Von bärigen Symbolen und Hilfe für die, die helfen

Vorsichtig faltete ich die kleinen Hände um die Mandel und drückte sie sanft fest. Dann stach ich den nächsten Bären aus dem kalten Butterplätzchenteig aus. Während sich mein Backblech langsam mit einem Teil der Plätzchen-Hundertschaft für meinen Dienstort in der Bundespolizei füllte, wanderten meine Gedanken in eine längst vergangene Zeit.

Noch gut kann ich mich an eine amerikanische Comic-Sendung erinnern, in der „Care Bears“ (dt.: Glücksbärchis) als kuschelige Wesen sich um das Wohl von Menschen bemühten. Dort, wo die kleinen Bärchenplätzchen eine Mandel umarmten, trugen die Bären ein Symbol auf dem Bauch, das für die Gabe des jeweiligen Bärchen stand. Waren Menschen, und vor allem Kinder, in Schwierigkeiten geraten, so halfen sie mit ihrer jeweiligen Gabe.

Am Anfang meiner Tätigkeit bei der Bundespolizei stolperte ich über ein ganz anderes Bärenbild. Als ich vom Begriff des „Bärenführers“ erfuhr, war ich sehr verwundert. Aus der mittelalterlichen Geschichte hatte dieses Bild für mich eine durchaus negative Konnotation. Ein Bärenführer zähmte damals den wilden Bären und zwang ihn zu Tätigkeiten, die weder naturgemäß noch artgerecht waren. Die „Bärenführer“, die ich jedoch bei der Bundespolizei erlebt habe, wiesen die jungen Kolleginnen und Kollegen als erfahrene Vorgesetzte aufmerksam in die neue Tätigkeit als Polizistinnen und Polizisten im Praktikum ein und waren darauf bedacht, dass es dem anvertrauten Nachwuchs gut ging.

Ich schüttelte den Kopf, während ich das nächste Backblech voller Bären in den heißen Backofen schob. Was für „bärige“ Gedanken… Ich beschloss das Symbol des Bären als eines der Sorge und der Zuneigung zu deuten. Denn dies durfte ich vielfach am größten polizeilichen Aus- und -fortbildungszentrum der Bundespolizei erleben: Lehrende, die sich um den polizeilichen Nachwuchs kümmern und dort engagiert ihren Dienst tun. Die Seelsorge ist ein Teil dieser Sorge und ist gerne für die helfend da, die anderen helfen. Kurzerhand entschloss ich „Care Bären“ zu backen und als kleine „bärige“ Zeichen dieser Sorge weiterzugeben. Das Ergebnis könnt ihr hier sehen:

Ein herzliches Dankeschön an das Team der Druckerei des AFZ Bamberg, das mich bei der Umsetzung dieser Idee mit Rat und Tat unterstützt hat. ❤️

Von gefährdeten Lebensträumen, Gleichberechtigung und Personalmangel im Pfarramt

Ich atmete tief durch während meine Hand über die alten Ordner strich. Es musste sein – der Kalender hatte aufgrund einer unfreiwilligen Pause Platz für ungeliebte Tätigkeiten geschaffen. Als wir vor fast zwei Jahren aus USA wieder nach Bayern zurückkehrten, war wenig Zeit für Sichten und Aussortieren der alten Aktenbestände gewesen. Während der Staub leise unter meinen Fingern aufstob, hielt ich mitten in der Bewegung an. Mein Auge hatte sich an den Großbuchstaben eines Ordners festgesogen. E X A M E N stand dort in großen schwarzen Lettern als ob ich damals die Gewichtigkeit dieser Lebensstation hatte hervorheben wollen.

Ich seufzte als ich den in die Jahre gekommenen Ordner langsam und bedächtig herauszog. Noch vor wenigen Tagen hatte das evangelische Internet- und Nachrichtenportal Evangelisch.de von Ruhestandswelle und dem bevorstehenden Pastorinnen- und Pastorenmangel berichtet. Jede Person werde gebraucht. Man denke darüber nach, wie man junge Menschen für diesen Beruf begeistern könne. Als ich Studentin mit Mitte Zwanzig war, stellte sich die grundlegende Situation völlig anders da. Es gab Phasen in landeskirchlichen Personalplanungen, in denen man versuchte möglichst vielen von einem Ergreifen dieses vielseitigen Berufes abzuraten. Meine Erfahrungen in dieser Phase sind aufgrund meines Geschlechts geprägt – ich weiß von vielen anderen bitteren Geschichten, wo wunderbare, visionäre Menschen einen anderen beruflichen Weg jenseits von Kirche einschlugen.

Während ich den in verstaubten Ordner mit seinen abgenutzten Ecken öffnete, saß ich plötzlich wieder in einem mittelgroßen Konferenzraum in Erlangen. Ich spürte die damals mich umgebende Nervosität, die gepaart war mit einer Art Vorfreude auf den wichtigen Studienabschnitt der Examensvorbereitung. Die Ziellinie schien nach vielen Jahren Studium, Hebräisch, Griechisch und Lateinauffrischung, einem Praxisjahr, ungezählten Stunden in Vorlesungen, Seminar- und Hausarbeiten zum Greifen nah. Die Landeskirche hatte für eine Informationsveranstaltung über die kirchlichen Examen einen Vertreter aus München gesandt, der uns Theologiestudierende mit bedeutungsschwerer Stimme begrüßte und dann wie oft in Kirche üblich zu einer kleinen Vorstellungsrunde einlud, in der wir uns persönlich kurz vorstellen und von unserem Studienstand sowie das anvisierte Datum des Examens erzählen sollten. Als ich an der Reihe war, wich die anfängliche Nervosität der Freude über die Möglichkeit kurz von meiner Person, meinem Familienstand sowie dem Studienstand einem wichtigen Vertreter meiner Landeskirche zu berichten. Der Kirchenrat räusperte sich nach meinem Beitrag und blickte mir in die Augen: „Danke, Frau Groß. Leider muss ich Sie darauf hinweisen, dass ein Kind in der Examensvorbereitung hinderlich ist. Nur selten schaffen Frauen die Doppelbelastung von Kindern und Examen. Ich gebe Ihnen den wohl gemeinten Rat, zuhause bei Ihrem Kind zu bleiben.“ Ich spürte, wie mein Gesicht heiß anlief während alle Blicke der Kommilitoninnen und Kommilitonen auf mir lagen. Nach vielen Dienstjahren und Herausforderungen waren die Gefühle dieses Tages in meinem kleinen Arbeitszimmer in Bamberg noch so präsent als ob sie gestern gewesen wären.

Mein Blick schweifte über den Inhalt des Ordners, der das erste und zweite lutherische Examen in Bayern, sowie mein „drittes“ reformiertes Examen in der Church of Scotland dokumentierte. Ein breites Grinsen huschte über mein Gesicht und vertrieb die trübe Erinnerung. Wenn der Kirchenrat heute wüsste, dass ich zu jedem Examen ein Kind bekommen hatte, und jedes durchaus sehr passabel bestanden hatte. Zwischen Windelwechseln, Stillen und kurzen Nächten das notwendige Wissen aneignete, um meinen Berufswunsch einer Pfarrerin zu erreichen. Beim „dritten“ Examen war ich sogar zwei Tage vor meinem eigentlichen Flugverbot aufgrund der Schwangerschaft mit dem Frühflug nach Edinburgh geflogen, hatte mittags meine mündliche Prüfung abgelegt und war mit dem Abendflug zurück nach Orkney geflogen. Eine kleine Ausnahme stellte meine Dissertation da – aber zu diesem Zeitpunkt war unsere Familie bereits komplett gewesen…

Ich bin dankbar, dass meine jungen Kolleginnen dies nicht mehr erleben müssen. Während man im Vikariat keine Ausnahme zum ersten Geburtstag meines zweiten Kindes genehmigte und mich anwies stattdessen an einem Ausflug zu einem Krematorium teilzunehmen, sorgt man sich nun in guter Weise um junge Eltern, die Familie, Studium und Vikariat unter einen Hut bringen wollen. Mit Stolz kann ich sagen, dass meine bayerische Landeskirche in meiner bisherigen Amtszeit segensreiche Lern- und Veränderungswege der Gleichberechtigung und Wertschätzung innerhalb der Ausbildung beschritten hat. Junge Vikarinnen und Vikare werden herzlich in der Mitte unserer Landeskirche begrüßt und willkommen geheißen. Inzwischen gibt es Dekaninnen, Regionalbischöfinnen, Kirchenrätinnen und Frauen in zahlreichen Führungspositionen. Man muss nur mutig sein und nach gut evangelischem Prinzip stetig einen Weg der Erneuerung gehen. Dann können wir trotz aller Herausforderungen und Veränderungen dennoch hoffnungsvoll in eine Zukunft mit und in Kirche blicken.

Von sonnigen Herbstfreuden, Süßigkeiten und Wesentlichem

Ich streckte meine Beine dem ungewöhnlich warmen Herbstsonnenstrahlen entgegen und nahm einen kleinen Fruchtbonbon aus einer Süßigkeitentüte heraus. Während sich langsam der herrlich frische Fruchtgeschmack in meinem Mund ausbreitete, schloß ich genüßlich die Augen. Das Lachen und Jauchzen der Kinder am nahegelegenen Spielplatz drang durch die wohlig-warme Entspannung an diesem letzten Sonntag im Oktober und wärmte mir Herz und Seele.

„Noah!“, rief plötzlich eine energische Stimme und zerriß den Klangteppich fröhlicher Kinderlachen, „stopf nicht alle Süßigkeiten in dich hinein!“ Ich öffnete meine Augen und beobachtete eine junge Mutter, die ihrem vielleicht dreijährigen Sohn eine halbleere Bonbontüte aus den Händen riß. Einige Bonbons rieselten dabei auf den Boden. Der Sohn stampfte energisch mit dem Fuß auf, sammelte die verstreuten Süßigkeiten hektisch auf und schrie empört: „Menno, du bist fies!“ Dann verschwand er trotzig in einer Traube von Kindern, die sich um die einzige Rutsche auf dem Spielplatz gebildet hatte.

Noch wusste der Junge wenig von dem gesellschaftlichen, politischen und sozialen Geschehen um ihn herum. Ich beneidete ihn trotz des Eingreifens seiner Mutter um seine Leichtigkeit. Darum, dass Pandemie, Krieg, soziale Spannungen, Herausforderungen am Arbeitsplatz und private Sorgen weit von ihm weg schienen.

Die kleine Auseinandersetzung um Süßigkeiten erinnerte mich an Worte des brasilianischen Dichters, Kunsthistorikers und Musikers Marió Raul de Morais Andrade (9. Oktober 1893 – 25. Februar 1945), der sich in reifem Alter Gedanken um die Gestaltung seines Lebens machte:

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe. Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen.

Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Marió de Andrade: Meine Seele hat es eilig

Nachdenklich zog ich einen kleinen Bonbon aus meiner Süßigkeitenpackung. Als Pfarrerin und aus eigener, manchmal schwerer Erfahrung, die ich sammeln musste, wusste ich, wie wichtig es war, das Gott geschenkte Leben nicht zu verschwenden, sondern mit Gutem anzufüllen. In meiner gegenwärtigen Arbeit als Polizeiseelsorgerin darf ich Menschen vor Ort begleiten, die Verantwortung übernehmen, die menschliche Würde verteidigen und für Wahrheit und Rechtschaffenheit einstehen. Ein Geschenk, das weitergeschenkt werden sollte.

Als die junge Mutter mit ihrem Sohn an mir vorbeilief, sah ich seinen sehnsuchtsvollen Blick auf meiner Süßigkeitenpackung liegen. Ich stand auf, grüßte die Mutter und fragte, ob ich ihm einen kleinen Bonbon anbieten dürfte. Als sie etwas zögerlich nickte, streckte ich dem Jungen die Packung entgegen. Er fasste hinein und nahm so viele Bonbons heraus, wie seine kleine Hand fassen konnte. Dabei strahlte er mich verschmitzt an. Vielleicht hatte ich hiermit einen kleinen, weiteren Verbündeten gefunden, der sich für das Wesentliche im Leben einsetzen würde?

My dear Jewish friend 12: hygiene, human dignity and daily reminders

My hand softly touched the thick glass of the exhibition. I swallowed deeply as a huge knot of grief and anger formed in my stomach. No, it couldn’t be … but deep in my heart I knew it had happened. The small safety razor and its blades in the small glass cabinet looked so innocent and ordinary. Nonetheless, it was a silent witness of crimes unimaginable and executed on innocent people. What had started as a trip with my police cadets to the memorial of the concentration camp of Flossenbürg, took an unforeseen personal turn that would from then onwards be a constant reminder in my daily routine.

Just a few weeks ago I had bought a safety razor. One of these „old style“ ones, where you could detach the double-edged blade while the rest would be reused. I wanted to preserve the environment and thought to myself: Why not first start with my daily routines? Small actions that cumulate make a big difference.

On that wintery October day it hit me directly into my face as I saw a double-edged razor with separate blades that almost looked identical to the one laying in my bath room. I couldn’t take my eyes of this device of daily hygiene, which once according to the description belonged an prisoner of the concentration camp Flossenbürg. It was taken away as an action of discrimination. Hygiene was not allowed in these death camps. What is natural to us – a nice shaved beard, neatly cut hair, hygiene of other body parts – was taken away from prisoners as an instrument of oppression and terror.

Hair is such an essential part of our human dignity. A part of our personal expression of self. The Nazi terror went further. It not only took away double-edged razors, which ensured a personal self-administered hygiene, like the one exhibited in Flossenbürg, but brutally stole human dignity by shaving the hair of every person entering with straight razors and replacing names by numbers. Those ensuring this terror were part of the „Schutzstaffel“, which in 1936 was united by Himmler with the police.

As I pointed my young police cadets to the small glass cabinet with the double-edged razor, they were equally astonished to see a hygienically product laying there, which is now very much in fashion. Many had bought one themselves to show that they would try to preserve the environment. Now it is an unforeseen reminder in their and my daily private routine. Every young police cadet, who is impacted by an encounter with the evil, murderous regime that took millions of innocent lives, is one ally more and a sign of hope in our broken world.

My dear Jewish friend 11: Forms of Identification and Responsibility

Preparing for an upcoming lesson I had dug out my seasoned passport. My thumb ran over the rounded edges and the large white registering sticker of my visa that was placed over the federal eagle and had almost been rubbed off. The many travels I had made with this faithful companion had given this important document a soft appearance.

For the upcoming week I was asked to be part of a role play to help my police cadets prepare for a standard situation: I would play a passenger, who needs to identify herself to the authorities while traveling. „Pretty straight forward“, I quietly said to myself. I love being part of these vital practises as they help our young trainees to grow into their new, responsible role as representatives of the German government. But this practise would have a different, very deep meaning as it the responsibility growing from its day to day practise at German airports, train stations and borders was rooted in the darkness of the German past.

How many times had I taken for granted that I would not be in danger when handing my passport to an immigration officer? I can’t recall how often I had presented it while travelling from the United States to Germany and back. My German passport comes along with a lot of privileges citizens of other countries do not have. According to the Henley Passport Index it is listed on 3rd place worldwide for visa-free travel. Whenever I was holding this small, but powerful form of identification in my hand, I always felt secure when handing it over.

But there have been times in Germany, when certain forms of identification haven’t been a protection, but an endangerment for those holding them. Inge Auerbacher, who is a Holocaust survivor and whom I was honoured to meet in New York, knows through hurtful experience. Just a few weeks ago I stood with in front of an exhibition about „Kennkarten“ at the Jüdisches Museum Berlin as tears rolled down my cheeks. It was exactly on the day when Inge had left Germany. This day was marked by authorities in red letters across her German identification card, which was back then called „Kennkarte“.

(Picture right : by the courtesy of Inge Auerbacher)

The „Kennkarte“ was the basic identity document, which was used during the Third Reich. The murderous regime quickly used this form of identification as a weapon of control and fear. Unfortunately, Germany back then had been very efficient in the layout of bureaucracy. Letters on the outside of the „Kennkarte“ were introduced to mark each ethnicity – J for Jews, U for Ukrainians, R for Russians, W for Belarusians, K for Georgians, G for Goralenvolk, Z for Roma and Sinti.

I can’t possibly imagine what kind of fear it must have evoked as a person with such a letter had to produce their ID to an officer. After seeing Inge´s Kennkarte I will never ever take such freedom for granted. Encountering her story, took my teaching at the Federal Police to a deeper level. As long as I am allowed to, I will talk with my cadets about their responsibility to be guards of democracy and human worth. Back then, the police force was a terrible accomplice of the murderous Nazi regime enabling fear and becoming an instrument of its terror. Today, as long as I am permitted to teach, I will tell the stories of hurt, loss and disaster to help the young police officers to remember this terrible time in Germany and become a vital part of resistance against any form of exclusion, dictatorship and executive terror.

I sighed deeply as I slid my passport into my bag. What a privilege and responsibility. Maybe this is one of the reasons I was called back to Germany: that we remember these horrible times and stay committed to democracy and justice so people feel safe as they enter and life Germany.

Von segensreichen Umwegen

Auf dem grauen Beton des erhaltenen Mauerabschnittes der Berliner East Side Gallery erhob sich Fuji-san mit einer japanischen Pagode während im Hintergrund die Flagge Japans als rote Sonne aufging. Voller Faszination betrachtete ich diesen von insgesamt ursprünglich 106 Bildern, die von 118 Künstlern aus 21 Ländern an der ehemaligen Mauer geschaffen worden waren, die Deutschland bis 1989 in schmerzlicher Weise geteilt hatte.

Das Mauerkunstwerk „Detour To The Japanese Sector“ war von Thomas Klingenstein gestaltet worden. Der ostdeutsche Künstler hatte sich früh für Japan interessiert, ein persönliches Kennenlernen und Bereisen dieses ostasiatischen Landes war ihm aufgrund der Reiseeinschränkungen der DDR unmöglich gewesen. Weil er am 3. Oktober 1979 an einem Treffen mit Robert Havemann, Katja Havemann und Gregor Gysi teilgenommen hatte, wurde er nach seinem Abitur 1981 in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben. Die politische Wende in Deutschland 1989 erlebte Klingenstein in Japan, wo er 1984 bis 1995 lebte.

Das Bild des Künstlers brachte in mir viel zum Klingen. Die japanische Kultur hatte mich ebenfalls früh interessiert, aber im Gegensatz zu ihm wuchs ich in der Freiheit des Westens auf. Reisen gehörte aufgrund meines binationalen Aufwachsen integral zu meiner Lebensstruktur. Dennoch machte auch ich einen Umweg über Japan, der nun Jahre später segensreich ist, damals aber zunächst einigen Unmut hervorgerufen hatte.

Als junge Theologiestudentin hatte ich mich zielstrebig um die Zulassungsvoraussetzungen für das kirchliche Examen erkundigt, damit ich schnellstmöglich meinen Wunschberuf einer Pfarrerin ergreifen konnte und meine Studienkosten, die ich nach Abschluss abzuzahlen hatte, durch ein zügiges Studieren möglichst gering halten konnte. Eine wichtige Bedingung war der Nachweis eines „Praxisjahres für Theologiestudierende“. Mindestens ein Jahr Arbeitserfahrung sollten Theologiestudentinnen und -studenten vorweisen. Ich brachte meinem Unmut über diesen beruflichen Umweg, der kirchlich vorgeschrieben worden war, in vielen Unterhaltungen zum Ausdruck. Dann aber machte ich die Not zur Tugend und bewarb mich bei Japan Airlines, um meine Reiseaffinität und die finanziellen Konsolidierung unter einen Hut zu bekommen. Eineinhalb segensreiche Jahre als Flugbegleiterin bei Japan Airlines folgten, die mich aus dem kirchlichen Studium hinaus in die Welt führten und mir nebenbei ermöglichten in die bis dahin wenig bekannte japanische Sprache und Kultur einzutauchen.

Der kirchlich institutionalisierte Umweg lehrte mich viel für meine spätere Tätigkeit im Pfarramt, von Menschenkenntnis über Umgang mit Extremsituationen bis hin zum direkten Kontakt mit anderen Religionen und Kulturen. Mein Ethikunterricht für angehende Polizistinnen und Polizisten in der Bundespolizei speist sich in einigem ebenfalls von denen bei Japan Airlines gesammelten Erfahrungen: ob dies die Notfallausbildung für Extremsituationen ist, der Umgang mit randalierenden Passagieren oder medizinische Notfallsituationen in der Luft…

Der folgende Artikel, der während meiner Studienzeit erschien und den Anfang meiner kirchlichen Medienarbeit darstellt, gibt einige Einblicke in diese für mich beruflich prägende Zeit:

Die persönliche „Detour To The Japanese Sector“ war für mich ein segensreicher Lebensabschnitt, der meine Arbeit als Pfarrerin mit geprägt hat und nun hilfreich ist für meine Tätigkeit als Seelsorgerin in der Bundespolizei um die zu verstehen, die für unsere Sicherheit an Grenzen, im Bahn- und Flugbereich sowie im Ausland sorgen. Manchmal sind Umwege diejenigen, die uns auf unserem Lebensweg bereichern und uns auf den von Gott gewünschten Pfad gehen lassen.

Ob Thomas Klingenstein dies auch so empfindet? Ich werde den bekannten Künstler wahrscheinlich nie kennenlernen, aber ich wünsche ihm, dass der Umweg nach Japan in der Retroperspektive für ihn gleichfalls segensreich ist. Die wunderschöne Ausgestaltung des Mauerabschnittes zeugt von so viel Kraft, Anmut und politisch Auseinandersetzung mit der persönlichen Vergangenheit, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Wenn Fleischereien sich christlicher Symbolik bedienen…

Schnellen Schrittes bog ich mit meiner Familie im Schlepptau um die nächste Straßenecke. Immer mit dem Blick abwechselnd auf das Smartphone und die Umgebung. Der Hunger trieb uns in der unbekannten Berliner Umgebung voran, denn wir wollten möglichst schnell zum ausgewählten indischen Wunschrestaurant kommen. In meiner Vorstellung stand vor mir bereits ein leckeres indisches Curry mit butterweichem Lamm. Mir lief schon allein bei dem Gedanken das Wasser im Mund zusammen.

Als ich aufsah, blieb mein Blick erstaunt an einem Schild haften. Etwas über Augenhöhe war weiß auf rot in einem Leuchtschild ein Lamm mit einer Fahne abgebildet. Darunter prangte in großen Lettern ebenfalls in strahlendem Rot gehalten die Aufschrift „Fleischerei“. Mitten auf den beschäftigten Straßen von Berlin Friedrichshain-Kreuzberg strahlte unübersehbar bei Tag und Nacht das Agnus Dei als Werbeschrift für eine Fleischerei. Die Kombination von christlicher Symbolik und einem Fleischereifachgeschäft erschien an diesem Urlaubstag selbst für mich als Pfarrerin, die eigentlich die Passions-, Kreuzigungs- und Auferstehungsgeschichte in und auswendig kannte, wirklich drastisch und sehr massiv. Dabei wies die durchaus gewagte Kombination von christlicher Symbolik und der Tötung von Tieren auf die Schwere dessen hin, was wir Christen glaubten, dass Christus für uns vollbracht hatte: nämlich dass er als Unschuldiger unsere Schuld wie ein Lamm auf sich genommen hatte und dadurch uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet hatte. Ob sich der fleissige Einkäufer oder die hungrige Kundin der zugrundeliegenden Symbolik des Geschäftes bewusst waren?

Die Vorstellung des „Agnus Dei“ rekurriert auf das Lamm als Opfertier im Alten Testament, besonders auf Pessach-Lämmer, deren Blut in der Nacht des Auszugs Israels aus Ägypten auf das Gebot Gottes hin als Schutzzeichen vor der Zehnten Plage an den Türpfosten gestrichen wurde (siehe Ex 12). Das sog. vierte Gottesknechtslied schöpft in seinen Worten ebenfalls aus der Symbolik des Lammes:

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jes 53,4-5

Im Neuen Testament findet die Lamm-Symbolik fast selbstverständlich eine Verwendung, wobei sie ganz auf Jesus bezogen wird und vor allem im Johannesevengelium eine besonders gewichtige Rolle spielt. So weißt Johannes der Täufer an zwei Stellen auf Christus mit diesen Worten hin:

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!

Joh 1,29 (1,36)

Interessant ist, dass der Evangelist nicht nur die oben genannten Worte wählt, sondern auch die Kreuzigung Jesu zu der Zeit verortete, in der Passach-Lämmer geschlachtet wurden. Auch die anderen Evangelien sowie die Offenbarung des Johannes schöpfen aus der Lamm-Gottes-Symbolik.

Selbst auf das Drängen meiner hungrigen Familie hin konnte ich mich nur schwer von dem vor mir prangenden Fleischerei-Schild lösen. Wie oft habe ich Osterlämmer für die gebacken, die mir wichtig waren und dabei mehr auf die putzige Osterlammform und den richtigen, süßen Kuchengeschmack geachtet? Wie oft habe ich das Abendmahl gefeiert und dabei mit der Gemeinde innerhalb der Liturgie das „Agnus Dei“ gesungen bevor ich Brot und Wein als Leib und Blut Christi reichte ohne mir der massiven Symbolik in seiner Tiefe bewusst zu sein? Es schüttelte mich an diesem sommerlich heißen Nachmittag in Berlin durch und durch bei der Vorstellung eines Lammes, das zur Schlachtbank geführt wurde – die Fleischerei verwob die oft so harmlos scheinende Symbolik mit bitterem Ernst.

Mein Hunger nach einem indischen Lammcurry war mit einem Mal vergangen. Wie nur konnte ich all die Jahre die Tat Christi, die für Christen so essentiell ist, gedanklich verharmlosen und mich so weit von dem entfernen, was es eigentlich bedeutete? So wurde ich plötzlich wachgerüttelt. An einem heiteren, warmen Urlaubsnachmittag mitten in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg.

My dear Jewish friend 10: Roaming the streets of Bamberg with Heschel on my mind

The steps of my feet echoed on the pavement as I crossed through a smaller street in the old city center of Bamberg. My restless mind was weary and I tried to avoid the most popular streets, which were so prominent with tourists from all over the world.

Its now one and a half years since we had to abandon the life we had built in New York – and I had to leave the comfort of a special friend behind, who lived so close to me and shared my passion for those on the fringes of society. I feel alone in this German city that prouds itself of being a UNESCO World Heritage Site. It is full of history, broken history, and millions of tourists are flocking to see how splendid Germany must have one looked before the Second World War. I feel alone – sometimes even from G*d, I must admit. I often lament, why He has called me here to teach hundreds of Federal Police cadets instead of leaving me in the close comfort of our friendship.

So, in the last weeks I dug deeper into the wisdom of those, who have inspired my research during my doctoral studies. Abraham Josua Heschel, whose daughter Susannah I had the honour to meet in New York as I organised a panel discussion about „Luther and Antisemitism“ with the Leo Baeck Institute in 2017, I found an interfaith ally. As Heschel moved to Berlin to pursue his academic career, he felt alienated as a Hasidic in the bustling German capital. He roamed the streets – and maybe he even felt alone and lost in translation from one culture to the next as I do right now. I am aware that I’m a German citizen. I speak the language. I know the culture. I have been brought up with the food. But my life´s journey has put an undeniable multicultural imprint on me. My thoughts and ideas are as diverse as the cultures and places that have had an impact on me. But in this Roman Catholic city it seems like only a streamlined person with a monocultural background is accepted (preferably Franconian having lived here all of their lives). Immediately upon arrival in this Roman Catholic context I was told straight into the face that as a Lutheran pastor I should get used to being minor and should get used to this fact. No wonder, I find it hard to feel at home.

As I lamented one evening on my way beyond the tourist paths of Bamberg, it was a poem of the Rabbi I adore for his deep connection of faith and social justice that spoke consolation to me – it was as if through time the Rabbi spoke compassionate words of G*d´s presence to a lonesome German Lutheran pastor:

God follows me everywhere— 
spins a net of glances around me, 
shines upon my sightless back like the sun.

God follows me like a forest everywhere. 
My lips, always amazed, are truly numb, dumb, 
like a child who blunders upon an ancient holy place.

God follows me like a shiver everywhere. 
The desire in me is for rest; the demand within me is: Rise up,
See how prophetic visions are scattered in the streets!

I go with my reveries as with a secret
In a long corridor through the world— 
and sometimes I see high above me, the faceless face of God.

God follows me in tramways, in cafes.
Oh, it is only with the backs of one’s eyes that one can see 
how secrets ripen, how visions come to be.

Abraham Josua Heschel, The Ineffable Name of God: Man, originally published Warsaw 1933, translated from the Yiddish by Morton M. Leifmann, New York 2007, p. 57.

These words spoke deeply to my soul and called my thoughts back into perspective. G*d has always been with me, no matter where I went throughout my life journey and the places he has led me to:

the long stretched, agricultural region of Franconia and its society being aligned to monocultural structure during my childhood and youth

the beautiful American South, its mesmerising city of Charleston and the tensions of its past and present

the industrial nation of Japan pressing forward in time and economy with its fascinating ancient culture that embraces the future

the lively city of Frankfurt, providing space for a multicultural society paving the way for Germany to become a more manifold and welcoming nation

the remote islands of Orkney with its stunning nature, which is one of the most beautiful places of G*ds creation I have ever seen

the state Bavaria dominated by its capital Munich as the industrial motor of Germanys South and its harsh cement desert

the diverse city of New York as the secret capitol of the Western world, which is one of a kind and took me in as one of its own

and the medieval city of Bamberg fascinating uncounted tourists by its beauty, but finding it difficult to embrace those who are different.

Its Heschel words of G*d´s presence are consoling as I am trying to come to terms that sometimes the paths we are led down are not the ones we maybe have wished for. And perhaps one day, if G*d provides, we will again roam down streets, neighbourhoods or islands together. Until then, may our faith and friendship be the bond that reminds us that G*d follows us everywhere.


This is the Yiddish original poem in a beautiful interpretation:

Gedanken am Rand von Kirche 2: Gegenwart und Zukunft der Kirche

Schwer lag die kleine, schwere Glocke in meiner Hand. Ich wog sie nachdenklich hin und her, bevor ich sie zum Läuten brachte, um meine Familie an den reich gedeckten Abendessenstisch zu rufen. Wie unsere Familienglocke, so war es mir als ob die Institution Kirche in die Jahre gekommen war. Der Glanz ist weg und seit kurzem einem durchaus schmerzhaften Realismus gewichen. Seit gut eineinhalb Jahren arbeite ich nach vielen Jahren Gemeindedienst nicht mehr im Pfarramt und tauche nicht nur beruflich als Seelsorgerin bei der Bundespolizei in ein anderes Tätigkeitsfeld ein, sondern bin gemeinsam mit meiner Familie das erste Mal seit langer Zeit ein einfaches Gemeindeglied. Wochentag und Wochenende. Arbeitszeit und Freizeit. Es sind unbekannte Rhythmen, die mir neue, wertvolle Einblicke in die Realität eines Kirchenmitgliedes schenken. Ich sehne mich nach einer Gemeinschaft, die Freud und Leid, Höhen und Tiefen des Lebens mit uns teilt. Erleben darf ich sie an ganz anderer Stelle: im Bereich der Bundespolizei. Vereidigungen, Festtage, aber auch Tod und Trauer vereinen uns über Religions- und Konfesssionsgrenzen hinweg.

Kirchenmitgliedschaft ist dort alles andere als selbstverständlich. Durch meine Lehrtätigkeit als Polizeiseelsorgerin weiß ich, dass die meisten meiner Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärter keiner verfassten Kirche angehören und sich sehr selten einer Religion zugehörig fühlen. Kirchenskepsis und starke Kirchenkritik prägen diese Generation von Auszubildenden, die zwischen 16 und Ende 30 sind. Der von Till Reiners kirchlich viel kritisierte Beitrag im Rahmen der „Heute-Show“ findet begeisterte Aufnahme. Man mag die Inhalte so viel diskutieren, wie man will- für viele ist das nur eine Bestätigung ihrer bereits geformten Meinung über Kirche und Glaube.

Ich erlebe nun in meiner Tätigkeit als Seelsorgerin die Zukunft dessen, was Kirchengemeinden erwarten wird: dass Kirche und Gläubige in der Minorität sein werden. Eher die Ausnahme als die Regel. Das sollte zumindest unsere evangelische Kirche wachrütteln. Für mich stellt sich angesichts meiner langjährigen Erfahrungen im In- und Ausland die Frage, was Kirche eigentlich ausmacht und wie sie trotz der bereits immanenten Krise sich als Botschafterin des Glaubens bewähren kann. Eine glaubwürdige Zeugin sollte sie wieder sein, die nach Innen und Außen wirkt und sich an ihre Berufung durch Jesus Christus orientiert. Von der Nabelschau auf unterschiedlichen kirchlichen Ebenen habe ich leider mehr als genug miterleben dürfen. Eine freudige Glaubensgemeinschaft wünsche ich mir, die in der Ambivalenz des Lebens nach Innen und Außen die hoffnungsvolle Zuversicht des Glaubens weiter schenkt.

Freude – wahre Freude. Keine durch Konsum evozierte, vergängliche, sondern eine Freude, die in den Höhen und Tiefen zusammenhält und trägt, weil sie aus der tiefen Quelle des Glaubens gespeist wird.

In New York und Bamberg durfte ich mehrere Schabbat-Gottesdienste besuchen. Ich war jedes Mal überwältigt von der Freude, die am Freitagabend in die gottesdienstlich versammelte Gemeinde einzog als der Schabbat wie eine geschmückte Braut freudig willkommen geheißen wurde. Nachdem wir aufstanden und sie symbolisch begrüßten, ging der Gesang in einen Jubel über, der uns alle erfasste. Ich vermisse solch eine überschwängliche, überfließende, sich anderen schenkende Freude in unseren lutherischen Gottesdiensten.

Die Theologin Angela Williams Gorrell hat ähnliche Erfahrungen rund um den Schabbat machen dürfen. Während ich offizielle Gottesdienste zum Beginn des Feiertages in New York und Bamberg mehrfach besucht habe, berichtet sie in ihrem Buch „The Gravity of Joy“ von einer anschließenden Einladung in einen Privathaushalt:

„After the worship service, we gathered in a dining hall that had been specially prepared for hours before sundown so that no work would be done during the dinner. The tables were set, the candles were lit, and the food had been cooked.

Our only job was to eat course after course and talk about life as we enjoyed the meal and conversation with one another.

About an hour into the dinner, a man stood up on a chair and started clapping and singing loudly – no instruments, just his energy and voice and hands sounding together. He invited everyone in the room to join hin.

We need other people to invite us to rejoice as much as we need other people to invite us to befriend anger and fear and open lament.

We need to be trained in crisis care, and we need to witness pain and respond meaningfully to suffering – but we need joy too. At different points in our lives, our capacity for joy is enhanced or restricted by what we are facing. People have different capacities of joy.“

Angela Williams Gorrell: The Gravity of Joy, Grand Rapids, Michigan, USA 2021, p. 174.

Es wäre doch schon mal ein gelingender Anfang, wenn wir diese Freude ausstrahlen würden, anstatt durch einen oftmals traditionellen Gottesdienst abzuschrecken, der nur noch von denen verstanden wird, die dessen Sprache gelernt haben zu sprechen. (Der kritische Leser wird anmerken, dass es durchaus moderne Formate gäbe. Dem kann ich nur zustimmen, wobei die meisten besuchbaren Gottesdienste klassisch gestaltet sind und moderne Formate die Ausnahme darstellen. Und welcher Jugendliche oder junge Erwachsene besucht schon gern um 9:30 Uhr oder 10 Uhr nach durchfeierter Nacht einen Gottesdienst?)

Ich läutete ungeduldig unsere kleine Essensglocke. Doch der Glockenklöppel verhakte sich immer wieder und gab nur einen dumpfen leisen Klopfton ab, der sicherlich nur schwer durch die Zimmertüren dringen würde. Ob es mir gelingen würde, meine eigenen Kinder für Kirche zu begeistern? Seit eineinhalb Jahren lag das nicht mehr in meiner Hand. Ich hatte über viele Jahre versucht, die Grundlagen dafür zu schaffen. Würde die Kirche als glaubhafte, zugewandte Glaubenszeugin, die Gemeinschaft stiftete und Sinn schenkte, zu ihnen durchdringen oder ihr Rufen vor deren Tür wie dumpfe Glockenschläge verklingen?

Von unfreiwilligen Zeitreisen und bitteren Mahnungen aus der Geschichte

Es glitzerte und funkelte an vielen Stellen der geräumigen Ausstellungsfläche. Leuchtendes Rot. Schimmerndes Grasgrün. Helles Sonnengelb. Durch tausend und ein Unikat strahlte uns handwerkliche Glaskunst entgegen und zog uns umgehend in den Bann. Mein Blick wurde magisch von einer kleinen gläsernen Erdkugel angezogen, die sich wie von magischer Hand in östliche Richtung drehte. Mitten in all der Glaskunst sah sie so friedlich und wunderschön perfekt aus- ein Blick auf unsere menschliche Heimat, die mir ohne einer Reise ins Weltall ermöglicht worden war.

Laut wissenschaftlicher Schätzungen bewegt sich unsere Erde seit etwa 4,6 Milliarden Jahren durch Raum und Zeit. Viele Spezies, Menschen, Völker und Regierungen hat sie kommen und gehen gesehen. Ich seufzte tief während mein Blick immer wieder besorgt auf einen Teil unserer Erde fiel, der überzogen war von Krieg, Leid und gewaltsamen Tod. Die Ukraine im Herzen Europas wurde innerhalb kürzester Zeit zum leidvollen Mittelpunkt unserer westlichen Welt. Ein schmerzhaftes Symbol für unsagbares Leid, das durch Menschen evoziert wird, die das Recht des Stärkeren meinen ausleben und umsetzen zu wollen. Koste es, was es wolle – tausende von Menschenleben, zerstörte Gegenwart und zerborstene Zukunft… Ich starrte erschrocken auf die kleine gläserne Erde, die zerbrechlich vor mir rotierte während sie sich in meiner Vorstellung rückwärts zu drehen begann und mich gedanklich mit in das Jahr 415 v. Chr. nahm. In eine andere Zeit und eine andere politische Situation, die aber dennoch in vielem so erschreckend der unseren ähnelt.

Der griechische Historiker Thucydides überliefert in seinem peloponesischen Krieg (Buch 5, Kapitel 84–116) durch den Melier-Dialog ein Kriegsszenario, das zum Mittelpunkt die zur Schaustellung der Macht des Stärkeren hatte und legt schonungslos eine brutale Kriegsmoral der damaligen griechischen Großmacht offen. Die überlieferte verbale Auseinandersetzung zwischen Athenern und Meliern spiegelt dies wieder. Die Hegemonialmacht Athen hatte sich zum Ziel gesetzt, die kleine, unabhängige Insel Melos unter deren Herrschaft zu zwingen. Interessant an diesem aus einem Krieg hervorgegangenen fiktiven Diskussion ist, dass der Autor Thucydides mit seinem Werk vor allem den Wendepunkt und moralischen Fall einer Weltmacht deutlich macht. Die zur Hilfe gerufenen Spartaner hielten sich in dieser schweren Situation zurück, da sie um ihre eigene Sicherheit fürchteten und lieferten somit die Anwohner Melos einem tödlichen Schicksal aus. Die beiden athenischen Diskussionsführer Cleomedes und Tisias verdeutlichen, wie eine Großmacht seine ethische Balance, seine Zurückhaltung und jegliche Orientierung an Rechten verloren hat, um sich selbst sklavisch an eine Macht klammern, die die Großmacht so gut wie verloren hatte und nach dieser kriegerischen Auseinandersetzung durch die Sizilienexpedition Wirklichkeit wurde.

Geendet hat dieser brutale Angriffskrieg der Athener laut Überlieferung von Thucydides mit einer Ermordung aller wehrfähigen Männer, sowie die Versklavung von Frauen und Kindern in Melos. Horrorszenario eines Krieges, in dem das Ziel des Machterhaltes über jeglichem Menschenleben und Wert stand.

Ich konnte nur schwer meinen Blick von der kleinen immer noch weiter rotierenden gläsernen Weltkugel nehmen und mich nur zögerlich von meiner unfreiwilligen Zeitreise lösen. Die Mahnungen aus der fernen Geschichte eines anderen Landes und einer anderen politischen Situation glich nicht nur durch den europäischen Horizont, sondern durch manche inhaltliche Ähnlichkeit.

Und ich muss bitter feststellen: wir haben weder gelernt noch uns an die antiken Überlieferungen erinnert, denn die Macht des Stärkeren wird gegenwärtig schonungslos ohne Rücksicht auf Leben und Würde in der Ukraine ausagiert.