“Good Trouble” – Amerika nimmt Abschied von John Lewis

Amerika gedenkt John Lewis, einem der berühmtesten Vertreter der Bürgerrechtsbewegung neben Martin Luther King Jr., der am 17. Juli verstorben ist. Sein Aufruf “Good Trouble” im Namen der Gerechtigkeit auszulösen, kann uns heute rund um die Welt inspirieren während wir uns für eine gerechte und inklusive Gesellschaft engagieren. Mehr dazu in diesem Vlog.

Von Pandemien und geschichtlichen Lektionen

Trotz der hochsommerlichen Temperaturen lief mir ein eiskalter Schauer den Rücken herunter während ich voller Unglauben den Worten Trumps zuhörte. Normalerweise mied ich FOX News, doch dieser Sonntag zog mich und viele andere magisch vor den Fernseher. Chris Wallace, Moderator von FOX News Sunday, befragte den Präsidenten auf viele für seine Amtszeit relevante Themen. Die Unterhaltung führte schnell auf das brennende Thema der Pandemie. Selbstbewusst äußerte Trump, dass die USA eine der niedrigsten Mortalitätsraten der Welt habe. Auf Widerspruch des Moderators hin bat Trump sein Team um einen aktuelle. Ausdruck mit den neuesten Zahlen, die dem Weißen Haus vorlagen. Innerhalb von Augenblicken händigte eine Mitarbeiterin dem Präsidenten einen in großem schwarzen Lettern gestalteten Ausdruck. “Sehen Sie!”, sagte er während er stolz mit dem Zettel wedelte, “Ich habe recht!”

Laut eines Berichtes der New York Times hingegen haben die Vereinigten Staaten von Amerika die acht höchste Mortalitätsrate aller vom Coronavirus betroffener Länder. Eine orwellianische Situation sondergleichen offenbarte sich in diesem Interview vor meinen Augen, in der Wahrheit durch die Person im höchsten US-amerikanischen Amt passend gemacht wurde.

Das Interview zeigte wie kein zweites, mit welcher Ruchlosigkeit und kalkuliertem Umgang mit falschen Informationen die gegenwärtige Regierung versuchte, ihren eigenen Fall zu verdecken und als Sieg über einen unsichtbaren Feind zu maskieren. Doch selbst der Rahmen des sonst so Trump-freundlichen TV-Senders konnte dies nun nicht mehr verdecken und war für eine noch breitere Masse offenbar geworden.

Während sich Trump im Interview nervös von einem Thema zum nächsten hangelte, wanderten meine Gedanken in ferne, längst vergangene Jahrhunderte, in der schon einmal eine Seuche das die Machtverhältnisse von Mächten verändert hatte:

Unter Kaiser Justinian (527–565) war eine Pandemie ausgebrochen, die in Ägypten ihren Ursprung genommen hatte, dann 542 Konstantinopel erreichte und sich danach im gesamten Mittelmeerraum verbreitete. Die sogenannte Justinianische Pest rief eine Hungersnot und unglaubliches soziales Elend hervor, an die mich in USA die Auswirkungen der gegenwärtigen Pandemie in besorgniserregender Weise erinnern.

Klaus Bergdolt beschreibt in seinem Buch “Der schwarze Tod Europas” (1):

Wir wissen heute, daß die Justinianische Pest unabsehbare politische Konsequenzen hatte. […] Pest und Politik bildeten zur Zeit der Völkerwanderung zeitweise zwei Seiten einer Medaille.

Klaus Bergdolt: Der schwarze Tod Europas: Die große Pest und das Ende des Mittelalters, München 2003, 5. Auflage, S. 16.

Daher ist es für mich kaum verwunderlich, dass auch in den Vereinigten Staaten von Amerika Politik und Pandemie eine enge und durchaus makabere Verbindung eingegangen sind, indem das Agieren mancher Politiker wenig Sorge um die Betroffenen trägt als um den eigenen politischen Erfolg und das persönliche Fortkommen.

Und es geht in den USA um nichts weniger als um die Gestalt einer ganzen Nation. Ibram X. Kendi hebt hierbei hervor:

Ich denke, Amerikaner müssen entscheiden ob diese Nation eine multikulturelle Nation ist oder nicht. […] Wir haben noch nicht entschieden, als Staat, nicht einmal als Progressive und Liberale, ob wir eine multikulturelle Nation oder eine monochrome Nation sind.

Daniel Bergner, Whiteness Lessons, The New York Times Magazine, July 19, 2020, p. 50.

Das Beispiel der Justinianischen Pest zeigt deutlich, dass Pandemien Machtverhältnisse verändern und sogar Imperien, die Menschen ausbeuten und ihren Reichtum auf den Schultern anderer aufbauen, in die Knie zwingen können. Es sei an dieser Stelle deutlich hervorgehoben, dass wir gegenwärtig noch nicht das gesamte Ausmaß der Pandemie, ihre zukünftigen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, einzelne Länder oder die Gestaltung des globalen Machtverhältnisses absehen können. Für mich aber bleibt auf dem geschichtlichen Hintergrund ein Hoffnungsschimmer am Horizont der Pandemie: dass die wahre Agenda der jeweiligen Regierung entblösst wird und unter Umständen einem Wechsel zum Besseren weicht.

Hoffentlich ist dies nicht zu spät für eine Weltmacht, die sich über Jahrzehnte als Hüterin der Demokratie und Menschenrechte versteht, und gezwungen wird sich ehrlich mit ihrer eigenen gebrochenen Existenz auseinanderzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass sie dann endlich ihren selbstgegebenen Idealen von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück für alle gerecht wird.


(1) Klaus Bergdolt: Der schwarze Tod Europas: Die große Pest und das Ende des Mittelalters, München 2003, 5. Auflage.

Waffen der Gerechtigkeit

Es war wie ein New Yorker Tag aus dem Bilderbuch mit einem strahlen blauen Himmel. Ein leichter Wind wehte wohltuend durch die Häuserschluchten und erfrischte mich beim Gehen trotz der hochsommerlichen Temperaturen. Sie die berühmte 5th Avenue, auf der es von Fußgängern und dichtem Verkehr immer nur so wuselte, war fast ausgestorben. Die meisten Luxusgeschäfte, in der die Reichen und Sternchen dieser Welt ihren Kaufgelüsten nachgingen, waren geschlossen. Manche waren immer noch seit dem Beginn der Unruhen vor einigen Wochen mit Sperrholzplatten vernagelt.

Während PRADA & Co. und deren kaufkräftige Kunden nun ins “pademie-sichere” Online-Geschäft migriert waren, ringt die USA mit diesem Dämon, der aus dem Ringen nach Profit, Konsum und Eigensucht geboren worden war: der Marginalisierung und Ausbeutung von Menschenleben und konkreten gesellschaftlichen Schichten.

Ich kehrte dem PRADA-Geschäft und seiner teuren Auslage den Rücken und konzentrierte mich auf den leuchtend gelben Schriftzug vor mir auf der 5th Avenue, der mir tröstend in großen Lettern BLACK LIVES MATTER entgegen strahlte.

BLACK LIVES MATTER, 5th Ave zw. 56. und 57. Street
BLACK LIVES MATTER, 5th Ave zw. 56. und 57. Street

Donnerstag vor einer Woche (9. Juli) hatten namhafte Vertreter New York Citys zusammen mit Bürgermeister Bill De Blasio vor Trump Tower diesen leuchtend gelben Schriftzug eigenhändig aufgezeichnet. Jeder Besucher und Bewohner dieses Luxusgebäudes auf einer der teuersten Straßen der Welt würde sich nun nicht mehr der “Black Lives Matter”-Bewegung und ihrem mahnenden Ruf gegen systemischen Rassismus entziehen können. Just nach Bekanntgabe des Plans sprach Präsident Trump via Twitter von einem Symbol des Hasses und einer Verunglimpfung der Luxusstraße. Eine Reaktion, die die Zeichenhandlung gegen ein ungerechtes kapitalistisches System nur noch mehr unterstrich.

Trump Tower, 5th Ave
Trump Tower, 5th Ave

Die Anbringung des Schriftzuges durch Vertreter New York Citys und Bürgermeister De Blasio erinnern mich an eine Reihe von Propheten, die die Botschaft Gottes durch ihre Handlungen sichtbar und erfahrbar werden ließen. So wird zum Beispiel von Jesaja berichtet, dass er drei Jahre nackt in Jerusalem herumgelaufen sei (Jes 20,3). Die Zeichenhandlungen der biblischen Propheten reichen von Haarescheeren (Ezechiel), über die Auferlegung eines Jochs (Jeremia) bis hin zur Heirat einer Prostituierten (Hosea) und Benennung von Söhnen mit Symbolnamen (Jesaja und Hosea).

Propheten waren dazu berufen, Gottes Botschaft zu den Menschen zu bringen und auf Ungerechtigkeiten in Gesellschaft und Politik hinzuweisen. So nahm der Prophet Amos kein Blatt vor den Mund als er auf die sozialen Zustände seiner Zeit hinwies und die Frauen der damaligen Oberschicht als “fette Kühe” bezeichnete, deren Familien aufgrund der Ausbeutung von niederen Gesellschaftsschichten zu ihrem Wohlstand und Reichtum gelangt waren:

Hört dies Wort, ihr fetten Kühe auf dem Berge Samarias, die ihr den Geringen Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringt her, lasst uns saufen! Gott der Herr hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe, es kommt die Zeit über euch, dass man euch herausziehen wird mit Angeln und, was von euch übrig bleibt, mit Fischhaken. Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinausmüssen, eine jede vor sich hin, und zum Hermon weggeschleppt werden, spricht der Herr.

Amos 4,1-3

Die prophetische Tradition die Wahrheit Gottes und dessen Wunsch nach einer gerechten Gesellschaft auszusprechen und nicht vor den Zentren der Macht noch deren Vertretern in Gesellschaft und Politik zurück zu schrecken, ist ebenso bei Jesus vorzufinden. Er scheute sich nicht vor Diskussionen mit Entscheidungsträgern und lies das Reich Gottes Realität werden, indem er Kranke heilte, Ausgestoßene Aufmerksamkeit und Straftätern eine Möglichkeit zur Rückkehr gewährte. Dabei wartete er nicht auf den Beschluss eines Gremiums noch seiner Jünger, sondern wendete sich denen am Rand der Gesellschaft Befindlichen zu. Den Schwächsten und Bedürftigen. Dies gab er auch seinen Jüngerinnen und Jüngern als Richtschnur für ihr eigenes Handeln auf.

Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Mt 25,35-36

Weiterverfolgen können wir diese Tradition beim Apostel Paulus, der in seinem ersten Brief an die Korinther darauf hinwies, dass wir als Gemeinschaft ein Ganzes darstellen. Hierfür nutzte er das verständliche Bild des Leibes. Jeder hat sicherlich schon einmal erlebt, dass ein Körperteil erkrankt war und dadurch die ganze Person leiden musste. Diese Gesamtheit lässt sich ebenso auf gesellschaftliche Strukturen übertragen (1. Kor 12,26). Martin Luther King Jr. aktualisierte diesen Gedanken in einem fiktiven Brief des Apostels an amerikanische Christen, den er am 4. November 1956 neun Tage bevor der oberste amerikanische Gerichtshof die Segregation im Bustransport Alabamas als verfassungswidrig erklärte:

Der Missbrauch des Kapitalismus kann auch zu tragischer Ausbeutung führen. Dies ist in eurer Nation so oft passiert. Sie sagen mir, dass ein Zehntel der Bevölkerung mehr als vierzig Prozent des Reichtums kontrolliert. Oh Amerika, wie oft hast du den Massen das Nötigste genommen, um den [höheren] Klassen Luxus zu geben. Wenn ihr eine wahrhaft christliche Nation sein wollt, müsst ihr dieses Problem lösen. […] Ihr könnt im Rahmen der Demokratie arbeiten, um eine bessere Verteilung des Wohlstands zu erreichen. Ihr könnt eure mächtigen wirtschaftlichen Ressourcen nutzen, um die Armut vom Erdboden zu wischen. Gott hatte nie vor, dass eine Gruppe von Menschen in überflüssigem, übermäßigem Reichtum lebt, während andere in bitterer, tödlicher Armut leben. Gott beabsichtigt, dass alle seine Kinder die Grundbedürfnisse des Lebens haben, und er hat in diesem Universum “genug und teilbares” für diesen Zweck gegeben. Deshalb fordere ich euch auf, die Kluft zwischen bitterer Armut und überflüssigem Reichtum zu überwinden.” (1)

Martin Luther King, Jr., Pauls Letter to American Christians

Unglaubliche 64 Jahre später, ringt die USA immer noch um ein gerechtes gesellschaftliches System, das durchwoben ist von einer Benachteiligung gegenüber farbigen Bevölkerungsgruppen und anderen Minoritäten am Rande der Gesellschaft. Es bedarf daher vieler mutiger Personen, die in prophetischer Tradition gegen diese Ungerechtigkeiten aufsprechen und ihre Stimme für die erheben, die keine Stimme haben. So wie dies gegenwärtig durch die Bewegung “Black Lives Matter” geschieht. Ein biblische Erbe das Christinnen und Christen mutig annehmen sollten.

Eine Person äußerte mir gegenüber letztens ihre Erleichterung, dass Deutschland nicht mit den amerikanischen Problemen des Rassismus behaftet sei. Das ist zu einfach gedacht. Rassismus ist eine gesellschaftliche Realität in Europa. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Antisemitismus als dessen häretischer Zwilling unglaubliches Leid über Deutschland, Europa und weite Teile der westlichen Welt gebracht hat. (2) Während ich sprachlos in den Telefonhörer starrte und die Worte der Person ungehört an mir herunter perlten, zogen mich meine Gedanken in die Zeit des Nationalsozialismus: Was wäre gewesen, wenn man damals mutig aufgestanden wäre als Christen und als Kirche und vor die damaligen Zentren der Macht als deutsches Pendant “Jüdisches Leben Ist Wertvoll” oder den Anglizismus “Jewish Lives Matter” geschrieben hätte? Stattdessen wählten die großen Kirchen den Weg in die Mittäterschaft und unterstützten das mörderischste Hasssystem der Welt in seiner menschenverachtenden Politik. Gerade deshalb geht es Christ*innen in Deutschland besonders an! Sie müssen sich verpflichtet fühlen zu dem Jahrtausende alten Ruf der Propheten, der gegen Ungerechtigkeit von Benachteiligten und Menschen an den Rändern unserer Gesellschaft aufspricht. Weil andere Minoritäten sich in sozialer und finanzieller Not befinden, könnte zum Beispiel auch andere Rufe laut werden, wie…

“Jewish Lives Matter”

oder “Sinti Lives Matter”

oder “Homeless Lives Matter”

oder “Female Lives Matter” und so viele mehr.

Ich träume von einer Kirche, die dem prophetischen Ruf Gottes folgt und tief in der Beauftragung Jesu Christi verwurzelt ist. Je mehr diesem Ruf folgen, umso größer wird das Reich Gottes bereits in dieser Welt. Ein Vorgeschmack auf den Himmel und wie Gott sich unsere Welt erhofft.


(1) Originaltext: “The misuse of Capitalism can also lead to tragic exploitation. This has so often happened in your nation. They tell me that one tenth of one percent of the population controls more than forty percent of the wealth. Oh America, how often have you taken necessities from the masses to give luxuries to the classes. If you are to be a truly Christian nation you must solve this problem. You cannot solve the problem by turning to communism, for communism is based on an ethical relativism and a metaphysical materialism that no Christian can accept. You can work within the framework of democracy to bring about a better distribution of wealth. You can use your powerful economic resources to wipe poverty from the face of the earth. God never intended for one group of people to live in superfluous inordinate wealth, while others live in abject deadening poverty. God intends for all of his children to have the basic necessities of life, and he has left in this universe “enough and to spare” for that purpose. So I call upon you to bridge the gulf between abject poverty and superfluous wealth.

in: Martin Luther King Jr., A Knock at Midnight, 1998, S. 28.

(2) Auf diese Analogie hatte ich vor einiger Zeit in dem Artikel “Denk ich an Amerika”, Christ & Welt hingewiesen.

Wenn die Ebbe einsetzt…

Die Hitze des amerikanischen Ostküstensommers lähmte meine Bewegungen. Ich hatte mich in eine schattige Ecke unseres Balkons verzogen und betrachtete melancholisch die Bilder unseres Familienurlaubes vor genau einem Jahr. Damals hatten wir im Anschluss an eine Konferenz für EKD-Pfarrerinnen und Pfarrer, die nach Nordamerika als entsandt worden waren, für einige Tage ein kleines Haus am Strand gemietet. Nachdem ich als mitverantwortliche Person diese Konferenz organisiert und geleitet hatte, waren wir froh um die herrliche Ruhe, die Nähe zum Strand und den verlässlichen Rhythmus von Ebbe und Flut.

Ein Ausflug führte uns an einen wunderschönen Strand bei Bodega Bay, Sonoma County, der direkt an der Migrationsroute von Grau- und Blauwalen lag. Der kleine Strandabschnitt schmiegte sich sanft in eine Bucht und gab unseren Kindern die Möglichkeit auf samtweichen, hellgelben Sand spielen zu können. Mit dem Einsetzen der Ebbe wurden immer mehr Teile des Strandes sichtbar, die vorher vom Wasser verdeckt worden waren.

“Wenn das Wasser geht, werden nach und nach Dinge aufgedeckt, die man vorher so nicht wahrnehmen kann”, schoß es mir durch den Kopf, während ich den Verlauf der Küste auf dem Bild nochmals mit den Augen verfolgte. Bei diesem Gedanken stockte ich plötzlich. Das kam mir auf einmal sehr bekannt vor.

Gezeiten spielen bei Warren Buffet, einem US-amerikanischen Investor und drittreichstem Mann der Welt, im Zusammenhang von ökonomischen Betrachtungen eine interessante Rolle. In einem Brief an Aktionäre von Berkshire Hathaway hatte er im Februar 2008 ein interessantes Bild zur Verdeutlichung von ökonomisch schwierigen Zeiten und deren Auswirkungen verwendet. Hier schrieb er:

It’s only when the tide goes out that you learn who’s been swimming naked.

(Übersetzung: “Erst wenn die Flut geht, sieht man, wer nackt geschwommen ist.”)

Warren Buffet, Letter to Berkshire Hathaway shareholders, Feb 2008

Nun war mit der Pandemie weltweit in vielen Ländern eine wirtschaftliche Ebbe eingetreten. Nicht einmal während der Weltwirtschaftskrise von 1929 waren in den USA so viele Menschen arbeitslos wie in diesem Jahr aufgrund der Auswirkungen der Pandemie. Kein Bereich des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ist davon verschont. Auch nicht die Glaubensinstitutionen – oder sollte ich schreiben, gerade sie?

Wenn die ökonomische Ebbe einsetzt, sieht man deutlich, wie es um eine Institution, ein Unternehmen, eine Kirche und andere wirklich gestellt ist. Zwei Mal habe ich diese grundlegende Erfahrung als Pfarrerin sammeln müssen. Das erste Mal im Rahmen meines Dienstes in der Church of Scotland als die amerikanische Immobilienblase 2007 zu einer Wirtschaftskrise führte. Damals begleitete ich eine Gemeinde, die aus drei ursprünglich eigenständigen Gemeinden in eine zusammengefasst wurde, und mehrere ihrer Kirchengebäude zu veräußern, um überlebensfähig zu bleiben. Heute erlebe ich den unbarmherzigen Zusammenhang von Finanzen, Weltkrise und Kirche in meinem Dienst als Auslandspfarrerin in einer Gemeinde in New York, die sich zum allergrößten Teil nebst meines Gehaltes selbstfinanzierten muss.

Beide Gemeinden unterscheiden sich nicht nur durch ihren geografischen Ort signifikant, sondern ebenso durch Aufbau und Struktur. Erstere war eine Inselgemeinde mit überschaubarem Einzugsbereich und kleiner, über Jahrzehnte und manchmal Generationen verbundenen Mitgliedern. Zweite hingegen hat einen Einzugsbereich, der ungefähr dem Frankens gleicht, wobei jährlich im Sommer mindestens die Hälfte der Mitglieder durch Zu- und Wegzug von Expats (1) ausgetauscht wird.

Und dennoch hat sich bei beiden beim Er- und Durchleben einer ökonomischen Ebbe eines aufgezeigt: dort, wo Kirche für andere da ist, wo sie Heimat ist und sich um die in Not Geratenen kümmert, mag sie vielleicht ökonomisch “nackt” sein, aber immer wieder auf ihre Füße kommen. Eine solche Kirche bzw. Glaubensgemeinschaft macht das Rückgrat und Zentrum unseres Glaubens transparent : Die Sorge um den Nächsten, wie sie von Jesus gelebt wurde und uns Christen aufgetragen wurde, wird hierdurch erfahrbar.

Kirchen hingegen, die sich mehr um die auf einmal verspürte “Nacktheit” gekümmert haben, in stundenlangen Gremiumssitzungen diese Probleme betrachteten, lange und komplexe Statements ohne Taten verfassten, kamen in einer ökonomischen Ebbe nur schwer wieder auf die Füße.

Ich kann gut verstehen, dass die nicht nur in Deutschland eingetretenen Austrittszahlen verängstigen. Umso wichtiger ist es, dass sich Kirche und Glaubensgemeinschaften als relevant und nah zeigen – genau dort, wo unser Nächster unsere tatkräftige und unbürokratische Hilfe in Notzeiten benötigt. Dies kann sich in sehr unterschiedlicher Weise ausgestalten – ich möchte den Leser und die Leserin dabei nicht in eine gedankliche Enge führen. Eines aber würde ich mir sehr wünschen: dass wir uns zu unserem bedürftigen Nächsten tatkräftig auf den Weg machen, damit Kirche mitten in einer ökonomischen Ebbe dem Ruf Jesu nachkommen kann.

Wir sollten es trotz all der Angst vielleicht auch als Chance begreifen, die uns zu unserem “nackten” Selbst als Kirche wie Christus uns berufen hat, zurückführen könnte.


(1) Fach- oder Führungskraft, die von einer international tätigen Organisation im Rahmen einer Auslandsentsendung vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird.

Amerika im Ausverkauf

Ich schob meinen Einkaufswagen durch das immer noch ungewohnte Labyrinth von Einbahnstraßen. Alltägliches wie der Samstagseinkauf im Supermarkt war einer neuen Realität gewichen. Regale waren ausgedünnt und in weiterem Abstand voneinander platziert worden, um den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen genüge zu leisten. Ein “Einbahnsystem” vergrößerte das Gefühlt trotz allem einen sicheren Einkauf mitten in der Pandemie tätigen zu können.

Nachdenklich schob ich die wertvolle “Essensfracht” gen Kasse als mir ein Luftballon in Herzform und amerikanischer Fahne in einem Regal auffiel. Dahinter prange auf rotem Hintergrund in großer Schrift ein Ausverkaufsschild. Welch ironisch passendes Bild an einem Tag wie dem heutigen während die Nachrichten über ein Land hereinbrechen, das sich als führende Weltmacht und Verteidigerin der Demokratie versteht. Nun aber ist es weltführend im Ausbruch des Coronavirus und dem Zusammenbruch seines eigenen Justiz- und Wertesystems. “Amerika befindet sich im Ausverkauf”, schoß es mir unweigerlich beim Anblick der Supermarktauslage durch den Kopf.

Amerika im Ausverkauf
Amerika im Ausverkauf

Laut New York Times (Stand 11. Juli 2020) wurden über 3,199,700 Personen in den USA mit COVID-19 infiziert, wobei mehr als 133,900 an dem tückischen Virus verstarben. Nachdem viele US-amerikanische Staaten meinten, sich zwischen einer florierenden Wirtschaft und dem Sieg gegen das Virus entscheiden zu müssen, schoben viele Staaten Sicherheitsvorkehrungen beiseite und öffneten ihr gesellschaftliches und ökonomisches Leben vorzeitig. Sie führen nun die Statistik in besorgniserregender Weise an.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich Menschenleben und -schicksale, die allesamt durch das Versprechen der USA miteinander verbunden sind. Generationen von Migranten hat es und führt es immer noch im Sehnen nach einem besseren, gerechteren Leben in die “Neue Welt”. Diese Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft spiegelt sich in den Worten der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 wieder, denen sich alle US-Bürger*innen verpflichtet wissen. Diese Erklärung hatte sich gegen eine Kolonialmacht und deren Ausbeutung gestellt und besagt, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden und von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten, wie Leben, Freiheit und dem Streben nach Glückseligkeit ausgestattet sind. (1) Damals waren diese für „weiße“ Männer mit signifikanten Besitz geschrieben worden. Trotz der ursprünglichen Intension bergen die Worte der Unabhängigkeitserklärung den wichtigen Schatz der Gleichheit und Freiheit in sich, die entdeckt bzw. wiederentdeckt werden sollten.

Doch die Pandemie legt die wahre, aktuelle Struktur dieses Landes bloß: Es ist gegenwärtig regiert und dominiert von Personen, die dem Kapitalismus und dem Eigengewinn mehr Gehör schenken als den Bedürfnissen und Nöten der Nächsten. Gleichzeitig erodieren juristische Werte und Grundbeschaffenheiten, die die grundsätzlichen Versprechen der Unabhängigkeitserklärung nicht nur widersprechen, sondern mit ihr brechen. Die Reduktion des Strafmasses von Robert Stone, des ehemaligen Beraters und Freundes Donald Trumps, ist der letzte Ausdruck eines Ausverkaufs Amerikas. Die ehemals führende Industrienation befindet sich im Ausverkauf zu Gunsten einer kleinen profitierenden Schicht, deren Seilschaften und Verflechtungen gegenwärtig stärker sind als das demokratische System. Es bleibt zu hoffen, dass Amerikas Bevölkerung erwacht und die Macht der Basisdemokratie als Chance und Waffe gegen Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Marginalisierung von Bevölkerungsgruppen zugunsten weniger wiederentdeckt.

“Excuse me, Ma’am!” raunte eine ältere Dame mir entgegen während sie versuchte, ihren Einkaufswagen an mir vorbei zur Kasse zu manövrieren. Ich schob hastig meine Fracht zur Seite, um ihr Platz zu machen. Als ich über die Schulter blickte, hatte sich das amerikanische Luftballonherz vor das Ausverkaufsschild geschoben und damit verdeckt. Ich hoffe sehr, dass Amerika in den kommenden Monaten auf dem Weg hin zu einer Neuwahl sein eigentliches Herz wiederentdeckt, das besonders stark für eine Gleichheit aller schlagen sollte.


(1) Declaration of Independence, 1776: “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Stürmische Zeiten

Ausdauernd prasselte Regen auf die Dachfenster des Pfarrhauses während sich der Rhythmus der Regenbänder immer schneller wurde. Ich starrte nachdenklich aus dem Fenster und sah den ersten Ausläufern des tropischen Sturmtiefs zu, das im Laufe des Tages in rotierenden Regenbändern eine signifikante Menge an Niederschlag und bis zu 50 miles/h an Winden mit sich bringen sollte.

Seit Monaten fühle ich mich wie von einem großen, andauernden Sturm erfasst. Corona, Rassenunruhen, Polizeigewalt, Kampf gegen Armut und Hunger… Wie in einem immer währenden Zyklus kreisen diese Traumata wie gegenwärtig der tropische Sturm Fay über der Metropolregion New York und der gesamten USA. Es gibt Phasen, an denen meine Nerven sehr strapaziert sind. Nicht selten frage ich mich, ob meine Schlechtwetterkleidung als Pfarrerin, die vor allem aus einer tiefen Verwurzelung im Glauben besteht, ausreichend ist.

Søren Kierkegaard wies in seiner Auslegung von Mt 11,30 auf die besondere Kraft des Glaubens hin, der in angeblich unmöglichen und aussichtslosen Situationen die Perspektive nicht verliert. In der Bibelstelle betont Jesus, dass sein Joch sanft ist und seine Last leicht. Während viele diese Aussage als ein Paradoxon bezeichnen würden, weißt Kierkegaard auf das Vorbild des Kreuzes hin, die alle menschliche Logik auf den Kopf stellt und aus dem angeblichen Scheitern den Sieg Gottes macht.

Klugheit erreicht oft in Zeiten der Not ihre Grenzen. In diesem Moment sehe ich aus meiner eigenen Erfahrung, dass die Kraft des Glaubens beginnt. Kierkegaard schreibt:

Wenn die Klugheit in der dunklen Nacht des Leidens keine Handbreit vor sich sehen kann, da kann der Glaube auf Gott sehen; denn der Glaube sieht am besten im Dunkeln.

Søren Kierkegaard, Zwölf Reden, Halle 1886.

Gerade in dieser dichten und schwierigen Zeit des Auslandspfarramtes erlebe ich genau dies: Ich spüre die richtungsweisende Kraft des Glaubens in dieser dunklen Zeit, die mir andauernd zuspricht, die Hoffnung nicht zu verlieren und weiter in dem voranzuschreiten, was für uns Christen zentral ist: Unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst.

Dies bedeutet in stürmischen Zeiten wie diesen im Auslandspfarramt neben den klassischen Tätigkeiten wie Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindearbeit mich noch stärker für die Speisung einer stetig wachsenden Zahl von Bedürftigen zu widmen, einem deutlichen Aussprechen gegen Rassismus und Antisemitismus, aber auch der Polizeiseelsorge zu engagieren. Und hätte ich, mit Paulus gesprochen, meinen Glauben nicht, so wäre ich nichts.

Stürmische Zeiten bringen uns an die Grenzen unserer Kräfte, aber sie zeigen uns auch in bewegender Weise die Wichtigkeit des Glaubens auf, der im Dunkeln am besten sieht.

Reckoning with the Past

The meeting room filled quickly as members of the American Jewish Committee and Interfaith Partners gathered on the cold Sunday afternoon. Rabbi Noam Marans, AJC’s Director of Interreligious and Intergroup Relations, had summoned this meeting of the AJC Interreligious Affairs Commission on “Christian Responses to the Antisemitism Epidemic.”

As all attending made themselves comfortable, helping themselves to some refreshments and looking through the well prepared material supplied, the room buzzed with warm welcomes and kind introductions. As Rabbi Marans began the meeting, the buzzing group transformed into a quickly concentrating diverse group of Jewish and Interfaith friends, who had gathered to discuss the unsettling rise of Antisemitism and how Christians could respond to this terrible development.

The Rev. Dr. Lee Spitzer, General Secretary of the American Baptist Churches USA, and author of the book Baptists, Jews, and the Holocaust, spoke about the topic how is own denomination had dealt with Antisemitism and Holocaust through the centuries sharing the experience of persecution in Europe. He talked about the significance of friendship, sacrificial solidarity, and how important it was to learn from missed opportunities for future actions.

Reckoning with the past is a important task we need to actively embrace. As a German citizen I am entitled to say this, because my nation’s past has led to so much death and suffering. This should never ever happen again. As Antisemitism is on the rise, it is urgently time to account for these deadly actions of Nazi Germany and to fulfill our obligations arising from them for the whole world community. In my opinion, we Germans have the holy duty to warn others about the lessons we have learned through the broken history of Nazi Germany. Any kind of slight beginning, any historical analogy needs to be outlined and first steps towards such destruction quickly hindered.

As Rabbi Marans kindly invited me to share a small statement on how Christians may respond to the rise of Antisemitism, I took a leap of faith in those present as I spoke about the broken past of my nation, family, and fears for the presence and future. I am sharing it here in my blog laying my trust in you, dear reader, that we may become partners in remembrance and reconciliation.

Reckoning with the past is the hurtful and necessary step to lead into a just future without Antisemitism, Racism, and Hate. It deeply hurt me on that Sunday afternoon and I had to hold myself together as the words poured out of my heart:

It is a great honor for me to speak today. In full disclosure: I am a German. My grandfather served under Hitler in the Nazi navy. He was half Sinti. I still can´t understand, why he supported and glorified this murderous regime. I remember countless discussions as I challenged his idealization of the Nazi era, which he painted in glorious colors over family gatherings. As I held strong against his words, my reaction was met with anger and emotional coldness as you can well imagine.

It is my holy duty as a descendant of those, who committed crimes under Hitler, and as a Christian through the Gospel to warn about the dangers of right-winged thoughts and antisemitism. Reliving the nightmares of Germany passed is one of my greatest fears…

But this passed Wednesday, Feb 5, we all held our breath as analogies to the beginning of a destructive regime resurfaced in Thuringia, Germany.
Thomas Kemmerich was elected as the new prime minister of the free state of Thuringia. His own party FDP barely made it into the state parliament. Through the help of the rightist party AfD (Alternative für Deutschland) and Merkel´s CDU he surprisingly came into this high office. It was as if a breath of Weimar was taking its grip of Germany.

In 1932, Adolf Hitler and his murderous regime came to power through the help of Hindenburg and numerous parties taking down the Weimar Republic. We do not have 1932, but the analogies are frightening: A antidemocratic party is trying to take a grip of the free state of Thuringia, with Weimar at its center. Yesterday, the newly elected prime minister stepped down due to pressure from numerous parties, protestant churches and public protests.

We need swift and courageous actions, because Weimar can be everywhere! Back then, almost unnoticeable hate crawled into everyday life through phrases and small actions of exclusion. As people got used to the dose of hate as part of the daily grind, the intensity increased numbing the human capacity to empathy and solidarity.

“Weimar can be everywhere!” is a warning we need to take seriously. The Jewish Bible calls us to love our neighbor and self. For Christians this is a fundamental principle we are called to. Wherever there are tendencies of right-winged ideology, antisemitism or racism, we have to stand strong and boldly with those, who need our help.

To combat this kind of hate, education is one of the most important keys. As a pastor teaching at the German School I educate the next generation about the holocaust. You may ask my son later, who attends my class together with eight other students. Education is the best antidote we have.

In addition, vital friendships across faiths play a important role. As a small German speaking congregation in New York resembling the larger German Protestant Churches, we reach out to other faith communities and we are blessed to have AJC as an important partner.

“Weimar can be everywhere!” might be true, but as we are setting signs of peace as the beloved community God, we are hindering history to repeat itself.

Thank you for AJC for calling us as the beloved community together that we may be a glimpse of hope for those targeted by antisemitism, racism and hate, those on the margin of our society!

How Society gets used to Injustice

Every morning the newspaper is delivered to our drive way. It is the same procedure every day. I wait until the yellow school bus swallows our children and the door close with the same squeaking noise. Then I bend down and pick up my daily portion of news wrapped in a dark blue plastic bag.

As I opened todays paper and flipped through the pages a almost silent thought crept into my mind getting louder and louder with every new page I turned. A campus shooting in Texas, that had been a rather casual side note in TV last night, was not even worth a mention in todays edition. I couldn’t believe, how quickly one gets used to certain kinds of news.

This kind lack of information mirrors human behavior: The human mind gets quickly used to certain occurrences. In January 2020 there were 28 mass shootings costing 38 lives. Only few nowadays make it to the headlines. That was different, when I was a child. I still vividly remember the first mass school shooting in Germany.

As quickly as life and routines change, the way we see the world and what we perceive as dangerous, just or unjust seems to shift. Victor Klemperer (9 October 1881 – 11 February 1960), a German native and language scholar, experienced this shift of conscience in a very personal way. His diary tells us in details about his life under the Nazi dictatorship and is a frightening documentation of a shift in mind and ethics enabling the most destructive regime ever haunting the face of our earth.

These shifts never come abruptly. More so, they quietly make their way into society. Changing habits, thoughts, and mind-sets in small steps. Almost unnoticeable. They crawl into news, everyday life, conversations, and increasingly change how we perceive things. What formerly was branded as unjust, is after a while met with indifference, and later will even be seen as a just decision.

It was February 21, 1935. Victor Klemperer awaited the visit of two students. As a son of a Jewish parent he had lost his call as a University professor due to Adolf Hitler´s racial laws. Now he was forced into retirement and isolated from his highly active life as a renown scholar and teacher. Any kind of normality was happily welcomed by him and his wife reminding them of the life they had before the Nazi regime took its deadly grip of Germany. But the normality that entered his quiet, isolated home through two former students opened his eyes to the gradual disappearance of what he once called normality:

The girls are completely anti-Nazi. But when it came to talking about two young noble women who had just been executed in Berlin for espionage (for Poland, the friend!), they thought it was all right. They did not ask about the difference between peace and martial law, security through public negotiations, etc. The sense of justice is lost everywhere in Germany, is systematically destroyed.

Victor Klemperer, Tagebücher 1935-1936, Berlin, Germany 1998, p.15 (translation: Miriam Groß)

Miss Winkler and Miss Hildebrandt had been two average young students, who hadn’t supported the Nazi regime. Nonetheless, they too were changed gradually with what they perceived as just or unjust. They stand for millions of average Germans, who had not enthusiastically embraced Hitlers thoughts, but opened the gates to destruction through their increasing shift in the sense of justice. A bitter warning, Victor Klemperer left behind through a small remark in one of eight diaries describing the year 1935.

What was unjust yesterday, is perceived as normal and soon will be deemed just. Harsh sentences, brute words tweeted quickly without thinking sow the seeds of indifference and later hatred. Back then during the Nazi regime it started of with the normalization of violent slurs against Jews. And then escalated into the murder of millions of innocent people.

We should stay woke! Victor Klemperer´s diary is a important warning. May our sense for justice never again be lost. May it not be systematically destroyed as once in Germany.

I am afraid, this will take the courage of many to speak up and show that they are not indifferent towards any kind of totalitarianism. It will come at a high personal cost, but so be it.

#JewishANDProud – a ally´s perspective

As we are facing horrific antisemitic violence in New York I am increasingly worried. As a German I not only know where this form of hate can lead through history, but my own family’s history is embedded in this murderous act of Hitler´s National Socialism and Antisemitism. It is therefore one of my greatest responsibilities to warn about these murderous dangers and bring up the next generation to commit to this important task. As we marched yesterday in solidarity across the Brooklyn bridge to set a sign against hate, my eleven year old daughter walked at my side. It was her first demonstration ever and I am sure that it will be printed into her mind.

I may not be able to embrace January 6 as the “Jewish and Proud” day in the same manner as my Jewish friends, but in honor of all my Jewish friends I chose to make soup with matzoh balls for my family. Not only do we Germans say: “Liebe geht durch den Magen” (Love makes its way to a person through the stomach) as we are trying to bring up our children in respect for the Jewish communities and other faith communities, but matzoh resemble an important link to the broken past of my home town:

Uffenheim is a small town of now 5.000 in middle Franconia. It once had a famous matzoh factory, which was known for its delicious bakery from Berlin to Munich. Interestingly, one of their products was named “Frankenperle”. Gerson Landmann, the great-grandfather of my friend Rick Landman, whose family has originated as well from Uffenheim and lives in New York, has sold their products in Munich. It is unbelievable, how many interlinkages the two of us discover: Not only did our families originate from the same town, but I ministered in Munich for a number of years as well!

http://www.alemannia-judaica.de/uffenheim_synagoge.htm

Unfortunately, the small factory disappeared with its significant Jewish population before World War II. Uffenheim had “prouded” itself being “judenfrei” before the 1938 and was one of the “brown” centers of Hitler´s Nazi regime with the famous propagandist Julius Streicher roaming the area and “brainwashing” all its population. My German grandfather had eagerly joined in this very dark chapter of human history, which brought death and destruction over uncounted lives, families, and whole continents. I recall many discussions and fights between us as I reacted very emotional as he had prided himself to have fought as a marine in Hitler´s army and painted these days in a glorious fashion. One can easily imagine that I was not his favorite grandchild.

As I travelled back to Bavaria this passed November, I visited my parents-in-law in Uffenheim and was able to track down the old Matzoh factory, which is now a shed for fire wood. Its owner allowed me to take a closer look and even promised that he would unearth the old oven, which is presently “buried” under piles of wood.

Matzoh will be forever connected to the broken history of my home town as I am continuously committed to remembrance, reconciliation and peace. I may not be able to “undo” the crimes of my forefathers and -mothers, but I can warn others and encourage the next generation to seek peace and love their neighbor.

Therefore, in honor of today’s “Jewish and Proud” day, as an ally I will make matzoh ball soup for our family. They will quickly understand this symbol of our past and present. May many more allies come from our small parsonage and the ministry I am embarking in New York.

Grief piece by piece

“YES!” The small piece made a clicking sound as it found its place in the new jigsaw puzzle. It continuously took shape on the table of our sitting room leaving only a small space for other objects like a cup of milky tea. The fire was crackling in the back ground as I crouched over the mysterious picture slowly taking shape in front of me. The colorful and comic like drawing amused me as one piece after the other found its place. The displayed humor fit perfectly to the memories rising up from the depth of my soul like warm bubbles as every new puzzle piece clicked into its place.

Puzzling accompanies me and my family now almost a year. Presently, it is a sign of grief and remembrance as I feel drawn closer to one of the dearest people in my life, who I had lost too early and too quickly almost a year ago.

Just three weeks before his sudden passing away, we had spend a lovely holiday together. As we puzzled hours after hours, we talked a lot and just marveled at the gift of time, friendship and the deep connection we felt. Each time a puzzle piece found its place, he smiled accompanying it with a loud “YES!!!”. His voice still rings in my ears. As I repeated this gesture many times, yes thousands of times over the last year, it makes me feel closer to him. The memories give me strength. Life is different. It is lonely at times. His passing away has left a hole in my heart. But I have to honor his memories and his life as he is and will be an inspiration: No other person have I ever met was grounded so deeply in faith and loved so kindly beyond boundaries.

Grief is a difficult thing. I know that as a pastor as I have accompanied so many. I know it personally as I have lost numerous people dear to me. Grief needs different expressions. Mine is puzzling and evoking precious memories piece by piece.

If you out there are grieving, please be reminded that God loves you. May the memories of the loved one fill your heart and being with joy until you once meet again in God´s eternity.

____________________________________________________________________________________________

If you are curious about the puzzles, we use: The humorous puzzles are from Wasjig. They are a hilarious piece of art combined with a mystery to solve.