in unserem deutschen Alltag eine große Bedeutung da. Daher war für mich Jesu Worte, dass Er das Brot des Lebens ist (Joh 6,35), ein Bild, das mir nah ist.

Als ich die Türe zur kleinen Bäckerei öffnete und in den hellerleuchteten Raum eintrat, wurde ich von dem typischen herrlichen Duft von frischem Brot und Gebäck eingehüllt, der aufgrund der Intensität durch die enganliegende FFP-Maske drang. Mir lief regelrecht das Wasser im Mund zusammen. Nun hatte ich es plötzlich eilig. Ich gab meine Bestellung auf und trug wenige Minuten später den kostbaren Broteinkauf ohne weitere Umwege nach Hause. Weitere Erkundungstouren würden geduldig bis zum nächsten Schritt vor die Türe warten müssen, aber meine Zeit in dieser traditionsreichen fränkischen Stadt hatte ja auch gerade erst begonnen.

(Hier ein paar erste Fotos von der wunderschönen Bamberger Altstadt)

Zwischenwelt – Quarantäne, Bibel und persönliche Perspektiven

Meine Hände umfassten die warme Teetasse während ich mich mit meinen Ellbogen auf der Küchenplatte abstützte und den sich Sonnenaufgang betrachtete, der den kalten Winterhimmel mit warmen Gelb- und Rottönen erleuchtete. Mein Blick schweifte über das langsam erwachende Bamberg, das nun meine neue Heimat war. Ich freute mich auf die Erkundung dieser fränkischen Stadt, die aufgrund seines UNESCO-Weltkulturerbe und der reichen Kultur so berühmt war. Doch noch befand ich mich in einer Art Zwischenwelt. Aufgrund meiner Anreise mitten in der Pandemie war eine Quarantäne erforderlich geworden.

„Mama, sag mal: Warum sagt man eigentlich „Karantäne“, wenn es mit „Q“ geschrieben wird?“, meine jüngste Tochter hatte mich fragend angesehen als ich meiner Familie am Küchentisch nochmals alle notwendigen Regularien meiner Einreise erklärte. Nun war sie viele Meilen weit entfernt, da sie aufgrund des unterschiedlichen Datums von Dienstbeginn und Schulhalbjahr mit der gesamten Familie noch in New York geblieben war.

Ihre Frage war allzu verständlich gewesen. Denn das Wort „Quarantäne“ stammt vom italienischen Wort „quaranta“, das aufgrund einer großen Pest-Pandemie im 14. Jahrhundert üblich geworden war. Die Handelsstadt Venedig beschloss aufgrund der drohenden Gefahr, die Pest einzudämmen, indem man vierzig Tage die Besatzungen der anlegenden Handelsschiffe im Hafen isolierte. Diese Zahl hatte keinerlei infektionsmedizinische Gründe, sondern war der biblischen Zahlensymbolik entsprungen, die Schutz vor dieser Gefahr erwirken sollte. Sechs Wochen Quarantäne stellen eine lange Zeit da. Ich seufzte während ich mir nochmals Tee in die inzwischen leere Tasse nachgoß. Wie gut, dass mir höchstens zehn Tage Isolation vorgeschrieben waren. Vielleicht sogar weniger, wenn das Ergebnis des COVID-Tests dementsprechend ausfiel.

Während mich die Dauer der mittelalterlichen Quarantäne sehr erschreckte, faszinierte mich als Theologin deren Zahlensymbolik. Viele biblische Geschichten waren mir umgehend bei der Zahl 40 präsent: Bei der Sintflut regnete es vierzig Tage und Nächte ununterbrochen; Mose verbrachte auf dem Berg Sinai vierzig Tage in der Gegenwart Gottes; das Volk Israel wanderte vierzig Jahre durch die Wüste, bis es endlich das Gelobte Land erreichte. Auch bei Jesus findet die Zahl mehrfach Erwähnung: So zog er sich für diesen Zeitraum in die Einsamkeit der Wüste zurück, bevor Er Sein öffentliches Amt begann und als Wanderprediger mit einer wachsenden Zahl an Jüngern umherzog. Weiterhin erschien Er nach seiner Auferstehung vierzig Tage lang immer wieder Seinen Jüngerinnen und Jüngern.

Alle diese biblischen Geschichten durchzog ein gemeinsames Thema, das die Bedeutung der Zahl Vierzig deutlich macht: die Zahl Vierzig steht im biblischen für Besinnung und Buße, für Wende und Neubeginn.

Nun befand ich mich in dieser Zwischenwelt der Quarantäne, die mir Zeit zum Nachdenken, Erfreuen, und Trauern gab, aber ebenso die Möglichkeit mich neu auszurichten auf die neue Heimat und die Aufgabe, die ich schon bald einnehmen würde.

Was erwartete mich hinter all den Fenstern, die langsam durch die hellen Lichter zum Leben erwachten? Wie die Sintflut nach vierzig Tagen ein Ende hatte, Mose zum Volk zurückgekehrt war, das Volk Israel das Gelobte Land erreicht hatte, Jesus die Wüste verließ, um zu Predigen und die Jünger anstatt mit Seiner Präsenz bei dessen Verabschiedung mit dem Heiligen Geist als Tröster gestärkt worden waren, so würde auch meine Quarantänezeit nach einigen Tagen ihr Ende finden.

Noch war es die Zwischenwelt, in der ich mich befand und die meinen Gedanken Raum zu Spekulationen über die neue Heimat gab. Aber schon bald würde ich hinaustreten in die neue Welt und als eine von vielen Menschen in ihre bunte Vielfalt eintauchen.

Goodbye, New York!

Voller Anspannung sah ich aus dem Fenster während das Rollgeräusch des Flugzeuges immer lauter wurde bis es schließlich behände in die Luft abhob. Ich presste mein Gesicht gegen die Scheibe und betrachtete ein letztes Mal die New Yorker Skyline, die mir in den letzten sechseinviertel Jahren so vertraut geworden war und nun in der Ferne verschwand.

Nun musste ich Abschied nehmen von leibgewonnenen Personen und Orten, die mich tief geprägt hatten. Unweigerlich kamen mir zahlreiche biblische Abschiedsgeschichten in den Sinn, die jeweils einen Abschied durchlebt hatten:

  • Abraham musste von seiner Heimat Abschied nehmen, weil Gott ihn an einen neuen, unbekannten Ort rief (Gen 12).
  • Jakob zog mit seiner gesamten Familie nach Ägypten und findet dort eine neue Heimat. (Gen 46)
  • Der Prophet Samuel legt nach langer Dienstzeit sein prophetisches Richteramt nieder. Bei seiner Verabschiedung vom Volk legt noch einmal Rechenschaft über sein Amt ab und lässt sich von den Zuhörenden entlasten. (1. Sam 12)
  • Der Apostel Paulus unternahm viele Reisen, um das Evangelium an verschiedene Orte zu bringen. Dabei nahm er immer und immer wieder Abschied von Menschen, die er kennengelernt hatte und die ihm ans Herz gewachsen waren. (Zum Beispiel Apg 20,17ff.)
  • Im Johannesevangelium hören wir Abschiedsreden Jesu. Hier spricht er davon, dass er seine Jünger verlassen und zum Vater zurückkehren muss. Aber er lässt sie nicht trostlos zurück. Vielmehr macht er ihnen Mut und stärkt sie durch den Tröster, indem er ihnen den Heiligen Geist schenkt. (Joh 14,16ff.)

Diese Wolke der Zeugen sprach mir durch die vielen biblischen Geschichten mutmachend entgegen. Ich wusste: viele ließen Gewohntes, Liebgewonnenes, aber auch Schweres los, und richteten sich auf Neues aus -so wie ich mich in diesem Flugzeug mitten in einer Pandemieauf den Weg zu einer neuen Berufung in meinem Heimatland aufmachte. Denn letztendlich wusste ich, dass wir als Menschen hier keine bleibende Statt haben, sondern die zukünftige suchen. (siehe Hebr 13,14)

Natürlich stellte meine gerade begonnene Reise einen großen Abschied da, der auch einen Lebensabschnitt abschloss. Und dennoch wusste ich tief in meinem Herzen: Es würde nicht der letzte Abschied sein, denn unser menschliches Leben besteht durch und durch aus großen und kleinen Abschieden. Solange wir leben, sind wir unterwegs auf der Durchreise in die Ewigkeit und nehmen von etwas Abschied. Manchmal bewusster. Manchmal weniger bewusst.

Während die Skyline New Yorks unter der dichten Wolkendecke verschwand, legte ich in einem einem stillen Gebet alles in Gottes Hände, was ich in den letzten sechseinviertel Jahren erlebt hatte. An mir zogen Zeiten der Freude und Fülle vorüber. Aber ebenso Zeiten der Trauer, der Entmutigung und des Scheiterns. Am Big Apple hatte ich die gesamte Bandbreite des Lebens erlebt. Alles war in Gottes guten Händen wohl aufgehoben während mich das Flugzeug in den neuen Lebensabschnitt trug.

Ich lehnte mich zurück und schloss vertrauensvoll meine Augen, denn ich wusste, dass Gott, wie Er Abraham, Jakob, Samuel, Jesus, Paulus und so viele biblische Zeugen begleitet hatte, durch die Kraft des Heiligen Geistes auch bei mir sein würde.