#WeRemember : Bildung als wichtigste „Waffe“ gegen Antisemitismus

Gedanken einer Polizeiseelsorgerin

Grußwort zum Internationalen Tag des Holocaust-Gedenken, Israelitische Kultursgemeinde Bamberg

Das folgende Grußwort habe ich im Rahmen der Gedenkveranstaltung anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocausts in der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg gesprochen. Es sind persönliche Perspektiven, einer Polizeiseelsorgerin, die nicht nur das Gedenken, sondern auch die Tätigkeit angesichts schwieriger gesellschaftspolitischer Entwicklungen in den Mittelpunkt stellt:

(Es gilt das gesprochene Wort)

Die Zeit vergeht wie im Flug. Vor drei Jahren saß ich im Flugzeug und sah gespannt aus dem Fenster während meine alte Heimat New York immer kleiner wurde und schließlich unter den Wolken verschwand. Unendlich viele Gedanken gingen mir durch den Kopf während ich eine Stadt und ein Land hinter mich ließ, das fast sieben Jahre meine Heimat war.

Besonders schmerzhaft war es, meine jüdische Freundin Pam, ihre so wunderbar engagierte jüdische Tafel und ihre Synagoge, die mir eine geistliche Heimat geworden war, zurücklassen zu müssen.

Tröstlich für uns beide war der Grund meines Rückzuges nach Deutschland – ein Auftrag, zu dem ich berufen worden war: im größten bundespolizeilichen Aus- und Fortbildungszentrum als Seelsorgerin die nächsten Generationen von Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärterinnen nicht nur zu begleiten, sondern sie innerhalb des Faches Berufsethik zu wappnen, um gegen Antisemitismus, Rassismus und jegliche Form des Extremismus vorzugehen und als Hüterinnen und Hüter unser Grundgesetz gegen jedweder Angriffe tätig zu schützen.

Es waren Tränen der Trauer, aber auch der Zuversicht, die damals flossen, denn wir beide wussten aufgrund der Geschehnisse in USA, wie notwendig dies war. Dort hatten wir gemeinsam die sehr diskutable Trump-Administration durchlebt, gingen gemeinsam zu hunderttausenden aufgrund eines antisemitischen Anschlages in New Jersey auf die Straßen und setzten Zeichen gegen diese schlimme, mörderische Irrlehre, die unverhohlen in einer der ältesten Demokratien zu Tage trat, durch Wort und Tat. Damals war ich froh und dankbar, dass dies in Deutschland nicht so war. Doch um dem vorzuschützen drang ich zu einer Rückkehr, um im Herzen der Demokratie die zu wappnen, die für sie im Extremfall einzustehen hätten: Polizistinnen und Polizisten in der Bundespolizei.

Aber die Zeit vergeht wie im Flug. Drei Jahre sind so schnell ins Land gegangen und was ich vorher als Prävention betrachtete, die eine weit weg stehende, vielleicht sogar in Deutschland eher unwahrscheinliche Variante von besorgniserregenden Geschehnissen betrachtete, trat nun sichtbar in unserem Land die Öffentlichkeit:

mit der Enthüllung einer Zusammenkunft rechter Kräfte in der Villa Adlon am Lehnitzsee in Potsdam am 25. November 2023 wurde bittere Realität, was ich befürchtet hatte und daher mit Bildung dagegen vorgehen wollte.

Während ich den Berichterstattungen lauschte, wurde Anklänge an die lang vergangene Geschehnisse umgehend vor meinem inneren Auge wach. Vielleicht ging es Ihnen ja genau so wie mir?

Damals, am 20. Januar 1942, waren hochrangige Vertreter des NS-Regimes zu einer Besprechung in einer Villa in Berlin-Wannsee zusammengekommen, die als Wannsee-Konferenz in die Geschichte einging, um ihren mörderischen Plan zu vereinbaren, auszuarbeiten und schließlich umzusetzen.

Aus meiner Sicht ein wahrer Alptraum.

Die Analogien haben viele aufgeschreckt und zu Demonstrationen auf die Straßen Deutschlands gegen das menschenverachtende Gedankengut gesandt. Ich bin dankbar um diese wichtigen Zeichen der Demokratie – denn mit dem Grundgesetz ist das Demonstrationsrecht in Art. 8 GG gesichert. Ich kenne eine Reihe von Pfarrkolleginnen und -kollegen, die das erste Mal dieses Recht in Anspruch nahmen und an einer der Demonstrationen gegen rechts teilnahmen. Auch ich war selbstverständlich Teil dieser Zeichensetzung, so wie ich es in meiner New Yorker Zeit gegen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen des Hasses war. Noch gut erinnere ich mich an eine Demonstration, wo wir zu hunderttausenden über die Brooklyn Bridge marschierten, um gegen den unverhohlenen Antisemitismus, der in der Amerikanischen Gesellschaft zu Tage getreten war, mit meiner Partnerorganisation American Jewish Committee ein unübersehbares Zeichen zu setzen: wir sind viele und eine Mauer gegen Hass! Was damals so war, erlebte ich nun hier in Bamberg ebenso.

Dennoch bin ich als Pädagogin, Ethikerin und Pfarrerin der Meinung, dass es mehr bedarf als Zeichen der Solidarität. Bildung ist die wichtigste Waffe, die wir haben, um die gegenwärtigen und kommenden Generationen zu stärken und für unseren Kampf um Demokratie, Menschenrechte und ein Grundgesetz, das alle schützt, zu gewinnen.

Nie wieder darf geschehen, was im damaligen mörderischen NS-Regime geschah. Über 6 Millionen Menschen wurden brutal ermordet. Aber auch dies ist nicht nur das dunkelste Kapitel unserer Menschheitsgeschichte, sondern es wird seit dem 7. Oktober weitergeschrieben!

Nie wieder darf geschehen, was am 7. Oktober durch den brutalen Überfall der Hamas und deren Morden geschehen ist. Ich habe keine Worte für diese Geschehnisse – aber für mich sind sie eine Fortsetzung des Holocaust und zwar auf dem Boden des Heiligen Landes, das eigentlich ein Schutzort und eine sichere Heimat für Jüdinnen und Juden sein soll.

Die evangelische Seelsorge in der Bundespolizei steht mit ihren Seelsorgerinnen und Seelsorgerinnen im gesamten Bundesgebiet und wir als Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum vor Ort hier in Bamberg dafür ein,

dass Menschenhass mit keinem Wimpernschlag, keiner Geste geduldet wird,

dass Mord und Qual aufgrund von Religion, Abstammung und Nationalität keinen Ort in unserem Land hat,

dass unser Grundgesetz, das zum Mittelpunkt die Menschenwürde hat, geschützt und als für alle gleichermaßen gültig umgesetzt wird.

Dies habe ich nicht nur damals als ich New York verließ, meiner jüdischen Freundin versprochen, sondern dem bin ich als deutsche Staatsbürgerin zutiefst verpflichtet. Wir stehen mit Israel und verurteilen jegliche Form des Antisemitismus, Rassismus und Extremismus. Unsere Hauptwaffe hierbei ist Bildung, die jeder angehende Polizist und Polizistin erhält.

Lassen Sie uns daher zusammenstehen – Zeichen der Solidarität und der aktiven Geschwisterlichkeit nicht nur punktuell setzen, sondern es durch unser Leben und Handeln weben.

Am Israel Chai.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

Pfarrerin Miriam Groß, IKG Bamberg, 28.1.2024
(Bild: Patrick Nitzsche, Antisemitismusbeauftragter der Stadt Bamberg)

Von Erinnerungen an JAL, Extremsituationen und berufsethischem Unterricht

Ich rüttelte ungeduldig mit kleinen, aber bestimmten Bewegungen an der Besteckschublade. Mal um Mal verkeilte sie sich aufgrund der unterschiedlich großen Besteckteile: ob kleiner Espresso-Löffel, spitz-zulaufende Fleischgabel, Buttermesser oder Kinderbesteck, alles besondere aus der heimischen Bestecksammlung war hier verstaut. Ich seufzte als die Schublade sich endlich öffnete. Als „Übeltäter“ stellte sich ein kleiner Babylöffel in Flugzeugform heraus. Vorsichtig nahm ich den in die Jahre gekommenen Löffel heraus, auf dessen Oberfläche in bunter Schrift „JAL BABY CRUISE“ aufgedruckt war. Nachdenklich sah ich den Löffel an, mit dem so viele Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit bei Japan Airlines (JAL) verbunden war.

Gestern erst war ein Passagierflugzeug des Typs A350 meiner ehemaligen Fluggesellschaft am Flughafen Haneda mit einem Flugzeug der Küstenwache zusammengestoßen und vollkommen in Flammen aufgegangen. Alle 379 Passagiere überlebten dank des schnellen Reagierens der Besatzung. Welch eine große Leistung! Vor solchen und anderen Notfällen haben alle Crew großen Respekt – während meiner Fliegerzeit hatte ich keine größeren Notfälle mit begleiten müssen. Schlüssel, um diese und andere Extremsituationen zu überstehen, ist eine gründliche Ausbildung für diese Situationen.

Während meiner Ausbildung zur Flugbegleiterin bei JAL hatte ich daher gemeinsam mit meinen Kolleginnen ein ausführliches Notfalltraining in deren Trainingszentrum in Tokyo durchlaufen. In all dem Ernst machten all die Inhalte unglaublich viel Spaß, denn die Situationen wurden äußerst realistisch simuliert und so lange wiederholt, bis auch das kleinste Detail wie im Schlaf saß. Noch heute kann ich mich an die Kommandos in Japanisch und Englisch erinnern. Aus meiner Trainingszeit habe ich noch eine kleine Erinnerungskarte für die wichtigsten Punkte bei einer Notfall-Landung, die Crew zu beachten haben, um richtig reagieren zu können. Während Pausen habe ich immer wieder kurz die dunkelgrüne Karte herausgezogen und mich an die Stichpunkte wieder in Erinnerung gerufen. Man wusste ja nie… Bis heute bin ich dankbar, dass ich in den über 1200 Flugstunden dieses Wissen nie anwenden musste.

Was übrig lieb, sind wunderbare Erinnerungen an eine besondere Zeit – von manchem erzähle ich viele Jahre später meinen Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärtern im berufsethischen Unterricht, wenn es um Extremsituationen geht. Von randalierenden Passagieren und Herzstillständen. Und von der Ausbildung für Extremsituationen in Tokyo. Sie reichte von Bränden an Bord über Notlandungen mit Evakuierung über Rutschen bis hin zu stürmischen Wasserlandungen und Rettungsbooten. Schlüssel für ein Meistern dieser und anderer Extremsituationen ist es, die Abläufe zu verstehen, in ihrer Abfolge einzustudieren bis sie automatisch ablaufen. In der polizeilichen Ausbildung sind dies zahllose Abläufe, die so in Extremsituationen das Leben der Betroffenen retten werden.

Die Crew der JAL-Maschine hatte die Ausbildung, die ich vor langem erhalten hatte sicherlich in derselben Intensität und Genauigkeit durchlaufen und hart geübt bis die Abläufe in Fleisch und Blut übergegangen waren, und so allen 379 Passagieren das Leben gerettet.

Der Babylöffel von JAL lag leicht in meiner Hand. Er schien so klein und die Erinnerungen an die längst vergangene Zeit so weit weg. Die verbleichende Schrift stimmte mich etwas wehmütig, da ich sicherlich nie wieder einen Umlauf fliegen würde oder für andere Extremsituationen ein Training in dieser Weise erhalten würde. Doch wenigstens meine Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärter würden von den spannenden, etwas verrückten, aber für polizeiliche Perspektiven sehr praxisnahe Geschichten einer Polizeipfarrerin profitieren.

Von Jahreswechseln und Segenswünschen für 2024

Und wieder geht ein Jahr zu neige – 365 sehr durchwachsene Tage liegen nun fast hinter mir. Für mich ist der Altjahressabend ein Tag der Rückschau und Ausrichtung auf ein neues Jahr.

2023 hat mich kaum zur Ruhe kommen lassen. Ein paar kleine Gedanken und Wahrnehmungen möchte ich hierzu mit euch allen fern und nah teilen – hierbei geht es um ein sehr persönliche Sicht, die keinerlei Allgemeingültigkeit beansprucht:

Auseinandersetzungen in Gesellschaft und Politik sind härter und aggressiver geworden – oft mit wenig Bemühen um ein konstruktives Aufeinanderzugehen.

Stress in Arbeit und Freizeit nimmt weiter zu ohne dass wir wirklich voran kommen. Der Soziologe Hartmut Rosa benennt dies als „rasenden Stillstand“. Dem kann ich leider nur beipflichten.

Aufgrund der Kriege in der Ukraine und im Heiligen Land bin ich dünnhäutiger geworden. Ihr vielleicht ebenso? Ich sehne mich so sehr nach Frieden.

Was wird 24 bringen?

Ein Tag hat 24 Stunden. Diese Einteilung geht auf die Babylonier zurück.

Für die Pythagoreer war 24 die vollkommene Zahl, weil das griechische Alphabet 24 Buchstaben hat. der letzte Buchstabe ist Omega. Für die Pythagoreer war es unmöglich, sich vorzustellen, dass etwas in dieser Welt die 24 übertreffen könnte. Sie ist die Zahl der Totalität dieser Welt, der Harmonie des Kosmos mit der Erde und aller Sphären.

Als „doppelte Zwölf“ taucht diese Zahl sowohl im ersten als auch im zweiten Testament auf: da denke ich an die zwölf Stämme Israels und die Jünger Jesu. Die Offenbarung des Johannes erwähnt konkret 24 Älteste. Ferner besteht der Tanach als heilige Schrift des Judentums aus 24 Büchern.

Im Internet wird oftmals ein Domainname mit der Zahl 24 am Ende ergänzt, um darauf hinzuweisen, dass diese im Gegensatz zu anderen Informationsquellen oder Ladengeschäften 24 Stunden am Tag erreichbar seien.

Als internationaler Standard ist bei Filmaufnahmen und -projektionen 24 Bilder pro Sekunde festgesetzt (wobei dies seit kurzem bei manchen Anbietern abweicht).

Viele Publikationen konzentrieren sich auf die Jahreslosung der Kirchen. Auch ich finde sie inspirierend, möchte aber analog zum letzten Jahreswechsel werde ich meine Segenswünsche zum kommenden neuen Jahr 2024 an Psalm 24 in Auszügen anlehnen.

Ich danke euch, allen Leserinnen und Lesern meines kleinen Blogs, dass ihr meinen Worten und Gedanken Raum und Zeit geschenkt habt. Möge Gottes Segen euch in 2024 begleiten!

Eure Miriam Groß

Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Denn er hat ihn über den Meeren gegründet
und über den Wassern bereitet.

Möge Gott, der Schöpfer unseres Lebens und dieser Welt, dich im neuen Jahr schützend begleiten.
Möge Er dich mit Respekt und Ehrfurcht vor seiner Schöpfung erfüllen, damit sie auch für kommende Generationen bewahrt werde.

Wer darf auf des HERRN Berg gehen,
und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?

Möge Gott dich an heilige Stätten führen, die dir Kraft und Zuversicht schenken.
Möge er dich darüber hinaus über all hin begleiten, wo dich dein Lebensweg hinführen möge.

Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug: der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles.

Möge Gott dich ermutigen stets ehrlich in deinem Tun und Lassen zu sein. Möge der Segen des Schöpfers dich erfüllen und Gerechtigkeit wie ein Regen über die Felder deines Lebens strömen.

So segne und behüte dich Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in 2024.

Pfarrerin Miriam Groß

My dear Jewish friend 19: Important Alliances to combat Antisemitism and hate

The downpour of rain came steady and hard. As I excited the car and stepped on the sidewalk I pulled my Police cap as deep as possible into place and quickly made my way to the old church of St. Johannes in the center of Munich. Due to present renovations it was quite a challenge to find the entrance to this traditional Lutheran church, which was build in 1916. After placing my wet Police cap and jacket on the wardrobe I was warmly greeted by Dr. Philipp Hildmann, who would be inducted into his office as the director of the „Bayerisches Bündnis für Toleranz- Demokratie und Menschenwürde schützen“ (Engl.: Bavarian Alliance for Tolerance – Protecting Democracy and Human Dignity).

He had invited me to be part of the intercessory prayers at his introductory service on Dec 12. What an honour in times like these, where Antisemitic crimes are on the rise in Germany and around the world. Since the attack of the Hamas on Israel Oct 7 the unbelievable high number of 1100 incidents have occurred until Dec 21 in Germany (Source: Bundeskriminalamt). According to Holger Münch, the President of the Bundeskriminalamt the dimension in the area of ​​these crimes are new (Neue Zürcher Zeitung). He emphasized that Antisemitism increased on both the left and right spectrum, but was also imported. „Many people have come to our country from regions where Israel is seen as an enemy and where the idea prevails that Jews must be fought,“ said Münch (Source: Jüdische Allgemeine; translation MG). An important area to combat this terrible hate crime will therefore be education, where new members of our German society learn about our history and values, which have their highest expression in Democracy and human dignity.

The present developments show drastically how important it is to form strong alliances against Antisemitism, extremism and any form of hate. As a Police Chaplain involved in educating the next generations of police officers within the German Federal Police I hope to make a difference through the education I provide.

As Philipp stood at the altar surrounded by our new Bishop Christian Kopp and the Roman Catholic Bishop Dr. Bertram Maier, numerous representatives of the churches, government and institutions, my heart stopped for a beat as I prayed for this courageous man, who is the face of one of the most important alliances in Germany. His task will be a hard one in these unbelievable difficult times, but we as his partners will stand strong together with him. We will carry him through in times of trouble and need.

The weather on this day might have been barren outside of the church, but within it was warm and welcoming. As I excited the old building and quickly made my way to the car through the continuing downpour I knew: Philipp might experience many a challenge and most likely countless rainy days, but the people, institutions and organisations of the Alliance will keep him and anyone secure as we move forward to combat Antisemitism, extremism and hate in any form.

Von Rettungsorchideen und Seelsorge

Leises Quietschen begleitete mich, während ich meinen noch leeren Einkaufswagen durch die ersten Regalreihen des großen lokalen Supermarktes schob. Ein Austausch des Hilfsgefährtes würde bedeuten, dass ich komplett durch den Markt gehen müsste, zurück auf den Parkplatz, um ihn dort auszutauschen. Ich seufzte leise und schüttelte den Kopf während ich den Gedanken schnell wieder verwarf. Gleichzeitig fiel mein Blick auf ein Regal angefüllt mit Cambria- und Phaleonopsis-Orchideen. Zwischen all der bunten Blumenpracht stach eine Orchidee hervor, die mit einem roten Aufkleber und einem Sonderpreis versehen war. Vorsichtig zog ich sie zwischen all den in voller Blüte stehenden Pflanzen hervor. Im Gegensatz zu den anderen Orchideen waren bei ihr bereits viele Blüten eingetrocknet, einige lagen abgefallen auf dem Boden des Pflanzentopfes. Umgehend beschloss ich, dieser von Vertrocknen gefährdeten Orchidee eine Chance zu geben. Mit etwas Pflege und Zeit könnte sie wieder zum Blühen gelangen. Ich stellte sie behutsam in den Einkaufswagen, der nun nicht nur leise vor sich hin quietschte, sondern ebenfalls eine käuflich erwerbbare, aber auch in diesem Sinne defizitäre Fracht in sich barg.

Eine Verkäuferin, die im daneben stehenden Regal Pflanzen sortierte, sah mir verwundert zu. „Kaufen Sie doch für ein paar wenige Euro mehr eine schöne, gesunde Pflanze.“ Sie deutete auf eine große prächtige Orchidee in Weiß. „Die hier wird sie mehr erfreuen und noch lange halten. … Die Sie ausgesucht haben, wird sowie so auf dem Müll landen. Bei uns oder bei ihnen. Sie ist der Mühe nicht wert.“ Ich sah sie erstaunt an, dankte ihr leise für den nicht gewollten Rat und verabschiedete mich kurzsilbig.

Der Mühe nicht wert…

Seit wir in unsere Bamberger Wohnung gezogen waren, hatte ich das erste Mal ein für Orchideen wunderbar geeignetes Fenster, das die richtige Menge an Tageslicht aufwies und deren Umgebung auch eine höhere Luftfeuchtigkeit aufwies. Optimale Bedingungen für diese prachtvollen Pflanzen, die für mich ein solch bemerkenswerten und anmutigen Teil von Gottes Schöpfung darstellen. In den letzten Monaten hatte ich die Leidenschaft entdeckt, Orchideen, die in Geschäften als „Ausschussware“ gekennzeichnet worden waren und, wenn sie innerhalb kürzester Zeit keinen Käufer fanden, auf dem Müll landeten, zu erwerben und soweit zu pflegen, dass sie sich wieder stabilisierten. Im Optimum würden sie auch wieder blühen und so ihrer von Gott bestimmten Aufgabe nachkommen – Pracht und Anmut in eine oft graue und eintönige Welt zu bringen.

Was ich dort im Kleinen und Unscheinbaren meiner Bamberger Wohnung tue, ist ein Ausdruck dessen, was Seelsorge an der einen oder anderen Stelle aus meiner Sicht versucht zu leisten:

  • für die da zu sein, die Gefahr laufen zu vertrocknen
  • für die da zu sein, deren prächtiges Blühen vor Verzweiflung, Sorgen oder Druck verblasst und verdorrt
  • für die da zu sein, die nicht mehr dem festgelegten Standard aus Not, Anspannung oder physischer oder psychischer Konstitution entsprechen können, dadurch vielleicht nicht mehr so leistungsfähig sind und schnell am Arbeitsmarkt als „Ausschussware“ gelten

Seelsorge ist die Sorge um Menschen, die ihn oder sie als ein Geschöpf Gottes sieht und über das hinausblickt, was vor Augen ist. In der Seelsorge geht es nicht um Funktionsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit, Profit – ein Mensch soll nicht, wie dies leider in manchen Bereichen unserer Gesellschaft geschieht, mit einem roten Preisschild versehen werden und dann schließlich, wenn er oder sie sich nicht erholt, auf dem Müll landen.

Seelsorge soll Gottes heilende Kraft und vor allem Seine Zusage, dass Er da ist trotz oder gerade in all den Schwierigkeiten, für die in Not geratene Person erfahrbar machen.

Nicht bei jeder Rettungsorchidee gelingt es mir, ihr wieder zu dem blühendem Leben zu verhelfen, das der Schöpfer für sie vorgesehen hat. Aber bei jeder Pflanze, die neue Blütentriebe bildet und schließlich mit zarten Blüten mein Orchideenfenster schmückt, jubiliere ich über Gottes heilende Kraft. Wieviel mehr ist es bei einer Person, die nach einer seelsorgerlichen Begleitung gestärkt ihren Lebensweg geht.

Meine kleine Rettungsorchidee hat nach wochenlanger Pflege drei Blütentriebe gebildet, an denen sich erste zarte Knospen abzeichnen.

Es war durchaus der Mühe wert. Für sie und jede Person, die ich begleiten darf.

Lesen gegen Hass 2: Literaturtipps zur Antisemitismusprävention für Pädagoginnen und Pädagogen

Schülerinnen und Schülern für ein Thema durch eine besondere Zugangsweise zu sensibilisieren ist für Pädagoginnen und Pädagogen von großer Relevanz. Graphic Novels stellen für mich im Sekundär- und Tertiärbereich der deutschen Schulbildung eine wichtige Zugangsmöglichkeit dar. Hierüber schrieb ich in einem vorhergehenden Blogpost (Link).

Nun stelle ich verschiedene Literaturtipps zur Antisemitismusprävention vor, die vor allem an Pädagoginnen und Pädagogen gerichtet sind, die in Sekundär- und Tertiärstufen unterrichten. Die meiste Literatur ist in deutscher Sprache erhältlich – wo dies nicht der Fall ist, weise ich darauf hin.

Dieser Blogeintrag soll eine Hilfe für Kolleginnen und Kollegen sein, um ihr eigenes Wissen gegen Antisemitismus zu stärken und durch Bildung gegen diese menschenverachtende, tödliche Häresie durch Bildung vorgehen zu können. Für die Vorstellung der Literatur habe ich einen Weg gewählt, der versucht, eine zeitliche Achse mit der Grundsätzlichkeit der Bücher zu kombinieren. Die Abfolge stellt keine Wertung in deren Bedeutung da, vielmehr gehören diese zu einer Vielzahl wichtiger Publikationen und wecken hoffentlich weiteres Interesse zur Vertiefung dieses Themas.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Bildung ist die wichtigste Waffe gegen Antisemitismus und jegliche Form des Menschenhasses. Lest gegen Hass und gebt dieses Wissen an die euch anvertrauten Schülerinnen und Schüler weiter!

„Die Natur des Vorurteils“ von Gordon Allport

Aus dem Englischen – als Übersetzung erhältlich

„The Nature of Prejudice“ (1954) wurde von Gordon Allport (1897-1967) verfasst, einem amerikanischen Psychologen, der mit diesem Werk die Grundlage für die Vorurteilsforschung gelegt hat. Laut Springerverlag ist es das meistgelesene Buch innerhalb der Sozialpsychologie.

Für mich war dieses Buch trotz der inkongruenten Bezugsgruppe (weiße, protestantische, amerikanische Männer) ein Augenöffner für eine Erklärung und einen Umgang mit Vorurteilen, die sich bis hin zu extremen Hass entwickeln können. Nicht nur stellte Allport das Aggressionskonzept von Sigmund Freud in Frage, sondern führte stattdessen ein Feedback- und Kommunikationsmodell ein. Der nachhaltigste Beitrag, der Politik und Gesellschaft veränderte, war sein Plädoyer für einen Kontakt zwischen Gruppen, die Vorurteile gegeneinander hegten, um somit Vorurteile vorzuschützen und daraus eventuell entstehenden Hass zuvor zu kommen.

Wer sich für die sozialpsychologische Betrachtung der Entstehung von Vorurteilen und Hass interessiert und durch einen theoretisch fundierten Hintergrund hiergegen in Schule und Bildungseinrichtungen vorgehen möchte, sei dieses Buch ans Herz gelegt.

„Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten – Tagebücher 1933 bis 1945“ von Victor Klemperer

In Deutsch erschienen

Der deutsche Literaturwissenschaftler, Romanist und Politiker Victor Klemperer (1881-1960) ist einer der wichtigsten Zeitzeugen der NS-Schreckensherrschaft und deren mordender Brutalität, die akribisch vorbereitet und Sprache als ein grundlegendes Macht- und Beeinflussungsinstrument verwendet hatte.

In seinen Tagebüchern „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten (1933–1945)“ dokumentierte er seine bitteren Alltagserfahrungen, die er als intellektueller protestantischer Konvertit jüdischer Herkunft innerhalb der der deutschen Gesellschaft des Nationalsozialismus sammeln musste. Für mich ist Klemperer einer der wichtigsten Chronisten, die das Leben in dieser Schreckensherrschaft in alltäglicher Sprache und Sicht transparent werden lassen.

Besonders bewegend und erschreckend sind für mich die schonungslosen Einblicke in eine diktatorische Alltagswelt, die alle Bereiche des Lebens ergriffen hatten. Die Erfahrung der Komplizenschaft vieler einst verlässlichen Personen in Nachbarschaft, Beruf und Familie zeigen, wie diese Diktatur in ihrer Schärfe erst durch sie ermöglicht wurde und sollte uns nachdenklich gegenüber unseren eigenen Handlungsweisen stimmen.

„Hitler – 1889 bis 1945“ von Ian Kershaw

Aus dem Englischen – als Übersetzung erhältlich

Ian Kershaw (*1943), englischer Historiker und Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse, nimmt in seiner Hitler-Biografie nicht nur die Person des Diktators in den Blick, sondern die gesellschaftlichen und politischen Umstände, die es ihm ermöglicht hatten, das schlimmste Unrechts- und Mordsystem der Neuzeit zu etablieren.

Kershaw beschreibt anschaulich und lebendig, mit faszinierender Kenntnis des Protagonisten seines Buches untermauert mit historischen Quellen den Aufstieg des verhinderten Kunstmalers und kleinen »Weltkriegsgefreiten« zum mächtigsten Mann Deutschlands, der eine totale Diktatur errichtete, die Welt in einen schlimmen Krieg stürzte und, der mit vielen Komplizen verantwortlich ist für die Ermordung von Millionen europäischer Juden.

Wichtig wurde mir durch diese Lektüre: ohne die Person Hitler sind die Schrecken des Zweiten Weltkrieges nicht vorstellbar. Aber: Ohne die Gefolgschaft der Deutschen ebenso wenig. Mögen wir diese Warnung ernst nehmen und uns selbst in unseren Handlungen einen kritischen Spiegel vorsetzen!

„LTI – Notizbuch eines Philologen“ von Victor Klemperer

Auf Deutsch erschienen und in viele Sprachen übersetzt

Im Englischen heißt dieses Werk übersetzt aus dessen ursprünglicher Bezeichnung „Lingua Tertii Imperii“ bezeichnend „The Language of the Third Reich“. Es ist die zweite Buchempfehlung von Klemperer, die ich aufgrund deren Grundsätzlichkeit gerne weitergeben möchte.

In diesem Buch analysiert Klemperer die Sprache des Nationalsozialismus und dessen Wirkmacht in bewegender und nachdenklicher Weise. Meine Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärter weise ich stets darauf hin, dass Sprache ihre wichtigste Waffe darstellt. Umso wichtiger ist es daher, historische Kenntnis darüber zu haben, wie Sprache zum Bösen innerhalb unserer deutschen Geschichte verwendet wurde.

An dieser Stelle sei ebenso vermerkt, dass LTI 2003 unter dem Titel „Die Sprache lügt nicht“ (Originaltitel: „La langue ne ment pas“) für das Fernsehen als deutsch-französischer Dokumentarfilm von Stan Neumann adaptiert worden war. Dieser Film wurde im Juli 2005 beim Jerusalemer Filmfestival ausgezeichnet.

„Verbrannte Wörter – Wo wir noch reden wie die Nazis- und wo nicht“ von Matthias Heine

Auf Deutsch erschienen

Der deutsche Journalist und Buchautor Matthias Heine (*1961) nimmt uns in seinem Buch „Verbrannte Wörter“ mit auf eine wichtige Reise durch die deutsche Sprache und analysiert, inwieweit einzelne Begriffe einen nationalsozialistischen Hintergrund tragen oder vielleicht auch trotz einer Vermutung überraschender Weise doch nicht.

Wie steht es mit dem Begriff „Bombenwetter“, der immer noch verwendet wird?

Der „Aktion“, die immer noch in Organisationen wie „Aktion Mensch“ oder „Aktion Sühnezeichen“ zur Verwendung kommen?

Oder dem harmlos daherkommenden Ausdruck des „Hiwi“ als studentischer Hilfskraft?

Es sind erstaunliche Entdeckungen, die der Leser bei der Lektüre dieses Buches machen darf. Stets sind die einzelnen Begriffe gut eingebettet in geschichtliche Fakten und Referenzen, wie LTI als Quelle herangezogen. Der Autor macht am Ende jedes Begriffes eine kleine Empfehlung und regt dabei zur Entscheidung über eine etwaige Verwendung im eigenen Wortschatz an. Bei manchem hätte ich eine andere (strengere) Schlussfolgerung gezogen – doch in vielem kann ich dem Autor gut in einem Applizieren auf die sprachliche Praxis folgen.

„Hitlers amerikanisches Vorbild: Wie die USA die Rassengesetze der Nationalsozialisten inspirierten“ von James Q. Whitman

Als Übersetzung aus dem Amerikanischen erhältlich

James Q. Whitman, Professor für vergleichendes und internationales Recht an der Yale-Universität ist einer der angesehensten Rechtshistoriker der USA. Er deckt in seinem Buch „Hitlers amerikanisches Vorbild“ eine überraschend schmerzhafte Tatsache auf: Die „Jim-Crow-Gesetze“ und der tief verankerte Rassismus in den USA waren eine massgebliche Anregung für die Rassengesetze der Nationalsozialisten. Es ist ein schmerzhaft wichtiger Aspekt, der mit diesem Buch beleuchtet wird und Sprengkraft auf dem amerikanisch-deutschen Verhältnis haben kann.

In meiner Dissertation, die auf amerikanisch-deutschen Horizont die Versöhnungsarbeit aufgreift, habe ich mich daher in einem Kapitel mit diesem „Zyklus des Bösen“ befasst und hierzu auch schmerzhafte Aspekte in Hitlers „Mein Kampf“ herausgearbeitet. (Tröstend begegnete mir bei meiner Recherche für meine Dissertation ein „Zyklus des Guten“ – doch dies ist vielleicht ein Thema für einen späteren Blogeintrag.)

„Plantations and Death Camps – Religion, Ideology, and Human Dignity“ von Beverly Eileen Mitchell

Gegenwärtig nur in Amerikanisch erhältlich

Während meines Dissertationsstudiums am Wesley Theological Seminary, Washington D.C., durfte ich mehrere Seminare bei Prof. Dr. Beverly Mitchell besuchen. Die historische Theologin hat nicht nur durch ihre Biografie und ihren scharfen Verstand einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, sondern durch ihr Buch „Plantations and Death Camps“ mir die Augen hin zu einer Analogie des Grauens geöffnet.

In ihrem Buch vergleicht sie die menschenverachtende und vernichtenden Systeme der Plantagen und Konzentrationslager miteinander. Eine Zeitgleiche der Brutalität, die in die Abgründe menschlicher Seelen blicken lässt, die Macht, Gewinn und Unterdrückung über jegliche Menschlichkeit und Verbundenheit gesetzt hat. Die „Ideologien des Todes“, wie sie Mitchell bezeichnet, haben schlimme, verachtende und tödliche Konsequenzen diesseits und jenseits des Atlantiks hervorgebracht.

Das Buch ist ein Plädoyer, dies nie wieder geschehen zu lassen und regt zu einer eigenen biografischen Reflexion an. In einem vergangenen Blogeintrag (Link) schreibe ich hierüber.

„… trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“ von Viktor E. Frankl

Auf Deutsch erschienen

Viktor Frankl (1905-1997), der österreichische Psychiater, verbrachte mehrere Jahre in deutschen Konzentrationslagern. Hier wurde er mit unvorstellbarem Leid konfrontiert und musste sich mit der Frage auseinandersetzen, wie er und andere an diesen Orten der Unmenschlichkeit noch einen Sinn im Leben entdecken und die eigene Menschlichkeit bewahren konnte.

Für ihn war die Erfahrung, dass es möglich ist, auch noch unter inhumansten Bedingungen einen Sinn im Leben zu sehen, eine zentrale Entdeckung. Zukunftshoffnungen, von denen man getragen wurde, konnten über schwerstes Leid hinweghelfen – die Hoffnung, die Liebsten wiederzusehen oder, wie er sich vorstellte, nach einer Überwindung des Leides Vorlesungen geben zu dürfen, die die Auswirkungen des Lagers auf die Psyche zum Mittelpunkt hatten.

Dieses „Trotzdem“ hat bei mir tiefen Eindruck hinterlassen, vieles relativiert und die Gottesfurcht in den Mittelpunkt gestellt:

„So oder so – einmal kommt der Tag, für jeden der Befreiten, an dem er, rückschauend auf das gesamte Erlebnis des Konzentrationslagers, eine merkwürdige Empfindung hat: er kann es nun selber nicht verstehen, wie er imstande war, all das durchzustehen, was das Lagerleben von ihm verlangt hat. Und wenn es in seinem Leben einen Tag gab – den Tag der Freiheit-, an dem ihm alles wie ein schöner Traum erschien, dann kommt einmal der Tag, an dem ihm alles, was er im Lager erlöst, nur mehr wie ein böser Traum vorkommt. Gekrönt wird aber all dieses Erleben des heimfindenden Menschen von dem köstlichen Gefühl, nach all dem Erlittenen nichts mehr auf der Welt fürchten zu müssen – außer seinen Gott.“

… trotzdem Ja zum Leben, S. 139.

Einige von vielen Büchern, die Pädagoginnen und Pädagogen helfen können, sich durch Lektüren gegen Antisemitismus zu wappnen und dieses Wissen im Unterricht weitergeben zu können.

Lest gegen den Hass! Mit euren Schülerinnen und Schülern. Mit euren Kolleginnen und Kollegen. In Familien und Freundeskreisen.

Und kommt durch Unterhaltungen und Diskussionen auf Antisemitismus zu sprechen – einer menschenverachtenden und tödlichen Irrlehre, die Demokratie und Menschenwürde diametral entgegengesetzt ist. Damit sie in den Herzen und Gedanken nicht auf fruchtbaren Boden falle.

Lesen gegen Hass: Graphic Novels als pädagogische Waffe gegen Antisemitismus

Als Seelsorgerin bei der Bundespolizei wurde mir die wichtige Aufgabe einer ethischen Unterrichtung unseres polizeilichen Nachwuchses und deren Begleitung sowie aller im Aus- und -fortbildungszentrum tätigen Personen übertragen. Mein Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und jegliche Form des Hasses stellt einen wichtigen Schwerpunkt meiner Arbeit dar – und führt fort, was ich in meiner New Yorker Zeit begonnen hatte: dem Hass die Stirn mit Bildung und Engagement zu bieten.

Gerade jetzt, in einer solch krisenhaften Zeit, in der Israel durch die Hamas mit unaussprechlichem Leid überzogen wird, ist es wichtiger denn je gerade mit den heranwachsenden Generationen über die Häresie des Antisemitismus auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen.

Aber wie nur?, fragt sich sicher der eine oder die andere Pädagogin.

Graphic Novels sind für mich ein Schlüssel, der Generationen, die visueller geprägt sind, einen Zugang zu dem vielschichtigen und schweren Thema des tödlichen und menschenverachtenden Antisemitismus schenken kann. Ein Startpunkt für wichtige Diskussionen, die mit denen geführt werden müssen, die unsere Demokratie stärken sollen – mögen sie Bürgerinnen und Bürger oder Polizistinnen und Polizisten sein.

Ich gebe zu, dass die Welt der Comics sich mir als Kind und Jugendliche nie wirklich erschlossen hat. Einen Zugang fand ich erst als mir eine jüdische Freundin aus New York den Graphic Novel „Belonging“ (dt. „Heimat“) von der deutschen Schriftstellerin Nora Krug schenkte. Ab diesem Moment war ich fasziniert von Inhalt und Kunst, die in tiefgründigen Büchern zusammen kamen.

Dieser Blogeintrag soll euch eine Hilfe in dieser schweren Zeit sein, in der ihr vielleicht in euren Schulklassen, Seminaren, Gesprächskreisen oder Tagungen aus der Sprachlosigkeit herausfindet in ein Thema das so wichtig, wie seit der Katastrophe des Nationalsozialismus kaum sein: eine Bekämpfung des immer noch gravierenden Antisemitismus.

Lesen gegen Hass!

Die einzelnen Graphic Novels wurden von mir aufgrund der geschichtlichen Abfolge in dieser Art und Weise geordnet, da sie in ihren Inhalten aufeinander aufbauen oder korrelieren. Alle Novels gibt es in Deutsch.

„Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion“ von Will Eisner

Will Eisner (1917-2005) ist der wohl bekannteste US-amerikanische Comiczeichner, der die Entwicklung des Comic maßgeblich geprägt hat. Auf ihn geht die Form des „Graphic Novel“ zurück. „Das Komplott“ ist seine letzte große Arbeit und nimmt ein Thema ins Visier, das grundlegend für den Antisemitismus des 20. Jahrhunderts bis zur Neuzeit ist: es stellt die Entstehung und Wirkung der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ da. Die Schrift wurde zur Grundlage des Hasses im Nationalsozialismus und schmerzlich betrachtet darüber hinaus bis zum heutigen Tage. Trotz eines Verbotes werden die Protokolle in viele Sprachen übersetzt und in alle Welt exportiert, um so zu einer Grundlage für Hass gegen Jüdinnen und Juden zu sein.

Ein Wissen über die Entstehung dieser Schrift sowie einer Warnung über dessen konstatierte „Weltverschwörung“ kann zu einer Aufklärung maßgeblich beitragen.

„Maus. Die Geschichte eines Überlebenden“ von Art Spiegelman

Art Spiegelman (* 1948) erzählt in „Maus“ die Geschichte seiner Eltern, die Holocaust-Überlebende waren und nach der Ermordung seines Bruders und weiter Teile seiner Familie 1951 nach USA ausgewandert waren. Spiegelman zeichnete viele Jahre für The New Yorker. „Maus“ ist und bleibt sein wichtigstes Werk, wobei ihn dieses aufgrund dessen Rezeption und Verbreitung belastend begleitet. Im Februar 2022 war das Buch im US-Bundesstaat Tennessee aus dem Lehrplan der 8. Klasse gestrichen worden.

„Maus“ ist ein Buch voller Hadern und Ringen um eine schwere Familiengeschichte, in der ein Sohn die Wahrheit über den familiären Hintergrund und das Leid seiner Eltern sowie Verwandten im Holocaust erfahren möchte. Die symbolträchtigen Figuren (Mäuse und Katzen) geben eine optische Tiefe, die das Herz berühren und große Betroffenheit hervorrufen.

„Beate & Serge Klarsfeld – die Nazijäger“ von Pascal Bresson und Sylvain Dorange

Berühmt wurde Beate Klarsfeld durch die Ohrfeige des damaligen Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger im Jahr 1968 bei einem CDU-Parteitag. Hiermit beginnt auch dieser Graphic Novel als einem perfekten Einstieg in die Nachkriegsgeschichte und dessen gebrochene Justiz, die die Täter des Nationalsozialismus nur punktuell zur Rechenschaft gezogen hatte.

Im Graphic Novel begleitet der Leser und die Leserin mit der deutschen Beate und dem französischen Juden Serge ein mutiges Paar, das sich aufgrund dessen persönlicher Betroffenheit der Jagd nach Nazis verschrieben hat: Serges Vater wurde Ausschwitz deportiert und dort ermordet. Beate hingegen will Gerechtigkeit für die Tätergeneration des Nationalsozialismus herbeiführen.

Ein Buch voller Emotionen und Menschlichkeit – und vor allem der Botschaft, dass sich Gerechtigkeit mit viel Engagement und Durchhaltevermögen seinen Weg bahnen kann.

„Heimat: ein deutsches Familienalbum“ von Nora Krug

In ihrer Suche nach der eigenen Familiengeschichte, dessen Gebrochenheit und einer eigenen Heimat, holt Nora Krug viele der Enkel- und Urenkelgeneration durch dieses Ansinnen ab.

Nora lebt seit 17 Jahren in New York und tut sich selbst schwer mit ihrer deutschen Herkunft. Ein Gefühl, das viele in dieser Generation ebenso trägt. Durch ihren jüdischen Mann geht sie daher auf die Suche nach der eigenen Familienvergangenheit und der Frage, was Heimat eigentlich für sie bedeutet. Ein wunderbar ehrliches autobiografisches Werk entfaltet sich Seite um Seite vor dem Leser.

Ihre grafische und schriftstellerische Kunst ist beeindruckend und wirft beim Leser Fragen zur eigenen Reflexion auf. Ein Buch, das Menschen in ihrer Frage nach den eigenen Wurzeln, der Suche nach Heimat und der gebrochenen deutschen Geschichte abholt.

„Weisse Wölfe – eine grafische Reportage über den rechten Untergrund“ von David Schraven und Jan Feindt

Die Reportage thematisiert die heiklen Themen eines international verwobenen Naziterrors sowie punktuell auch die gefährlichen „Turner-Tagebücher“, die in Deutschland verboten sind. Sie erzählen die Geschichte einer fiktiven rechten Terrorzelle in den USA und wurden Grundlage eines rechten Terrors, die ihren schmerzhaften und menschenverachtenden Ausdruck im Terror des NSU in Deutschland fanden.

Der Leser und die Leserin begleiten den Journalisten Schraven bei seinen Recherchen in der rechten Szene von Dortmund, seine Treffen mit Informationen und Informanten aus der Antifa und Neonazikreisen. Gleichzeitig wird in einem zweiten Handlungsstrang von der Radikalisierung eines seiner Dortmunder Informanten sowie dessen Verstrickungen in militante Neonazikreise berichtet.

Die Radikalisierung eines Schülers ist der schmerzhafte Dreh- und Angelpunkt dieses Graphic Novels, der sicher viel Diskussions- und Gesprächsstoff über Einflussnahme, Freundesgruppen und Sog in Hassnetzwerke bietet.

„Über Tyrannei – zwanzig Lektionen für den Widerstand“ von Timothy Snyder, illustriert von Nora Krug

Im Jahr 2017 verfasste der US-amerikanische Historiker Timothy Snyder (* 1969) auf dem Hintergrund starker politischer Umwälzungen in den USA eine Schrift, die den politischen Nerv unserer Zeit trifft: die zunehmend bedrohte Demokratie und der unter Umständen notwendige Widerstand zu deren Verteidigung. Dabei geht es darum, dass wir nicht erst handeln, wenn diese bereits sich in Gefahr befindet, sondern bereits bei den ersten Anzeichen.

Wie bei „Heimat“ ist Nora Krug mit ihrer Gestaltung ein künstlerisches Meisterwerk gelungen, das aufgrund seiner Ästhetik und der Zuhilfenahme tiefgründiger Kunst über die Wortebene hinaus wirkt.

Einige von vielen Büchern, die helfen können, zu sensibilisieren und eine pädagogische Waffe gegen Antisemitismus darstellen.

Lest gegen den Hass! Mit euren Schülerinnen und Schülern. Mit euren Kolleginnen und Kollegen. In Familien und Freundeskreisen.

Und kommt durch Unterhaltungen und Diskussionen auf Antisemitismus zu sprechen – einer menschenverachtenden und tödlichen Irrlehre, die Demokratie und Menschenwürde diametral entgegengesetzt ist. Damit sie in den Herzen und Gedanken nicht auf fruchtbaren Boden falle.

My dear Jewish friend 18: As if the world is set on fire

My voice shock as I read the names of victims. I didn’t dare to look up and concentrated on their names hoping to pronounce them rightly.

Elyona Estpank

Emil Smoylov

Erez Ariel

Erez Biton

Eric Yehuda Marciano

Eti Zak

After a small pause I stepped off the stone paved plateau. Dustin, a young politician and German Jew, lit a candle in a red protective cover, which we set on graves and places of mourning to show our grief. With a whispered „Danke“ and a slight nod he laid it into my outstretched hands. I cradled the candle in my hands as I searched for an appropriate spot to set it into the sea of sorrowful lights.

We had gathered in the center of Bamberg to commemorate and mourn the victims of the terror Hamas had spread over Israel taking precious lives all in a sudden. Jews and Christians. Believers and Non-Believers. Young and old. Politicians and citizens. All were gathered to express the grief inflicted through the horrors inflicted on thousands.

Shirt Yam Amar

Shiraz Brodash

Shirel Mor

Shlomi Molcho

Ayelet Molcho

Shlomi Mathias

My throat felt dry as I red the next six of hundreds of names. As a German I couldn’t wrap my head around the fact that so many Jews had lost their lives through terror, hate and unbelievable evilness – the largest number since the Holocaust. My nations and family´s history had committed me to counteract Antisemitism. As my friend you know about so many personal stories I had entrusted you with. They have formed me into the person I am now.

A cold shiver ran down my spine as I suddenly had to think of you. I remember, when I broke the news to you that I would return to Germany. I was called to become a chaplain within the German Federal Police. The sadness was lightened by the fact that I would infuse the commitment to counteract Antisemitism through teaching and involvement in this important part of our German democracy and state.

Sahar Zion Machlof

Salman Abu Mar´i

Samdar Mor Idan

Segev Schwartz

Segev Shalom

Shachar Kedem

As I read the names on the last sheet that was handed to me little did I know, what would come just a day later. Last night a synagogue in Berlin was attacked with Molotov cocktails last. Tonight protesters erected burning barricades. Police officers are actively attacked while they try to ensure security to sensitive areas. The Holocaust memorial in the center of Berlin is protected by hundreds of police officers.

Violence is erupting around the world.

It feels as if the world is set on fire.

But be assured, together with thousands I have committed myself to stand strong. We will not back down and give in to hate. Not in Germany. Never again.

Von biblischen Sprüchen, dem Umgang mit anderen und wichtigen Prägungen

Predigt zur Vereidigung des 80. Studienjahrgangs am 6. Oktober 2023

Was gibt man jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Ausbildungs- und Studienweg, wenn sie mit dem Eid den wichtigsten Schwur ihres Berufslebens sprechen? Als Pfarrerin beschäftigt mich diese Frage mal um mal. Es ist eine große Verantwortung, denn ich erinnere mich noch sehr genau an meine eigene Ordination, an dessen Wortlaut und die Predigt des zuständigen Oberkirchenrates Herrn Völkel. Daher hoffe ich, dass die Worte meiner Predigt sie auf ihrem beruflichen Weg stärken, begleiten und vielleicht auch herausfordern.

Für den 80. Studienjahrgang habe ich einen besonderen biblischen Vers ausgewählt, der den Umgang mit anderen und wichtige Prägungen in den Blick nimmt:

Anbei der Wortlaut meiner Predigt – hierbei sei darauf hingewiesen, dass das gesprochene Wort gilt:

Vor wenigen Wochen durften wir Sie, liebe Polizeikommisarsanwärterinnen und -anwärter, in Bamberg begrüßen. Für viele war es so, als ob sich ein neues Universum öffnete und sie sich in einer neuen Welt und einem anderen Kontext befanden.

Vielleicht hat Sie auch ein kleines Star Wars-ähnliches Gefühl ereilt, frei nach dem Motto:

[Vor langer Zeit] in einer Galaxie, weit, weit entfernt…

Weit entfernt von dem, wie Ihr Leben vorher strukturiert war. Mit den Notwendigkeiten, bürokratischen Erfordernissen, aber auch den Vorzügen einer großen Sicherheitsbehörde.

Sie tauchen nun Stück für Stück in die dienstliche Welt der Bundespolizei ein, die Sie auf einen wichtigen und essentiellen Beruf vorbereiten wird, damit Demokratie und Menschenwürde geschützt und gestärkt werden.

Der wichtigste Bestandteil Ihrer Studienzeit stellen all diejenigen da, die Ihnen helfen in dieser Galaxie Bundespolizei zu wachsen, geformt und geschliffen zu werden – ob Lehr-, Stamm- oder Rahmenpersonal – viele Lehrmeisterinnen und Lehrmeister werden für Sie da sein und sie begleiten.

Durch das Zusammentreffen und den Umgang mit unterschiedlichsten Personen werden Sie einen besonderen Schliff erhalten, der Sie befähigen wird, diesen verantwortungsvollen Beruf durchzuführen.

Nicht umsonst heißt es im Buch der Sprüche 27,17:

Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen.

Die Beziehung zu Personen, von denen wir lernen und durch die wir wachsen können, ist ein elementarer Bestandteil jeder Ausbildung, jedes Studiums und jeder weiteren Fortbildung.

In der neuen Disney Plus Star Wars-Serie „Ahsoka“, deren 8. und erst einmal letzte Folge vorgestern veröffentlicht wurde – vielleicht hat der eine oder die andere sie ebenso am Mittwoch angesehen- , wird die Beziehung zwischen der Lehrmeisterin „Ahsoka“ und ihrem Padawan bzw. Lehrling Sabine zum eigentlichen Mittelpunkt eines Geschehens, das sich rund um die junge Republik im Star Wars-Universum dreht und den Gefahren eines wiedererstarkenden, bösen Imperiums, gegen das es sich zu wehren gilt.

Während erstere demokratische Werte vertritt und die Würde jedes Lebewesens hochhält, ist das dunkle Imperium an Macht und Gewinn, aber wenig an einem Recht Einzelner orientiert.

Die beiden Hauptfiguren machen mitten in dieser Auseinandersetzung von Demokratie und Diktatur transparent, wie wichtig das Vertrauen zu anderen ist. Ob romantischer, freundschaftlicher, familiärer oder disziplinierender Natur – die Suche nach einer authentischen Beziehung zu einer anderen Person erfordert Mut und Vertrauen.

Lehrmeisterin Ahsoka aber tut sich aufgrund ihrer vorhergehenden Erfahrungen schwer, solchen Mut und solches Vertrauen anderen gegenüber aufzubringen. Viel lieber gibt sie ihr Schicksal in die Hände des Droiden Huyang als einem Repräsentaten künstilicher Intelligenz. Manchmal frage ich mich, ob auch wir mehr technischen Mitteln – einem Computer, einem Smartphone oder unserer Digitaluhr – näherstehen, als Menschen aus Fleisch und Blut.

Der biblische Vers soll uns Mahnung und Anspruch zugleich sein, denn er nimmt zwar das Bild eines technischen Mittels, nämlich des Eisens auf, überträgt aber das Geformt- und Geprägt-Werden auf den menschlichen Umgang mit anderen.

Die Star Wars-Serie zeigt durch Ahsoka eine Person, die hadert, sich auf andere zu verlassen. Nur zögerlich lässt sie ihre ehemalige mandalorianische Padawan Sabine aufgrund einer strategischen Notwendigkeit wieder in ihr Leben.

Dabei heißt es:

Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen.

Ahsoka und Sabine sind beide auf ihre Art eisern und gleichzeitig fällt es ihnen schwer, sich gegenseitig zu schärfen. Erst als Ahsoka beschließt, Sabine zu vertrauen und sie zusammenarbeiten, wachsen sie jeweils auf eine unterschiedliche Art und Weise. Und doch weigern sie sich an vielen Stellen, sich voll und ganz auf eine solche Teamarbeit einzulassen, und entscheiden sich gelegentlich immer noch dafür, Herausforderungen allein anzunehmen.

Das erinnert mich an Worte Jesu in Johannes 15, wo Jesus die Metapher des Weinstocks und der Reben verwendet, und sagt, dass „keine Rebe aus sich selbst Frucht bringen kann“. Wir stehen nie im luftleeren Raum, sondern sind in soziale Systeme, dienstliche Institutionen und Organisationen eingeflochten.

Das Prinzip einer tiefverbundenen Gemeinschaft und dessen Notwendigkeit ist auch Ihr Studieren und Ihren Dienst in der Bundespolizei von essentieller Wichtigkeit.

Oder anders ausgedrückt: Wenn wir versuchen, ein Leben in Selbstgenügsamkeit und Isolation wie Ahsoka zu führen, machen wir uns anfällig für eine Vielzahl von Fallstricken, die wir hätten vermeiden können, wenn wir jemanden gehabt hätten, auf den wir uns stützen könnten.

Erst am Anfang dieser Woche hat eine Studiengruppe aus Ihrem Jahrgang im berufsethischen Unterricht davon erzählt, dass sie eine starke Dienstgemeinschaft durch das Studium hindurch und darüber hinaus sein möchte, die sich stützt und trägt, aber auch an der einen oder anderen Stelle ermahnt und eventuell korrigiert.

Ein praktischer Ausdruck des heutigen Bibelverses:

Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen.

Möge Gott Sie auf dem Weg Ihres Studiums begleiten und möge Er Ihnen Menschen auf diesem Weg schenken, durch deren Umgang Sie den nötigen Schliff und Prägung für Ihren Dienst in der Bundespolizei erhalten.

Amen.

Predigt anlässlich der Vereidigung des 80. Studienjahrgangs am 6. Okt 2023

Gebet für Israel

Ein Gebet ist manchmal das Einzige, was bleibt. Ich habe versucht, meinem Entsetzen Worte zu verleihen. Psalm 61 war mir dabei eine große Hilfe.

Höre, Gott,

mein Schreien

und merke auf

mein Gebet!

Es ist Krieg in Israel.

Das Heilige Land wird von unbeschreiblichem Hass und ungeahnter Brutalität erfasst.

Unschuldige Menschen werden verschleppt, gequält und getötet.

Vom Ende der Erde rufe ich zu dir,

denn mein Herz ist in Angst.

Warum fügen Menschen anderen Leid zu?

Wo bist du, Herr?

Krieg überzieht Israel mit abgrundtiefem Grauen.

Krieg und gewaltsame Auseinandersetzungen toben an vielen Orten

dieser Erde.

Ukraine

Somalia

Kongo

Jemen

Äthiopien

Syrien

Sahelzone

Haiti

und so viele mehr!

Kyrie eleison!

Höre, Gott,

mein Schreien

und merke auf

mein Gebet!

Amen.