„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“

Von Tafeln, Grundsicherung und aufbauenden Worten

Das Toastbrot reihte sich in ordentlichen Reihen und unterschiedlichen Geschmacksrichtungen aneinander. Die Donuts in Erdbeer-Rosa wechselten sich mit denen in dunklem Schokoladen-Braun ab. Den saftigen Blattspinat hatte ich in Tüten portioniert und ebenso auf dem großen Tisch platziert als mir die Leiterin unserer Tafel eine großes Packet mit Bibeln in Ukrainisch entgegenstreckte, die uns von der Bamberger Gruppe des Gideonbundes geschenkt worden war. Als diese ihren Ort auf dem großen Tisch erhalten hatten, war es bereits Zeit für die Ausgabe. Wir eilten alle nach einem kleinen Briefing zurück an unseren Ausgabeort. Meine Hand strich leicht über die bereitgestellten Bibeln, die in einer mir fremden und so wichtigen Sprache gedruckt worden waren. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, schoß es mir heiß und kalt durch den Kopf. Doch nun war keine Zeit zum Einhalten. Die ersten Kunden warteten bereits an meinem Tisch darauf, die bereitgestellten Waren erhalten zu können.

Die Ausgabe war schon zur Hälfte verstrichen, als eine ukrainische Kundin mit ihren zwei Töchtern Toastbrote entgegennahm. Während ich der Mutter mit Händen und Füßen den Unterschied zwischen Vollkorn- und Buttertoastbrot erklären wollte, glitt die ältere, ungefähr zwölfjährige Tochter leise am Tisch entlang und strich vorsichtig über die ukrainischen Bibeln. Sie sah mich fragend mit ihren großen dunklen Augen an. Ich nickte aufmunternd und schob ihr lächelnd eine Bibel zu. Schnell nahm sie das dunkle Buch wie eine wertvolle Fracht entgegen und barg sie in einer zärtlichen Umarmung in ihren Händen. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht,“ sagt Jesus in Mt 4 und verweist hierbei auf ein Schriftstück in der Thora (Den 8), die zum Mittelpunkt die Dankbarkeit gegenüber Gott hat, der trotz all der Herausforderungen für Speise gesorgt hat.

Das junge ukrainische Flüchtlingsmädchen verstand diese Anspielung Jesu intuitiv und hatte daher nicht nur dankbar Essen, das zur Grundsicherung half, entgegengenommen, sondern das Wort Gottes mit in ihr vorübergehendes deutsches Zuhause genommen. So half die Tafel durch den Gideonbund die aufbauenden und mutmachenden Worte Gottes weiter zuschenken. Ihr Strahlen und die zärtliche Umarmung der Bibel haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Ein wunderbares Geschenk, das ich an diesem Samstag erhielt und auf das verwies, was wichtig ist: das Brot des Lebens – literal durch die Grundsicherung, die die Tafel schenkt, und übertragen durch die Bibeln, die nun nach und nach ihren Weg zu ukrainischen Flüchtlingsfamilien finden werden.

Von unfreiwilligen Zeitreisen und bitteren Mahnungen aus der Geschichte

Es glitzerte und funkelte an vielen Stellen der geräumigen Ausstellungsfläche. Leuchtendes Rot. Schimmerndes Grasgrün. Helles Sonnengelb. Durch tausend und ein Unikat strahlte uns handwerkliche Glaskunst entgegen und zog uns umgehend in den Bann. Mein Blick wurde magisch von einer kleinen gläsernen Erdkugel angezogen, die sich wie von magischer Hand in östliche Richtung drehte. Mitten in all der Glaskunst sah sie so friedlich und wunderschön perfekt aus- ein Blick auf unsere menschliche Heimat, die mir ohne einer Reise ins Weltall ermöglicht worden war.

Laut wissenschaftlicher Schätzungen bewegt sich unsere Erde seit etwa 4,6 Milliarden Jahren durch Raum und Zeit. Viele Spezies, Menschen, Völker und Regierungen hat sie kommen und gehen gesehen. Ich seufzte tief während mein Blick immer wieder besorgt auf einen Teil unserer Erde fiel, der überzogen war von Krieg, Leid und gewaltsamen Tod. Die Ukraine im Herzen Europas wurde innerhalb kürzester Zeit zum leidvollen Mittelpunkt unserer westlichen Welt. Ein schmerzhaftes Symbol für unsagbares Leid, das durch Menschen evoziert wird, die das Recht des Stärkeren meinen ausleben und umsetzen zu wollen. Koste es, was es wolle – tausende von Menschenleben, zerstörte Gegenwart und zerborstene Zukunft… Ich starrte erschrocken auf die kleine gläserne Erde, die zerbrechlich vor mir rotierte während sie sich in meiner Vorstellung rückwärts zu drehen begann und mich gedanklich mit in das Jahr 415 v. Chr. nahm. In eine andere Zeit und eine andere politische Situation, die aber dennoch in vielem so erschreckend der unseren ähnelt.

Der griechische Historiker Thucydides überliefert in seinem peloponesischen Krieg (Buch 5, Kapitel 84–116) durch den Melier-Dialog ein Kriegsszenario, das zum Mittelpunkt die zur Schaustellung der Macht des Stärkeren hatte und legt schonungslos eine brutale Kriegsmoral der damaligen griechischen Großmacht offen. Die überlieferte verbale Auseinandersetzung zwischen Athenern und Meliern spiegelt dies wieder. Die Hegemonialmacht Athen hatte sich zum Ziel gesetzt, die kleine, unabhängige Insel Melos unter deren Herrschaft zu zwingen. Interessant an diesem aus einem Krieg hervorgegangenen fiktiven Diskussion ist, dass der Autor Thucydides mit seinem Werk vor allem den Wendepunkt und moralischen Fall einer Weltmacht deutlich macht. Die zur Hilfe gerufenen Spartaner hielten sich in dieser schweren Situation zurück, da sie um ihre eigene Sicherheit fürchteten und lieferten somit die Anwohner Melos einem tödlichen Schicksal aus. Die beiden athenischen Diskussionsführer Cleomedes und Tisias verdeutlichen, wie eine Großmacht seine ethische Balance, seine Zurückhaltung und jegliche Orientierung an Rechten verloren hat, um sich selbst sklavisch an eine Macht klammern, die die Großmacht so gut wie verloren hatte und nach dieser kriegerischen Auseinandersetzung durch die Sizilienexpedition Wirklichkeit wurde.

Geendet hat dieser brutale Angriffskrieg der Athener laut Überlieferung von Thucydides mit einer Ermordung aller wehrfähigen Männer, sowie die Versklavung von Frauen und Kindern in Melos. Horrorszenario eines Krieges, in dem das Ziel des Machterhaltes über jeglichem Menschenleben und Wert stand.

Ich konnte nur schwer meinen Blick von der kleinen immer noch weiter rotierenden gläsernen Weltkugel nehmen und mich nur zögerlich von meiner unfreiwilligen Zeitreise lösen. Die Mahnungen aus der fernen Geschichte eines anderen Landes und einer anderen politischen Situation glich nicht nur durch den europäischen Horizont, sondern durch manche inhaltliche Ähnlichkeit.

Und ich muss bitter feststellen: wir haben weder gelernt noch uns an die antiken Überlieferungen erinnert, denn die Macht des Stärkeren wird gegenwärtig schonungslos ohne Rücksicht auf Leben und Würde in der Ukraine ausagiert.

Wenn Energie-Bomben in Kinderseelen Aversionen wecken

Strahlend schönes Wetter. Wie aus dem Bilderbuch Mitte April. Wir saßen auf der geräumigen Terrasse und kosteten die Zeit aus. Es war herrlich, endlich wieder mein Patenkind besuchen zu können. Die Osterkörbchen hatten bei meinem Patenkind und dessen Schwester (bereits etwas zugegebenermaßen vorzeitig) österliche Jubelrufe hervorgelockt. Nun saßen wir an der langen Kaffeetafel und unterhielten uns über die letzten Wochen, in der wir aufgrund multipler Corona-Erkrankungen in beiden Familien getrennt worden waren.

Während die Kinder sich süßen Kuchenfreuden zuwandten, ging das Gespräch der Eltern fachmännisch und fachfraulich in Richtung Osternester, dessen Dekoration und Füllung. Schnell stellten wir fest, dass unsere Kinder aufgrund ihres Altersunterschiedes durchaus verschiedene Wünsche hatten. Von unserem jüngsten Kind bis zur älteren Schwester waren es immerhin fünf Jahre Altersunterschied. Vom Patenkind zu unserem ältesten Kind stolze fünfzehn Jahre. „Naja“, sagte ich während meine Gabel zielsicher in ein Stück frischen Apfelstreuselkuchen stach, „unsere Jungs sind engagierte Sportler. Daher werden sie anstatt von viel Schokolade wahre „Energie-Bomben“ in ihren Osternestern finden. Die lieben Energieriegel!“ Plötzlich war die Unterhaltung der Kinder verstummt. Die siebenjährige Schwester meines Patenkindes sah mich mit großen traurigen Augen an. „Energie-Bomben? Die will ich nicht. Bomben sind schrecklich!“ Sie schüttelte den Kopf. Selbst die darauffolgenden Erklärungen konnten die Schatten dieses Wortspieles nicht vertreiben und hinterließen bei mir eine tiefe Traurigkeit. Selbstverständlich hatte ich wahrheitsgemäß vom Inhalt des Osternestes erzählt – doch mit keinem Wimpernschlag hatte ich vermutet, dass diese süßen Energieriegel und deren Bezeichnung solch eine negative Konnotation in sich bergen könnten. Es lagen nur fünf Jahre zwischen unseren Kindern, aber vom Welt- und Menschenverständnis waren es Welten, die Energie-Bomben in der kindlichen Vorstellung zu Waffen werden ließen.

Von Tafeln, steigender Bedürftigkeit und Gottesbegegnungen

Hektisch tippte ich auf meinem Mobiltelefon das Wort „Kaffee“ ein. Hinter der ukrainischen Kundin hatte sich inzwischen eine ungeduldig drein blickende Schlange gebildet. Viele Personen kannten den Ablauf bei unserer Tafel sehr gut und wollten aufgrund des strahlenden Wetters zügig ihre Einkäufe erledigen, um dann die wunderschönen Sonnenstrahlen am freien Samstagnachmittag zu genießen. Als nach einer gefühlten Ewigkeit endlich aufgrund der schlechten Verbindung die ersehnte Übersetzung auf meinem Handy erschien, hielt ich sie ihr entgegen. Sie nickte kurz und sprach dann in Ukrainisch weiter. Wieder versuchten wir über das Handy zu kommunizieren. Bis dato konnte ich mich zumeist aufgrund meiner Englischkenntnisse mit den meisten Personen gut verständigen. Nun aber war ich an meine Sprachgrenzen gestoßen. Ich lächelte sie unsicher an und bot ihr eine Auswahl an verschiedenen Lebensmitteln an. Auch sie zuckte kurz mit den Schultern, nahm nickend einiges davon entgegen und verließ die Tafel mit mehreren prall gefüllten Tüten.

Auch in Bamberg wird der Ukrainekrieg nun deutlich sichtbar und für mich in meinem Engagement bei der Tafel erfahrbar. Stetig steigen die Zahlen unserer Kunden, die aufgrund der rasant steigenden Lebenshaltungskosten immer mehr auf die Einrichtung der Tafel angewiesen sind. Aber auch ukrainische Flüchtlinge erhalten hier die notwendige Unterstützung an Lebensmitteln, damit ihre Not so gut wie möglich gelindert wird. Herr Dorsch und Frau Relevant als Leiter und Leiterin der Bamberger Tafel leisten mit einem engagierten Team an Ehrenamtlichen und Sozialstundenleistenden Erstaunliches.

Seit Wochen ist für mich die Tafel ein Ort geworden, an dem ich Gott begegnen kann. Und zwar im Angesicht der bedürftigen und zu unterstützenden Personen, die Woche um Woche dort Hilfe suchen und deren finanzielle Not durch umfangreiche Lebensmittelspenden gelindert wird. Für mich ist Gott so vielgestaltig wie die Menschen, die diese Erde bereichern. Nicht umsonst heißt es im Schöpfungsbericht: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum dem Bilde Gottes schuf er ihn.“ (Gen 1,27a) So ist für mich Samstag für Samstag die Tafel ein Ort der vielfältigen Gottesbegegnung, die ich durch die erleben darf, die am Rande unserer Gesellschaft sind.

Ich habe versucht, meine Erfahrungen in ein kleines Gedicht zu fassen, das Mt 25,31-40, eine der für mich wichtigen biblischen Textstellen mit meinen Erfahrungen verknüpft.

Gottesbegegnungen in der Tafel

Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.

Gott kommt mir nah im müde lächelnden älteren Kunden, dessen Augen trotz der tiefen Schatten in seinem Gesicht strahlen während er sich ein Stück frische Torte an der Kuchentheke auswählen darf.

Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.

Gott kommt mir nah im freudig jubilierenden Jugendlichen, der einen „hippen“ und sonst zu teuren Eistee mit nach Hause tragen darf.

Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.

Gott kommt mir nah in der nur gebrochen Deutsch sprechenden Kundin, die mich bittend ansieht und „Chocolata“ beim Betrachten der Gebäckstücke so zärtlich ausspricht, dass sich Schokolade wie Streicheleinheiten anhört und mein Herz dahinschmilzt.

Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.

Gott kommt mir nah, wenn ich im kleinen Gebrauchtwarenladen der Tafel die Mutter beobachte, die Strampler genau überlegend nebeneinander legt und vorsichtig abwägt, welcher ihr schmales Budget für das sich ankündigende Kind erlauben würde.

Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht.

Gott kommt mir nah während die Leiterin davon erzählt, dass sie langjährigen Kundinnen und Kunden, die dauerhaft schwer erkrankt sind und sich aufgrund von COVID nicht mehr zur Tafel trauen, Essenspakete trotz der vielen geleisteten Stunden nach Hause liefert.

Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Gott kommt mir nah in den Sozialstundenleistenden. Einige sind bereits jungen Jahren im eigenen Gefängnis und der Spirale von Kriminalität gefangen. Durch ihre Tätigkeit bei der Tafel hoffe ich, dass sie sich aus diesen Fesseln befreiten.

Denn: Was wir unseren geringsten Brüdern und Schwestern getan haben, das haben wir Jesus selbst getan.

My dear Jewish friend 8: Remembering and committing as Police

I carefully placed the large candles on both sides of the table, then arranged the white framed picture, book and the program in the center. As the candles burned I waited in the quietness of the morning for my colleagues for the briefing and the following holocaust remembrance. For me it was a tripple commitment as a German citizen, Christian pastor, and now working for the Federal Police since almost a year. The epaulet with a golden cross on my shoulder visiualized my double responsibility for the church and the Federal Police.

When I broke the news to you over a year ago that I would be leaving New York to be called to the Federal Police we shed tears. We instantly knew that something special would very soon be no longer part of our routine: the strolls in our neighbourhood chatting about our lives, working together in your food pantry for the poor, and sharing joy, laughter, and tears.

Even though I still can’t get used to be so far away – to be exact 3.923 miles – this January morning gave me the feeling that our pain of distance at least makes some sense as I remembered with other leading police officers the crimes of the Holocaust. When the Police director spoke of the responsibility remembering and committing to never forget what had happened to your people and so many others during the Nazi horrors, my heartbeat increased. I was proud to hear that the German Police, which was complicit like many other institutions including my Bavarian Lutheran Church, commits to securing human rights and the German constitution.

This commitment is central as I teach young police trainees in ethical decision making. But let me try to briefly recall what happened back then with policing making the Police force a significant element of the muderous Nazi-regime. (For further information follow the link to the German article about Policing during the Third Reich)

The rise of the Hitler movement began against the background of economic and
political crisis of the Weimar Republic. The brutal regime took advantage of the difficult situation of million Germans. Hitler and others in power legally created system of injustice that was aimed at installing a National Socialist-oriented community, which was „liberated“ from any „un-German spirit“.

Essential feature was the so-called „Verreichlichung“, in which the Police force was centralised by the Nazi rulers and became its outward appearance through the „Reichssicherheitshauptamtes“ (Reich Security Main Office) in 1939. From spring 1933 until the end of the war in 1945 the police apparatus received extensive new possibilities to intervene and monitor. In addition, the boundary between „law enforcement“ and „security police“ become blurred in favour of the SS, which ultimately held all powers. To make things worse, the population supported the daily terror of the Secret State Police by
willingly denunciating their fellow citizens.

Police battalions and task forces not only took part in the organisation of the Holocaust in the Germany and occupied areas, but were involved in mass shootings in East Europe and therefore directly took part in the Nazi genocide.

After celebrating six very meaningful Holocaust Remembrance Days in New York, it was this day that added an important mew layer to my commitment as a German citizen, and a pastor working in and for the German Federal Police. May we learn from the disaster of the Holocaust to never make it happen again to anyone, no matter what religion, nationality, or skin color the person might have.

Gedanken am Rand von Kirche

Als ich die kleine Knopfschublade öffnete, begrüßte mich buntes Durcheinander. Während ich den einen oder anderen Knopf in die Hand nahm, erinnerte ich mich an manches Kleidungsstück und Situationen, in denen ich es trug. Wie z.B. meinen beigen Regenmantel, der im Frühling und Herbst in New York mein treuer Begleiter gewesen war. (1) Mit einigem Erstaunen entdeckte ich mitten im Knöpfechaos die Teile meiner Ü-Ei-Kirche, die mich seid fast zwanzig Jahren begleitete. Ich fischte die Einzelteile aus der Schublade. Vor vielen Jahren war ich zum Dank zu einem sonntäglichen Mittagessen bei meinem Religionslehrer, der Pfarrer war, eingeladen worden. Über Monate hinweg hatte ich für ihn als Prädikantin im Alter von 19 Jahren Gottesdienste übernommen, da seine Arbeitslast hoch und eine Entlastung nicht in Sicht war. Zum Nachtisch gab es für dessen Kinder und mich jeweils ein Ü-Ei. Als ich dieses öffnete und eine kleine Kirche aus dem Inneren der süßen Verpackung schälte, war mein Erstaunen groß. Ob dies wohl ein Zeichen sei?, hatten wir uns damals gefragt, als mein Berufswunsch noch nicht festgestanden war.

So wie diese kleine Ü-Ei-Kirche zerstreut und in ihren Einzelteilen im Chaos meiner Knöpfe lag, so befinden sich die großen kirchlichen Institutionen in einem sehr zerbrechlichen Status. Die Corona-Jahre haben an deren Relevanz stark gekratzt, die Mitgliederzahlen fallen lassen, und nun erschüttert der massive Missbrauchsskandal der römisch-katholischen Kirche nicht nur diese Institution, sondern ebenso die evangelischen Kirchen. Die Austrittszahlen sind so hoch wie nie zuvor.

Ich schüttelte den Kopf, während ich den kleinen dunkelbraunen Hahn, der auf der Spitze des Kirchturms seinen Platz hatte, in meinen Händen drehte. Trotz vehementer Versicherungen hatte Petrus Jesus drei Mal verleugnet. (2) Wie die Glaubwürdigkeit des Paulus so steht nun die der Kirchen auf dem Spiel und ihre Relevanz für das soziale Gefüge. Als Pfarrerin, die am Rand von Kirche tätig ist, nämlich dort wo Kirche aufhört und durch die Bundespolizei der Dienst für die Bundesrepublik beginnt, darf ich angehende Polizistinnen und Polizisten im Fach Berufsethik unterrichten. Für mich ist es ein Privileg, diese jungen Menschen unterrichten und unterstützten zu dürfen. Wann hat man im Raum der Kirche eine solche Kontaktmöglichkeit, während die Gemeinden überaltern, wenige Jugendgruppen oder ähnliches haben? Die meisten meiner Anwärterinnen und Anwärter stammen aus „religions- und glaubensfernen“ Familien. Die wenigsten haben eine direkte Erfahrung mit einer Glaubensinstitution gemacht und noch weniger sind praktizierende Gläubige. Schon vor der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie innerhalb der römisch-katholischen Kirche war deren Vertrauen in „Kirche“ auf einem der letzten Plätze – schlechter schnitten zumeist nur noch die privaten Rundfunksender ab. Als Pfarrerin und Theologin, die vor vielen Jahren sich für eine berufliche Tätigkeit in der evangelischen Kirche entschieden hat, ist dies schmerzhaft. Es ist ein direktes, ungeschminktes Bild, das bereits jetzt die Zukunft von Kirche zeigt- und zwar die einer religiösen Minderheit, der eine Mehrheit religionsneutraler bzw. distanzierter Personen gegenübersteht.

Aber sollten sich Kirchen dem Chaos des Zersetzungs- und Verkleinerungsprozesses ergeben? Eine durchaus interessante Frage, denn schon bald werden sich noch drängendere Fragen der Finanzierbarkeit und personelle Engpässe aufgrund von hohen Ruhestandszahlen und fallender Nachwuchszahlen stellen. In Schottland hatte ich 2007-2010 erlebt, wie die damalige Church of Scotland, die sich als Nationalkirche verstand, massiv verkleinern, Kirchengebäude abstoßen und auch mit personellem Mangel umgehen musste. Doch diese reformierte ging den schmerzhaften Prozess mutig und proaktiv an, um weiterhin ihrem Ruf als Stimme für Gerechtigkeit und Frieden im Norden Europas gerecht werden zu können und sich durch aufgebrauchte Ressourcen nicht ganz aufzulösen.

Es gibt Theologen, die dieses Verständnis einer öffentlichen Stimme und Berufung nicht unterstützen. Der methodistische Theologe Stanley Hauerwas postuliert, dass Gemeinden wie ein sicherer Hafen seien sollten, die Gedanken Jesu separiert von jeglicher Umwelt erhalten und pflegen sollten bis einst der jüngste Tag eintreten sollte. (3) Doch was der Theologe übersieht ist die grundsätzliche Ausrichtung am höchsten Gebot, das Christen aufgetragen ist:

Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft«. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

Mk 12,29-31

Wenn die Kirchen dieses Gebot in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stellen, anstatt wie leider oft erlebt, sich um ihre exklusive Entität der Stagnation zu kümmern und um sich selbst zu kreisen, dann besteht Hoffnung und Glaubwürdigkeit, die über die eigene Institution hinausstahlt. Solche Gemeinden, die wie z.B. Vesperkirchen oder Kirchen mit Tafeln um Bedürftige kümmern. Die durch die Unterhaltung einer Pflegeeinrichtung diakonisch tätig sind, kommen dem Ruf Jesu nach. Dietrich Bonhoeffer hat einst zur Zeit der Diktatur des Nationalsozialismus, in der die Kirchen ihre Berufung zunehmend verloren und zu Mittätern wurden, hervorgehoben:

Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, S. 560.

Darin liegt die hoffnungsvolle Perspektive einer gegenwärtigen und zukünftigen Kirche, die sich neu findet, indem sie gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt durch die Umsetzung des Doppelgebots der Liebe schenkt.

Nachdenklich setzte ich die kleine Kirche wieder zusammen. Ob meine Gedanken am Rand von Kirche innerhalb Gehör finden würden?


(1) Knopf rechts unten im Bild.

(2) Mk 14,30

(3) Stanley Hauerwas and William H. Willimon, Resident Aliens: A provocative Christian assessment of culture and ministry for people who know that something is wrong, 25th ed. (Nashville: Abingdon Press, 2014).

Gelebte Kirchengemeinschaft und biographische Wege der Einheit

Drei wichtige konfessionelle Stationen breiteten sich auf meinem Schreibtisch aus. Vorsichtig strich ich über das handgefertigte lutherische Leinenbeffchen, die mit bunten Stickereien geschmückte Stola aus dem reformierten Schottland und den samtweichen Doktorhut des methodistischen Wesley Theological Seminary aus Washington, D.C.

Hier war vereint, was vielfach über Jahrhunderte unversöhnlich in Europa nebeneinander existierte, und in meiner Biografie zur einer Einheit zusammengewachsen war: Lutherische, reformierte und methodistische Theologie.

Frisch in der Lutherischen Kirche in Bayern ordiniert hatte ich mich auf der Grundlage der Leuenberger Konkordie, die 1973 im Schweizer Tagungshaus Leuenberg in Hölstein bei Basel zwischen den verschiedenen Konfessionen geschlossen wurde, auf den Weg in das reformierte Schottland gemacht, um dort als Pfarrerin in Orkney zu arbeiten. Da aber eine Presbyterin fürchtete, eine „katholische“ Geistliche aus Bayern könne im streng reformierten Schottland eingeschleust werden, durchlief ich neben der Pfarramtsführung ein verkürztes Vikariat nebst Examen. Was zunächst ärgerlich erschien, wurde mir zum Segen, der mir wertvolle Einblicke in eine Geschwisterkirche und deren Theologie gewährte. Bei meiner Installation in Schottland vereinte ich in meiner Person sowohl lutherische als auch reformierte Glaubensgrundlagen. Für mich eine wunderbare Bereicherung, die meine Theologie auf einen breiteren gedanklichen und spirituellen Horizont stellte.

Jahre später während meines Auslandspfarramtes in New York, USA, wurde mein Horizont noch weiter als ich am methodistischen Wesley Theological Seminary neben einer Vollzeitstelle als EKD-Auslandspfarrerin in Public Theology promovierte. Voller Faszination lernte ich die methodistische Kirche und ihr wichtiges Engagement um soziale Gerechtigkeit kennen, die in der Theologie John Wesleys begründet ist. Mit der Annahme meiner Dissertation im April 2020 vereinten sich ab diesem Zeitpunkt drei Konfessionen in meiner Biografie und meiner Tätigkeit als Pfarrerin.

Meine Freude war daher groß, als ich von dem wichtigen Schritt der drei Kirchen erfuhr, die einen leichteren Übertritt zwischen evangelischen Kirchen in Bayern ermöglicht. Wichtige Schritte zu einer Einheit, die so nötig ist und von der ich weiterhin träume und nicht ablassen werde, mich dafür zu engagieren. Möge, was sich in meiner Biografie vereinen lässt, auch an anderen Stellen heilsam und den Glauben stärkend zusammenwachsen.

Von einem wertvollen Centstück und dem Scherflein der armen Frau

Hektisch hatte ich die Taschen meiner Winterjacke, dann meiner Lieblings-Fleecejacke durchsucht. Doch nirgends war das Centstück zu finden. Ich schüttelte leise vor mich hinmurmelnd den Kopf und dachte nochmals scharf nach als mir plötzlich die Idee kam, in meiner Jeanshose nachzusehen. Ich griff in die rechte Hosentasche der in die Jahre gekommenen Jeans und spürte das kühle, kleine runde Glatt der Münze in meiner Hand. Ein tiefer Seufzer der Erleichterung entwich mir. Endlich hatte ich das Centstück wieder gefunden.

Während ich die glänzende Münze in meiner Hand hin und her drehte, musste ich an die liebe Kundin denken, die mir diese vor einigen Wochen geschenkt hatte. Über die Kuchentheke der Tafel hinweg hatte sie mir freudestrahlend ein mit Centstücken gefülltes Glas hingehalten. „Ich habe Ihnen etwas mitgebracht! Nehmen Sie als kleines Geschenk einen Cent heraus. Der soll Ihnen Glück bringen und Sie an mich erinnern. Durch Ihre Arbeit hier bei der Tafel helfen Sie mir und meiner Familie über die Runden zu kommen.“ Ich schluckte schwer während ich spürte, wie meine Augen sich mit Tränen füllten. Daher griff ich schnell in das Glas und lies das Centstück in die rechte Hosentasche meiner Jeans verschwinden. „Herzlichen Dank! Der Cent wird mich immer an Sie erinnern. … Was kann ich heute Gutes für Sie tun? … Wie immer etwas mit Schokolade für Ihre Kinder?“ Die Frau strahlte zurück und nickte während ich ihr ein schokoladiges Kuchenpaket zusammenstellte.

Das Centstück wurde ab diesem Tag zu einem wertvollen Erinnerungsstück an eine besondere Frau, die unverschuldet in eine schwere Notlage geraten war und ihre Familie mit der Hilfe der Bamberger Tafel über die Runden brachte. An diesem Nachmittag war ich sehr erleichtert, die wertvolle Münze wieder in meinen Händen zu halten.

Immer wieder erinnert mich das besondere Geschenk an die biblische Geschichte, die als „Das Scherflein der Witwe“ bezeichnet wird:

Und er [Jesus] lehrte sie und sprach: Seht euch vor vor den Schriftgelehrten, die gern in langen Gewändern umhergehen und sich auf dem Markt grüßen lassen und sitzen gern obenan in den Synagogen und beim Gastmahl; sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden ein umso härteres Urteil empfangen.

Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das ist ein Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Mk 12,38-44

Das Wort „Scherf“ oder Mittelhochdeutsch „scherben“, „scharben“, „einschneiden“ ist mit der dem Begriff der Scherbe verwandt. Früher hatten Silberpfennige Sollbruchstellen, damit sie für kleinere Werte geteilt werden konnten. Nach dem Brechen wurden sie als „Scherben“ bezeichnet. (1) Das Scherflein ist die Verkleinerungsform von Scherf. Martin Luther hatte in seiner Übersetzung von Mk 12,42 das Wort mit „Scherflein“ wiedergegeben und damit einen kleinen, aber anerkennenswerten Beitrag zum Ausdruck bringen wollen.

Die junge Familienfrau hatte mich durch ihr kleines Geschenk reich beschenkt, denn trotz ihrer Armut und Angewiesenheit auf Hilfe wie die der Tafel gab sie uns Helferinnen und Helfern von Herzen etwas von ihrem wenigen Hab und Gut. Dies mag nominell wenig sein, aber wie wir aus der biblischen Geschichte erfahren, ist es ungemein mehr als das einer reichen Person, die in Überfluss lebt.

Seit diesem Tag ist mir das kleine Centstück zu einer wichtigen Erinnerung und einem Ansporn geworden, den Segen, den Gott so vielfältig in mein Leben legt, mit anderen zu teilen, die im wahrsten Sinn des Wortes jeden Cent umdrehen müssen, um über die Runden zu kommen.


(1) Siehe: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2001; Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer. 2., durchgesehene, verbesserte und ergänzte Auflage. Akademie, Berlin 1993; unter Scherflein.

My dear Jewish friend 7: Shabbat Shira, the New Year of the Trees and songs of praise

After riding with my bicycle through a cold starry January evening to the local synagogue in Bamberg, I thankfully entered the warm and cozy building. Rabbi Dr. Almekias-Siegl had invited me for the Shabbat service and the following festive evening of Tu B´Shvat. As I sat down in a pew, my cold and stiff limbs started to thaw with every word spoken and every song rising.

When Rabbi Dr. Almekias-Siegl explained in his sermon that this evening was Shabbat Shira, my thoughts immediately traveled across the miles to your synagogue and Rabbi Shira Milgrom. My heart silently began to sing as I was reminded of you. What a coincidence to be invited on Shabbat Shira to this synagogue. I suddenly understood why the Rabbi had pointed out to others that my first name was Miriam (as you know in Germany you usually call each other by the surname). It never occurred to me that the names „Shira“ and „Miriam“ are closely intertwined in such significant ways. This special Shabbat not only flabbergasted me, but helped me to understand more about our shared commitment. Shabbat Shira emphasises the Song of the Sea and the Miriams song, which has always has been near to my heart. It is one of the greatest songs of the Torah:

I will sing to the LORD, for he has triumphed gloriously;

horse and rider he has thrown into the sea.

The LORD is my strength and my might,

and he has become my salvation;

this is my God, and I will praise him,

my father’s God, and I will exalt him.

The LORD is a warrior;

the LORD is his name.

“Pharaoh’s chariots and his army he cast into the sea;

his picked officers were sunk in the Red Sea.

The floods covered them;

they went down into the depths like a stone.

Your right hand, O LORD, glorious in power—

your right hand, O LORD, shattered the enemy.

In the greatness of your majesty you overthrew your adversaries;

you sent out your fury, it consumed them like stubble.

At the blast of your nostrils the waters piled up,

the floods stood up in a heap;

the deeps congealed in the heart of the sea.

The enemy said, ‘I will pursue, I will overtake,

I will divide the spoil, my desire shall have its fill of them.

I will draw my sword, my hand shall destroy them.’

You blew with your wind, the sea covered them;

they sank like lead in the mighty waters.

Who is like you, O LORD, among the gods?

Who is like you, majestic in holiness,

awesome in splendor, doing wonders?

You stretched out your right hand,

the earth swallowed them.

In your steadfast love you led the people whom you redeemed;

you guided them by your strength to your holy abode.

The peoples heard, they trembled;

pangs seized the inhabitants of Philistia.

Then the chiefs of Edom were dismayed;

trembling seized the leaders of Moab;

all the inhabitants of Canaan melted away.

Terror and dread fell upon them;

by the might of your arm, they became still as a stone

until your people, O LORD, passed by,

until the people whom you acquired passed by.

You brought them in and planted them on the mountain of your own possession,

the place, O LORD, that you made your abode,

the sanctuary, O LORD, that your hands have established.

The LORD willI will sing to the LORD, for he has triumphed gloriously;

horse and rider he has thrown into the sea.

The LORD is my strength and my might,

and he has become my salvation;

this is my God, and I will praise him,

my father’s God, and I will exalt him.

The LORD is a warrior;

the LORD is his name.

“Pharaoh’s chariots and his army he cast into the sea;

his picked officers were sunk in the Red Sea.

The floods covered them;

they went down into the depths like a stone.

Your right hand, O LORD, glorious in power—

your right hand, O LORD, shattered the enemy.

In the greatness of your majesty you overthrew your adversaries;

you sent out your fury, it consumed them like stubble.

At the blast of your nostrils the waters piled up,

the floods stood up in a heap;

the deeps congealed in the heart of the sea.

The enemy said, ‘I will pursue, I will overtake,

I will divide the spoil, my desire shall have its fill of them.

I will draw my sword, my hand shall destroy them.’

You blew with your wind, the sea covered them;

they sank like lead in the mighty waters.

Who is like you, O LORD, among the gods?

Who is like you, majestic in holiness,

awesome in splendor, doing wonders?

You stretched out your right hand,

the earth swallowed them.

In your steadfast love you led the people whom you redeemed;

you guided them by your strength to your holy abode.

The peoples heard, they trembled;

pangs seized the inhabitants of Philistia.

Then the chiefs of Edom were dismayed;

trembling seized the leaders of Moab;

all the inhabitants of Canaan melted away.

Terror and dread fell upon them;

by the might of your arm, they became still as a stone

until your people, O LORD, passed by,

until the people whom you acquired passed by.

You brought them in and planted them on the mountain of your own possession,

the place, O LORD, that you made your abode,

the sanctuary, O LORD, that your hands have established.

The LORD will reign forever and ever. reign forever and ever.

Exodus 15:1-18

It is the song of the people of Israel at the Red Sea, when your people were saved from the pharaoh through G´d. Being named after biblical Miriam, I was always drawn to the story of the exodus. Many a times I shivered about the pressure, toil and hardship Israel had to bear in Egypt, the plagues, and the miracles Moses performed through G´d.

For me as a Lutheran pastor committed to seeking peace and justice, this story is a symbol of triumph after difficult times and that G´ds promise of justice and freedom can be reached. Many times it takes the struggles of numerous generations until justice becomes reality.

But how quickly do we get used to a peaceful and just surrounding? You and I, we both had the privilege to grow up in peaceful times. Through the history of our nations, which are intertwined through the murderous crimes of the Holocaust, we should remember with huge thankfulness that we are blessed with peace.

The nearness of Tu B´Shvat on this Shabbat may help us to remember that the Creator has provided us with everything we need. The New Year of the trees celebrates the fruit of the tree, the vegetables, the plants that give air to the world and so much more. As the Rabbi shared his memories of celebrating „the New Year of the Trees“ in Israel I could feel the joy spreading in the small diaspora synagogue and once more my longing to visit Israel has been awakened again. (I truly hope to be able to spend time there as soon as this pandemic is over.) As we entered the small communal space on the ground floor, a beautiful meal was prepared for us with more fruits than we could eat and we indulged in fruits, which came from your homeland Israel.

As I ate the carefully selected and beautifully presented fruits, I had to think of all the blessings laid into my life. I don’t have to worry about food or a roof over my head, and am blessed in so many ways. But how often do we forget that the basic things in life are small wonders in themselves? Working in your pantry, getting to know your synagogue, and experiencing how quickly even basic things like food can be taken from you, have changed my perspective both on the song of Miriam and the basic things in life.

I think it is our challenge, to recognise the everyday gifts received from above, and to share these blessings with those, who are less fortunate than us. For them they are wonders and free those, who are less fortunate from their bondage hunger and economical troubles. May our actions become very practical, recognisable songs of Miriam as we use our hands, hearts, and lips to give praise to the one, who has called us to pursue peace and justice.

Zu Gast bei Initiative 27. Januar

Am Abend des Epiphanienfestes war ich zu Gast bei Initiative 27. Januar. Im neuen, modernen Talkformat bei Instagram durfte ich mit Herrn Matthias Böhning meine biografischen und theologischen Zugänge zu Friedens- und Versöhnungsarbeit, Rassismus und Antisemitismus in Übersee und Deutschland sprechen. Es war eine spannende Unterhaltung, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich danke Herrn Böhning sehr für diese Einladung und lege die Initiative allen Leserinnen und Lesern ans Herz! Mitmachen könnt ihr bereits jetzt ganz konkret durch die Unterstützung des Projekts „Weiße Rosen und Briefe für Holocaustüberlebende“ (Link).

Hier ist der Zugang zum Video, der auf IGTV gepostet wurde: