Goodbye, New York!

Voller Anspannung sah ich aus dem Fenster während das Rollgeräusch des Flugzeuges immer lauter wurde bis es schließlich behände in die Luft abhob. Ich presste mein Gesicht gegen die Scheibe und betrachtete ein letztes Mal die New Yorker Skyline, die mir in den letzten sechseinviertel Jahren so vertraut geworden war und nun in der Ferne verschwand.

Nun musste ich Abschied nehmen von leibgewonnenen Personen und Orten, die mich tief geprägt hatten. Unweigerlich kamen mir zahlreiche biblische Abschiedsgeschichten in den Sinn, die jeweils einen Abschied durchlebt hatten:

  • Abraham musste von seiner Heimat Abschied nehmen, weil Gott ihn an einen neuen, unbekannten Ort rief (Gen 12).
  • Jakob zog mit seiner gesamten Familie nach Ägypten und findet dort eine neue Heimat. (Gen 46)
  • Der Prophet Samuel legt nach langer Dienstzeit sein prophetisches Richteramt nieder. Bei seiner Verabschiedung vom Volk legt noch einmal Rechenschaft über sein Amt ab und lässt sich von den Zuhörenden entlasten. (1. Sam 12)
  • Der Apostel Paulus unternahm viele Reisen, um das Evangelium an verschiedene Orte zu bringen. Dabei nahm er immer und immer wieder Abschied von Menschen, die er kennengelernt hatte und die ihm ans Herz gewachsen waren. (Zum Beispiel Apg 20,17ff.)
  • Im Johannesevangelium hören wir Abschiedsreden Jesu. Hier spricht er davon, dass er seine Jünger verlassen und zum Vater zurückkehren muss. Aber er lässt sie nicht trostlos zurück. Vielmehr macht er ihnen Mut und stärkt sie durch den Tröster, indem er ihnen den Heiligen Geist schenkt. (Joh 14,16ff.)

Diese Wolke der Zeugen sprach mir durch die vielen biblischen Geschichten mutmachend entgegen. Ich wusste: viele ließen Gewohntes, Liebgewonnenes, aber auch Schweres los, und richteten sich auf Neues aus -so wie ich mich in diesem Flugzeug mitten in einer Pandemieauf den Weg zu einer neuen Berufung in meinem Heimatland aufmachte. Denn letztendlich wusste ich, dass wir als Menschen hier keine bleibende Statt haben, sondern die zukünftige suchen. (siehe Hebr 13,14)

Natürlich stellte meine gerade begonnene Reise einen großen Abschied da, der auch einen Lebensabschnitt abschloss. Und dennoch wusste ich tief in meinem Herzen: Es würde nicht der letzte Abschied sein, denn unser menschliches Leben besteht durch und durch aus großen und kleinen Abschieden. Solange wir leben, sind wir unterwegs auf der Durchreise in die Ewigkeit und nehmen von etwas Abschied. Manchmal bewusster. Manchmal weniger bewusst.

Während die Skyline New Yorks unter der dichten Wolkendecke verschwand, legte ich in einem einem stillen Gebet alles in Gottes Hände, was ich in den letzten sechseinviertel Jahren erlebt hatte. An mir zogen Zeiten der Freude und Fülle vorüber. Aber ebenso Zeiten der Trauer, der Entmutigung und des Scheiterns. Am Big Apple hatte ich die gesamte Bandbreite des Lebens erlebt. Alles war in Gottes guten Händen wohl aufgehoben während mich das Flugzeug in den neuen Lebensabschnitt trug.

Ich lehnte mich zurück und schloss vertrauensvoll meine Augen, denn ich wusste, dass Gott, wie Er Abraham, Jakob, Samuel, Jesus, Paulus und so viele biblische Zeugen begleitet hatte, durch die Kraft des Heiligen Geistes auch bei mir sein würde.

Stürmische Zeiten

Ausdauernd prasselte Regen auf die Dachfenster des Pfarrhauses während sich der Rhythmus der Regenbänder immer schneller wurde. Ich starrte nachdenklich aus dem Fenster und sah den ersten Ausläufern des tropischen Sturmtiefs zu, das im Laufe des Tages in rotierenden Regenbändern eine signifikante Menge an Niederschlag und bis zu 50 miles/h an Winden mit sich bringen sollte.

Seit Monaten fühle ich mich wie von einem großen, andauernden Sturm erfasst. Corona, Rassenunruhen, Polizeigewalt, Kampf gegen Armut und Hunger… Wie in einem immer währenden Zyklus kreisen diese Traumata wie gegenwärtig der tropische Sturm Fay über der Metropolregion New York und der gesamten USA. Es gibt Phasen, an denen meine Nerven sehr strapaziert sind. Nicht selten frage ich mich, ob meine Schlechtwetterkleidung als Pfarrerin, die vor allem aus einer tiefen Verwurzelung im Glauben besteht, ausreichend ist.

Søren Kierkegaard wies in seiner Auslegung von Mt 11,30 auf die besondere Kraft des Glaubens hin, der in angeblich unmöglichen und aussichtslosen Situationen die Perspektive nicht verliert. In der Bibelstelle betont Jesus, dass sein Joch sanft ist und seine Last leicht. Während viele diese Aussage als ein Paradoxon bezeichnen würden, weißt Kierkegaard auf das Vorbild des Kreuzes hin, die alle menschliche Logik auf den Kopf stellt und aus dem angeblichen Scheitern den Sieg Gottes macht.

Klugheit erreicht oft in Zeiten der Not ihre Grenzen. In diesem Moment sehe ich aus meiner eigenen Erfahrung, dass die Kraft des Glaubens beginnt. Kierkegaard schreibt:

Wenn die Klugheit in der dunklen Nacht des Leidens keine Handbreit vor sich sehen kann, da kann der Glaube auf Gott sehen; denn der Glaube sieht am besten im Dunkeln.

Søren Kierkegaard, Zwölf Reden, Halle 1886.

Gerade in dieser dichten und schwierigen Zeit des Auslandspfarramtes erlebe ich genau dies: Ich spüre die richtungsweisende Kraft des Glaubens in dieser dunklen Zeit, die mir andauernd zuspricht, die Hoffnung nicht zu verlieren und weiter in dem voranzuschreiten, was für uns Christen zentral ist: Unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst.

Dies bedeutet in stürmischen Zeiten wie diesen im Auslandspfarramt neben den klassischen Tätigkeiten wie Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindearbeit mich noch stärker für die Speisung einer stetig wachsenden Zahl von Bedürftigen zu widmen, einem deutlichen Aussprechen gegen Rassismus und Antisemitismus, aber auch der Polizeiseelsorge zu engagieren. Und hätte ich, mit Paulus gesprochen, meinen Glauben nicht, so wäre ich nichts.

Stürmische Zeiten bringen uns an die Grenzen unserer Kräfte, aber sie zeigen uns auch in bewegender Weise die Wichtigkeit des Glaubens auf, der im Dunkeln am besten sieht.

Blog „Church and Society“

I am delighted that you have found my blog about „Church and Society“. The different articles will try to discuss and process how Church can speak Gods truth into society.

They are all written from my personal perspective as a Lutheran Minister, who is called through the Evangelical Churches in Germany (EKD) to a German speaking congregation in New York. Some opinions might defer from the local setting, but they always reflect the official opinion of my home church body in Germany.