Der Duft des Lavendels – von Dankbarkeit über Schritte zur Gleichberechtigung

Meine Hand griff magisch angezogen in das gut gefüllte Regal und zog eine lila Seife aus der Reihe der Seifenarmee. Als ich den von ihr ausgehenden Duft des Lavendels einsog, schloss ich unwillkürlich die Augen und wurde durch den Nebel der Erinnerung in meine Kindheit zurückversetzt.

Eine kleine, zart gebaute Frau mit einem Dutt aus lichtem, weißen Haar öffnete die Tür zum schmalen Zugang des kleinen, unscheinbaren Hauses an der Stadtmauer und nahm mich herzlich in die Arme. Ein schlichtes Wohnzimmer mit Küche, am Fenster der Arbeitsbereich eines Schuhmachers. Eine enge, knarzende Treppe führte zum elterlichen Schlafzimmer und einem kleinen Kinderzimmer hinauf. In jeder Schublade lag ein kostbares Stück Lavendelseife, das beim Öffnen einen Wohlgeruch verströmte.

Aus dem Nebel der Erinnerung war mir meine Urgroßmutter plötzlich wieder so nah, obwohl sie vor über dreißig Jahren verstorben war. Der Duft des Lavendels, vor allem der Lavendelseife, ist für mich unwiderruflich mit ihr verbunden, wenn auch meine Erinnerung im Nebel der Zeit nur ab und an wie ein verstecktes Objekt aus dem Dunst meiner Gedanken auftaucht.

Frauen wie ihr haben wir nachfolgenden Generationen es zu verdanken, dass Gleichberechtigung einen Fortschritt gemacht hat. Noch befinden wir uns mitten in einem Ringen um ein Leben auf Augenhöhe, aber ohne die Kraft, den Schweiß und auch die Tränen vieler Frauen vor uns hätten die nachfolgenden Töchter nie die Möglichkeiten erhalten, von der jene nur hätten träumen können.

Von mehr Möglichkeiten, von Entfaltung und Unabhängigkeit träumte auch die Schriftstellerin Virginia Woolf, die achtzehn Jahre vor meiner Urgroßmutter 1882 in London geboren worden war. Während meine Urgroßmutter in ärmliche Bedingungen in Franken geboren war und als Magd vor ihrer Hochzeit in einem Haushalt gearbeitet hatte, war die „Vorreiterin des Feminismus“ in eine wohlhabende Londoner Familie hineingeboren. Schon früh war sie aufgrund ihres Elternhauses von berühmten Autoren umgeben gewesen und war daher in jungen Jahren zum Schreiben gelangt. In dem 1929 veröffentlichen Essay „A Room of One’s Own“ schrieb Woolf über die eingeschränkten Möglichkeiten weiblicher Schriftstellerinnen und avancierte so zu einer frühen Kämpferin für die Gleichberechtigung von Frauen.

Als ich nach meinem Besuch des Drogeriemarktes – der Duft des Lavendels begleitete mich immer noch in Gedanken – den erwähnten Essay, den ich schon lange vor gehabt hatte zu lesen, zur Hand nahm, staunte ich nicht schlecht. Hier schrieb Virginia Woolf:

Intellectual freedom depends upon material things. Poetry depends upon intellectual freedom. And women have always been poor, not for two hundred years merely, but from the beginning of time. Women have had less intellectual freedom than the sons of Athenian slaves. Women, then, have not had a dog’s chance of writing poetry. That is why I have laid so much stress on money and a room of one’s own. However, thanks to the toils of those obscure women in the past, of whom I wish we knew more, thanks, curiously enough to two wars, the Crimean which let Florence Nightingale out of her drawing-room, and the European War which opened the doors to the average woman some sixty years later, these evils are in the way to be bettered.

Woolf, Virginia: A room of ones own, Schweden: Wisehouse Classics, 2018, p. 67.

Intellektuelle Freiheit hängt von materiellen Dingen ab. Dichtung hängt von intellektueller Freiheit ab. Und Frauen sind immer arm gewesen, nicht nur seit zweihundert Jahren, sondern seit aller Zeiten anfang. Frauen hatten weniger intellektuelle Freiheit als die Söhne der Sklaven aus Athen. Frauen haben also nicht die geringste Chance gehabt, Gedichte zu schreiben. Deshalb habe ich so viel Nachdruck auf Geld und ein Zimmer für sich allein gelegt. Aber dank der Mühsal jener undeutlichen Frauen in der Vergangenheit, von denen ich wünschte, dass wir mehr über sie wüssten, seltsamerweise auch dank zweier Weltkriege, des Krimkriegs, der Florence Nightingale aus ihrem Wohnzimmer entliess und des Ersten Weltkriegs, der etwa sechzig Jahre später den Durchschnittsfrauen die Türen öffnete, sind diese übel auf dem Wege der Besserung.

In diesem Textauszug des berühmten Essays berichtet Woolf von der Mühsal der Frauen, die über Generationen klein gehalten und eingeschränkt wurden. Deren jeweiligen Engagement ist es zu verdanken, dass Emanzipation Stück um Stück Wirklichkeit wird.

Bei dem Verweis auf diese Frauen hat Woolf das englische Adjektiv „obscure“ verwendet, das im Deutschen mit „obskur“, aber auch „vernebelt“ oder „undeutlich“ übersetzt werden. Aufgrund des Textzusammenhanges habe ich dies in meiner Übersetzung mit letzterwähnten Adjektiv wiedergegeben. Woolf geht in ihrem Text ein interessantes literarisches Spiel mit Obskurität / Verneblung / Vergangenheit ein. Denn: Nicht selten liegt die Vergangenheit wie ein Nebel hinter uns.

Ab und an treten „undeutliche“ Frauen wie meine Urgroßmutter aus dem Nebel der Vergangenheit hervor. Dabei wird mir dann immer wieder klar, wie viele Entbehrungen, welche Leidensfähigkeit, Selbstaufgabe und Engagement sie und andere Frauen aufwiesen, damit ich heute die sein darf, die ich gegenwärtig bin.

Dabei denke ich an die Vorbilder, die meine eigene Biografie beeinflussten. Immer wieder treten sie an der einen oder anderen Stelle inspirierend aus dem Nebel meiner Gedanken hervor. Ihr Wirken hat mich auf unterschiedlichen Ebenen geprägt – privat, beruflich und ideell. Einige seien hier stellvertretend für viele starke Frauengenannt, die in meinem Leben wirkten:

Meine Urgroßmutter kümmerte sich um ihre einzige Tochter, die ein liebevolles Zuhause, Bildungschancen und ein Gesangsstipendium erhielt. Leider wurde dieses aufgrund des zweiten Weltrkrieges hinfällig und ihr Traumberuf dadurch unerreichbar.

Meine Schwiegermutter, die die Verwirklichung ihrer eigenen beruflichen Biografie hinten anstellte und meinen Mann zu einem Ehemann aufzog, der Frauen nicht nur als gleichberechtigt schätzt, sondern meiner Berufung als Kirchenfrau den Vorrang gab.

Meine Mentorin Andrea Rößler, deren Liebe für Unterricht im Vikariat auf mich abfärbte und mir nach einer Phase im „klassischen“ Pfarramt meine gegenwärtige Ausrichtung in der Ausbildung schenkte. Nicht nur im Rahmen der Bundespolizei, sondern seit einigen Monaten als Rektorin des Evangelischen Studienseminars für Pfarrausbildung (ESP) in Bayern und Sachsen.

Regionalbischöfin i.R. Susanne Breit-Keßler, die ich bei Hospitationen begleiten durfte und dadurch wertwolle Einblicke in Tätigkeit, Freude, aber auch Herausforderung einer Regionalbischöfin erhielt.

Generalkonsulin i.R. Brita Wagener, die ich in meiner Zeit in New York kennenlernen und deren Weitblick, Engagement und Standfestigkeit im politischen Kontext der Vereinten Nationen, New Yorks und der USA mich tief beeindruckt hat.

Als ich am Abend an der Ablage zur Küche vorbeilief, fiel mein Blick auf die gekaufte Lavendelseife, die vor einigen Stunden von mir aus der duftenden Seifenarmee des Drogeriemarktes herausgelöst und mitgenommen worden war. Nun lag sie etwas verloren da. Ich nahm sie vorsichtig in beide Hände, sog den vollblumigen Geruch des Lavendels ein, der eine Flut von Dankbarkeit über diese und andere besondere Frauen meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auslöste. Und wer weiß, vielleicht würde auch ich irgendwann für eine andere Frau aus dem Nebel ihrer eigenen Gedanken als eine hervortreten, die sich für sie und Gleichberechtigung einsetzte? Ich lächelte still vor mich hin, während ich die Seife in eine noch nicht duftende Wäscheschublade legte, die hoffentlich irgendwann den Duft des Lavendels und dankbarer Erinnerungen haben würde.

Mehr als Fußnoten – von feministischer Literatur und Hoffnungsmomenten

Auf nachtblauem Hintergrund hielt eine in Chagallblau gehaltene Frau in stolzer Haltung ein Schwert vor sich. Goldene Akzente betonten ihr ritterliche Kleidung und durchzogen in feinen und gröberen Zügen den Nachthimmel. Meine Hand streifte vorsichtig über den Einband, während ich den Form des Buchtitels auf dessen Oberfläche erspüren konnte.

Die zahlreichen Seiten der Fantasy-Dilogie „Sisters of Sword and Shadow“ der britischen Autorin und Feministin Laura Bates waren in den letzten Tagen im Nu an mir vorübergeeilt. Ich war eingetaucht in eine Welt zur Zeit König Arthurs, in der Frauen weder Macht, noch Reichtum, geschweige denn eine Förderung gemäß ihrer Begabungen und ihres Potentials erhielten. Die Hauptfigur Cass, die von ihrer Familie für eine arrangierte Ehe bestimmt worden war, träumt von Freiheit, Selbstbestimmung und Verwirklichung ihrer eigenen Gaben. Durch eine Verkettung von Umständen folgt sie einer fremden Frau und wird in geheime Schwesternschaft weiblicher Ritter aufgenommen. Hier lernt sie zu kämpfen um die geheime Gemeinschaft zu schützen und durch Männer entstandenes Unrecht wiedergutzumachen. Als Leserin tauchte ich in eine Welt tödlicher Fehden ein und erlebte mit, wie die Hauptfigur ihre besonderen Fähigkeiten allen Widerständen zum Trotz entdeckte und zu sich selbst fand.

Jenseits aller fantastischer Ausschmückung tat mir die im Buch dargestellte Solidarität sehr gut, die innerhalb der Frauengemeinschaft gelebt wurde. Denn nicht selten erlebe ich eine andere Realität. Frauen, die anderen Frauen keine Förderung gönnen. Frauen, die anderen Frauen angebotene Möglichkeiten zerstören statt ihnen zu helfen, das von Gott geschenkte Potenzial zu leben. Frauen, die sich mit einem in-sich-geschlossenen männlichen System solidarisieren, um Vorteile zu nutzen, als zu ihren Kolleginnen zu stehen.

Laura Bates weiß, wovon sie schreibt: als Gründerin des „Everyday Sexism Project“ hat sie über 250.000 Schilderungen von Alltagssexismus gesammelt. Die zu Tage getretene Ungleichheit, der versteckte oder offenen Sexismus gegenüber Frauen, der hierdurch offen gelegt wurde, führte in Großbritannien zu Veränderungen in Schul-Curricula, Facebook-Regelungen und hatten sogar großen Einfluss im Vorgehen der „British Transport Police“ hinsichtlich sexuellen Übergriffen.

Während Romane nicht das angestammte Metier von Laura Bates sind, lege ich ihr Buch „Fix the System – Not the Women“ jeder Person ans Herz, die sich mit sexualisierter Gewalt und der ihr zugrundeliegenden Vorurteilen gegenüber Geschlechtern auseinandersetzen will.

Im Gegensatz zu den oft bitteren realen Schilderungen sexualisierter Gewalt gegen Frauen, die in diesem Projekt gesammelt wurden, findet die Hauptfigur Cass allen Widerständen zum Trotz zu sich und ihrem Potential. Sie und einige andere weibliche Figuren treten damit in das Zentrum des Romans, um eine andere, eine Welt aus weiblich-selbstbewusster Sicht aufzuzeigen. Wie oft wurde und wird unsere Welt aus männlicher Sicht beschrieben oder deren Sicht niedergeschrieben. Denken wir doch einfach an viele Sagen, Legenden oder Erzählungen, biblische Bücher und so vieles mehr. Aber Frauen wollen mehr sein als nur eine Fußnote. Das nimmt die Autorin in ihrem Buch ernst und entfaltet dies in ihrem Nachwort:

Cass is a heroine I hope will resonate with the young people I work with – finding her inner power in a world that wants to force her into a footnote. She rejected the minor, submissive, supporting role that has been written for her, and exchanges it instead for an exhilarating life of adventure, power and sisterhood. Above all, she finds the strength to write her own story. This is everything I wish for my readers.

Vielleicht braucht es genau solch eine fiktionale Figur, die inspirieren kann, dass Frauen nicht nur eine Fußnote im Text des Lebens und der Geschichte sein wollen, sondern ihrem Gaben gemäß sich entfalten können. Das mag in vielem der oftmals gesellschaftlich zugewiesenen Rolle entgegenstehen, aber nicht jede Frau – und auch nicht jeder Mann!- findet sich darin wieder, sondern möchte sich in anderer Weise in unsere Gesellschaft einbringen.

Nachdenklich schlug ich das Buch endgültig zu. Es lag schwer in meiner Hand als ich es an seinen neuen Platz in meinem Bücherregal zur Frauenliteratur stellte. Das Chagallblau der Frau strahlte mir inmitten all dem Rosa, Violett und Pink der meisten anderen Gleichstellungsliteratur aufmunternd entgegen als ob es mir sagen wollte, dass wir Frauen allen erlebten Widerständen zum Trotz die Hoffnung nicht aufgeben sollte – Frauen dürfen und sollen mehr sein dürfen als Fußnoten in der gesellschaftlichen Struktur.

Erdbeermarmelade als großer Gleichmacher – oder: von Erdbeeren, Fruchtsorten und Gleichberechtigung

Meine Hände griffen nach den prallen, verlockenden Früchten, die noch naß vom morgendlichen Gießen in der Sonne strahlten. Ich pflückte eine kleine, reife Erdbeere und barg sie gemeinsam mit ihren Nachbarfrüchten in einem meiner beiden großen Eimern. Der letzte „Pflücksamstag“ hatte mich nochmals auf das Feld des Erdbeerhofes Schuster gelockt, um nach Pflücken und Einkochen hoffentlich mit getanem Tagewerk viel Geschmack nach Sommer für Herbst und Winter in unseren Marmeladegläsern eingefangen zu haben.

Da ich einen möglichst süßen, aromatischen Fruchtaufstrich machen wollte, hatte mich die freundliche Dame an der Kasse zu einem Abschnitt des Erdbeerfeldes gewiesen, wo kleinere, aromatische Früchte der Sorte „Korona“ geerntet werden konnte. Ganz zu meiner Freude hatte es am vorhergehenden Tag geregnet und die Erdbeeren reichlich reifen lassen. Nachdem ungefähr die Hälfte meines Leergutes mit Früchten gefüllt war, beschloss ich zur Zeitersparnis den Rest mit größeren Erdbeeren anderer Sorten zügig aufzufüllen. Also ging ich querfeldein zu benachbarten Pflanzenreihen, die voller praller Früchte hingen.

Wenig später waren die beiden Eimer bis zum Rand gefüllt. Auf dem Rückweg zur Kasse las ich interessiert die Schilder der einzelnen Sorten:

„Sonata“ versprach große, feste, helle Erdbeeren, die besonders haltbar waren und sich perfekt für Kuchen eignen würden.
„Allegro“ sei eine Sorte, die mittelgroße Früchte haben würde und ebenso gut für Kuchen sei.
„Magnum“ – nomen es omen – würde sich durch sehr große Erdbeeren auszeichnen, die festes Fleisch besäßen und eher dunkel seien. Wahre Allrounder für den Genuss.

Bei der Erdbeersorte „Asia“ blieb ich erstaunt stehen. Schwarz auf weißem Hintergrund stand dort:

Riesengroße Früchte

Männersorte – sehr schnell gepflückt

Ideal für Facebook und Instagram-Posts 😉

Erdbeerhof Schuster

Dass der Erdbeerhof früher oder später in meinen Posts erwähnt werden würde, war mir vorher schon klar gewesen, denn das Erdbeerfeld ist zu einem der Herzensorte geworden, die ich im Umkreis von Bamberg gefunden habe. Dass es aber unter den Erdbeeren „Männersorten“ gab, war mir neu. Qualifizierte die Größe einer Frucht, welchem Geschlecht eine Erdbeere zugewiesen werden sollte? Irritiert sah ich das Schild nochmals genauer an, denn mit Erdbeeren hatte ich noch nie ein Geschlecht verbunden – weder mit der Pflanze an sich, noch eine Relation zwischen der Größe der Frucht und der konsumierenden Person gezogen.

Wollte man durch die Größe der Früchte darauf hinweisen, dass Männer lieber riesengroße Früchte verzehren wollen? Oder dass sie beim Pflücken schneller Erfolge sehen möchten? Erstaunt grübelte ich über die Andeutungen nach, die verschiedentlich (wahrscheinlich auch etwas scherzhaft) Vorurteile transportierten. War dieses harmlose Schild vielleicht ebenso eine kleine kulturelle Projektionsfläche, die gewisse Vorstellungen transportierte und im alltäglichen, harmlosen Gewand sich in unser Alltagsleben verborgen einweben würde?

Die US-amerikanische Ethikerin Emilie M. Townes beschreibt dies mit dem Fachausdruck der „Fantastic Hegemonic Imagination“:

The set of ideas that dominant groups employ in a society to secure the consent of subordinates to abide by their rule. The notion of consent is key because hegemony is created through coercion that is gained using the church, family, media, political parties, schools, unions and other voluntary associations –the civil society and all its organizations. This breeds a kind of false consciousness (the fantastic in neocultural and sociopolitical drag) that creates societal values and moralities such that there is one coherent and accurate viewpoint in the world.

Emilie M. Townes, Womanist Ethics and the Cultural Production of Evil, (New York, NY: Palgrave, Macmillan, 2006), Seite 20.

Übersetzung:

Ideen, die dominante Gruppen in einer Gesellschaft anwenden, um die Zustimmung der Untergebenen zur Einhaltung ihrer [gesellschaftlichen] Dominanz sicherzustellen. Der Gedanke der Zustimmung ist von entscheidender Bedeutung, da Hegemonie durch Zwang geschaffen wird, der durch die Hilfe von Kirche, Familie, Medien, Parteien, Schulen, Gewerkschaften und anderen freiwilligen Vereinigungen – der Zivilgesellschaft und all ihren Organisationen – erzwungen wird. Dies erzeugt eine Art falsches Bewusstsein (das Fantastische in neokultureller und gesellschaftspolitischer Tragödie), das gesellschaftliche Werte und Moralvorstellungen schafft, als ob es einen kohärenten und genauen Standpunkt auf der Welt gäbe.

In ihrem Buch „Womanist Ethics and the Cultural Production of Evil“ erklärt sie anhand größerer und kleinerer Beispiele aus der US-amerikanischen Gesellschaft, wie Vorstellungen einer von einer dominanten Gruppe gewünschten Primärkultur tradiert und von Kindesbeinen an erlernt werden. Hierbei wählt sie vor allem Beispiele, die den in USA tiefverwurzelten Rassismus offen legen.

Aber wer kennt es nicht? Dass Vorstellungen, vielleicht sogar Vorurteile anhand von Produkten transportiert werden? Inzwischen gibt es – Gott sei Dank! – Diskussionen rund um unseren deutschen Bild- und Sprachwelten, die versuchen, dies zu verändern. Ob Gesellschaft, Politik oder Kirche. Kein Bereich ist von der „Fantastic Hegemonic Imagination“ ausgenommen. Es bedarf daher eines genauen Hinsehens, Nachdenkens und einer aktiven Veränderung in den jeweiligen Bereichen. Da denke ich zum Beispiel an den „Sarotti-Mohr“, der als Markenzeichen der gleichnamigen Schokolade bis 2004 verwendet wurde und nun durch einen umgestalteten Magier ersetzt wurde. Aber auch Spiele, Bezeichnungen für gewisse Speisen und so vieles mehr prägen Vorstellungen ein, ehe wir dies vielleicht reflektieren und tradieren ein Gedankengut, dass wir nicht unterstützen wollen – ob Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Sexismus oder andere diskriminierende Irrlehren und Einstellungen.

Wie lang ich gedankenversunken am Rande des Erdbeerfeldes gestanden haben muss, weiß ich nicht mehr. Doch als es mir schließlich unter meinem Sonnenhut heiß geworden war, gab ich mir einen Ruck, denn nicht nur sehnte ich mich nach all dem fleissigen Erdbeerpflücken nach etwas kühlem zum Trinken, sondern die Früchte, ob von Sorte „Korona“, „Sonata“, „Allegro“, „Magnum“ oder „Asia“, sollten heute noch ihrer Bestimmung im Marmeladeglas zugeführt werden. Als diverse Gemeinschaft von unterschiedlicher aromatischer Geschmacksdichte und Fruchtkonsistenz in einem Glas, die gerade durch die Unterschiedlichkeit den Gaumen meiner Familienmitglieder erfreuen sollte.

Ich grinste verschmitzt in mich hinein. Das Einkochen der Erdbeeren würde der große Gleichmacher für alle schmackhaften Früchte sein. Sozusagen Gleichberechtigung für alle, denn im Glas wären sie alle Teil eines Ganzen: leckere Erdbeermarmelade, die meine Familie an Sommer, Sonne und warme Temperaturen erinnern würde.

Gedanken zum Weltfrauentag: von dem Wunsch, dass aus feministischer Utopie Wirklichkeit werde

Regalreihe um Regalreihe ließ ich hinter mir liegen. Ich wurde auf der Suche nach einem Artikel immer tiefer in den Drogerie-Markt gelockt bis ich schließlich diesen in seiner Gesamtheit fast vollständig bis in dessen Tiefen durchquert hatte. Während Produkte für Haarstyling, Duschen und Produkte für Männer wohl platziert im Eingangsbereich des Marktes ihren Ort gefunden hatten, waren Hygieneartikel für das weibliche Wohlbefinden weit hinten verortet. Meine ausgiebige Suche nach dem ersehnten Wunschprodukt löste in mir aus, dass ich genauer und aufmerksamer auf die Konzeption des Marktes achtete. Gegenüber der weiblichen Hygieneprodukte waren Artikel für Säuglinge und Kinder platziert worden. Im rechten äußeren Regal hingegen befanden sich Produkte für die Hausreinigung. Im linken äußeren Regal Kleidungsartikel für den familiären Nachwuchs.

Die Ausgestaltung des Drogerie-Marktes folgte einer ganz bestimmten Logik: nämlich Frauen auf der Suche nach für sie wichtigen Produkten ohne die sie ihren Alltag nicht gestalten könnten, in das Herz des Geschäftes zu locken. Vorbei an so mancher käuflich erhältlichen Verlockung- ob Parfüm, Gesichtspflegeprodukt oder kleinem Mitbringsel – hier konnte frau viel Attraktives erwerben. Für den Mann hingegen war in ganz anderer Weise „gesorgt“. Wenige Schritte nach dem Betreten des Drogerie-Marktes konnte er bequem seinen Wunschartikel finden und genauso schnell über die strategisch günstig positionierten Kassen das Geschäft mit seiner Beute zügig verlassen.

Worüber ich mir sonst wenig Gedanken gemacht hatte, wurde mir aufgrund deren grotesker Umsetzung in einer Woche, in der wir den Internationalen Frauentag feiern, umso bewusster: die Frau wurde aus wirtschaftlichen Erwägungen mit dem Kniff des unvermeidlich zu kaufenden Produktes in das Herz des Marktes gelockt. An Hygieneprodukten & Co. kann keine Frau vorbei – allein aus biologischen Gründen. Wie sehr würde ich mir wünschen, dass Frauen in die Mitte der Gesellschaft, nicht nur aus kapitalistischen Gründen in das Herz eines Geschäftes gelockt werden würden. Denn wie Männer, so gehören auch Frauen in alle Ebenen gesellschaftlicher Strukturen.

Doch was ich erlebe, ist oft ein anderes: viele Führungskreise sind vornehmlich männlich. Auch in den gegenwärtigen Strukturen, in denen ich mich bewege, sind zumeist Männer in entscheidenden Positionen und bestärken sich durch ihre Treffen und Besprechungen in Macht und Rollenverhalten.

Dabei geht es bei Gleichberechtigung nicht nur um bloßes Gehalt und Ansehen. Blicken wir doch daher kurz auf den Weltfrauentag. Seit über 100 Jahren wird dieser Tag nun unter das Thema der Gleichberechtigung gestellt. Was damals, am 28. Februar 1909 als erster Frauentag in den USA begann, wird nun jährlich wenige Tage später am 8. März in den Mittelpunkt gesellschaftlicher und sozialer Erwägungen gestellt. Die Vereinten Nationen sprechen hierbei von einer feministischen Utopie, die zum Wohle aller gemeinsam für eine gerechte Welt gelebt werden soll.

„Eine feministische Utopie ist eine (Ideal-)Vorstellung einer gerechten, menschenfreundlichen Welt, frei von Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Klassismus, Altersdiskriminierung und anderen Unterdrückungsformen. […] Es geht um die Wünsche und Idealvorstellungen von Menschen in all ihrer Vielfalt, mit all ihren Bedürfnissen und Lebensrealitäten. Feministische Utopien können uns zu mutigen Ideen und neuen Wegen inspirieren, wie wir zusammen eine gerechte Welt gestalten können.“

UN Women Deutschland

Für mich sind diese Worte mehr als blumige Sätze. Seit dem Beginn meiner beruflichen Tätigkeit habe ich versucht eine feministische Utopie zu leben. Dank der liebevollen Unterstützung meines Mannes, der für meine Berufung seine eigenen beruflichen Wünsche hintenanstellte und als Hauptansprechpartner unsere vier Kinder begleitete, konnte ich mich voll meinem Beruf einer Pfarrerin widmen. Es ist jedoch meine bittere Erfahrung, dass Bemühen, Ausbildung und Engagement oft an einer Wand männlicher Strukturen scheitert. Manches bleibt mir verwehrt, weil männlich dominierte Netzwerke bereits Gestaltung und Entscheidungen in kleinen informellen Strukturen und Besprechungen vorweggenommen haben.

Die Gedanken der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock und deren Forderung einer feministischen Außenpolitik, in der die Bedürfnisse und Sichtweisen der Frauen in Entscheidungsprozessen gleichberechtigt wahr und ernst genommen werden, sind gut nachvollziehbar. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und eine feministische Innenpolitik fordern, die Frauen stärkt und altgediente Machtzirkel überholter Männlichkeit aufbricht.

Als Pfarrerin lebe seit Beginn meiner seelsorgerischen Tätigkeit die von der UN benannte feministische Utopie trotz aller Herausforderungen, weil ich es meinen Kindern schuldig bin. Nicht nur meinen Töchtern, sondern auch meinen Söhnen. Den eigenen, und denen, die ich nun als Polizeiseelsorgerin in der Ausbildung begleiten darf. Doch zugegebenermaßen ist mein Enthusiasmus inzwischen einer realistischen Sichtweise gewichen: bis diese Strukturen aufgebrochen und Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechtes, ihrer Herkunft oder finanziellen Leistungsfähigkeit beurteilt werden, sondern aufgrund ihrer Person, wird noch viel zu tun sein. Packen wir es an und lassen aus Utopie Wirklichkeit werden! Schritt für Schritt.

Die Waffe der Frau – von Bildung, Gleichberechtigung und eigenen Erfahrungen

Erstaunt sah ich auf die Werbung, die im Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt enthalten war. Normalerweise warf ich diese mit einem beherzten Schwung umgehend ins Altpapier. Doch heute stutzte ich, denn angeblich war dem monatlichen Blatt des Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrervereins in großen weißen Lettern auf einem pinken Umschlag ein wichtiger Inhalt angekündigt:

DIE WAFFE DER FRAU.

Als Adressatinnen waren im durchsichtigen Sichtfeld als „alle Frauen in Deutschland“ angegeben – abgesandt von Senta Berger, Birgit Schrowange und Marion Knecht.

Nun war meine Neugierde geweckt, denn das monatliche Blatt war nicht unbedingt dafür bekannt, dass dort Frauen ihre Stimme erhoben. In der gegenwärtigen Ausgabe stammte einer von insgesamt zwölf Artikeln aus der Feder einer Frau.

Die Post warb für eine Patenschaft eines Mädchens in einem Schwellenland. Zurecht hob man dort die Wichtigkeit von Bildung hervor, die eine essentielle Voraussetzung für Gleichberechtigung ist. Ich pflichte den drei Verfasserinnen des Briefes bei, dass Bildung von großer Wichtigkeit ist, damit Frauen ihr Potential erreichen und ein besseres Leben zugänglich wird.

Ich hatte das Glück in einem reichen Land geboren worden zu sein, in dem viele Bildungschancen zugänglich sind. Schule, Abitur, Studium, Vikariat, Examen in Bayern und Schottland, Dissertation in USA. Ich hatte das Privileg, mehrere Sprachen lernen zu dürfen und einige weitere Zusatzqualifikationen zu erwerben. Schon immer war ich davon überzeugt, dass Bildung ein wichtiger Schlüssel zur Gleichberechtigung darstellt – oder wie die Autorinnen schrieben, die Waffe einer Frau darstellen.

Also erweiterte ich ständig meinen fachlichen Horizont. In allem wurde ich von meinem Mann unterstützt, der den Mut besaß, mir den Vorrang im beruflichen Werdegang zu schenken. Er wurde Familienmanager. Ich kehrte nach dem damals durchaus kurzen Mutterschutz stets umgehend in den Beruf zurück. Elternzeit oder ähnliches hatte ich nie in Anspruch genommen.

Doch leider fügt sich zu all dem „westlichen“ Privileg mit etwas Bitterkeit die gesammelte Erfahrung über die Grenzen dieses Systems hinzu. Es ist wie ein roter Faden, der sich durch meinen beruflichen Werdegang zieht: die Grenzen des Systems stellen oftmals nicht die für eine Position notwendigen Qualifikationen und Abschlüsse da, sondern Männer in Schlüsselpositionen. Manchmal scheint es mir, so als ob es sich hierbei um Männer handelt, die ungern auf Augenhöhe zusammenarbeiten wollen. Oder Männer, die von der ihnen zugesprochenen Macht wenig abgeben wollen und einer Frau dieselbe Funktion nicht zutrauen.

Liebe Leserin, lieber Leser dieses Blogeintrags, bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich spreche nicht für eine Frauenquote, sondern dafür, dass ich anhand meiner Qualifikationen und Fähigkeiten mein ganz persönliches berufliches Potential leben darf. Aber leider ist es meine Erfahrung, dass ich aufgrund der simplen Tatsache meines Geschlechts doppelt so hart arbeiten muss, um eine annähernde Anerkennung zu erhalten. Und manchmal ist es sogar noch bitterer: vor geraumer Zeit musste ich miterleben, wie ein Mann eine Funktion erhielt, obwohl er offensichtlich die dafür notwendige fachliche Eignung nicht vorweisen konnte – einfach weil er ein besseres (Männer-)Netzwerk hatte. In ökumenischen Kontexten habe ich sogar noch schlimmeres erlebt. Da wurde ich von einer Mitwirkung in einem Gottesdienst ausgeschlossen, WEIL ich eine Frau war.

Erfahrungen, die nachdenklich machen.

Zustimmend und dennoch mit einem bitteren Geschmack auf den Lippen steckte ich den Werbebrief zurück in seinen pinkfarbenen Umschlag. Ja, Bildung ist die Waffe einer Frau. Aber sie öffnet nicht von sich aus Türen und gibt Zutritt zu größerem Potential. Das geht nur, wenn die Männer, die diese Türen der beruflichen und gesellschaftlichen Möglichkeiten bewachen, es auch zulassen.

Von gefährdeten Lebensträumen, Gleichberechtigung und Personalmangel im Pfarramt

Ich atmete tief durch während meine Hand über die alten Ordner strich. Es musste sein – der Kalender hatte aufgrund einer unfreiwilligen Pause Platz für ungeliebte Tätigkeiten geschaffen. Als wir vor fast zwei Jahren aus USA wieder nach Bayern zurückkehrten, war wenig Zeit für Sichten und Aussortieren der alten Aktenbestände gewesen. Während der Staub leise unter meinen Fingern aufstob, hielt ich mitten in der Bewegung an. Mein Auge hatte sich an den Großbuchstaben eines Ordners festgesogen. E X A M E N stand dort in großen schwarzen Lettern als ob ich damals die Gewichtigkeit dieser Lebensstation hatte hervorheben wollen.

Ich seufzte als ich den in die Jahre gekommenen Ordner langsam und bedächtig herauszog. Noch vor wenigen Tagen hatte das evangelische Internet- und Nachrichtenportal Evangelisch.de von Ruhestandswelle und dem bevorstehenden Pastorinnen- und Pastorenmangel berichtet. Jede Person werde gebraucht. Man denke darüber nach, wie man junge Menschen für diesen Beruf begeistern könne. Als ich Studentin mit Mitte Zwanzig war, stellte sich die grundlegende Situation völlig anders da. Es gab Phasen in landeskirchlichen Personalplanungen, in denen man versuchte möglichst vielen von einem Ergreifen dieses vielseitigen Berufes abzuraten. Meine Erfahrungen in dieser Phase sind aufgrund meines Geschlechts geprägt – ich weiß von vielen anderen bitteren Geschichten, wo wunderbare, visionäre Menschen einen anderen beruflichen Weg jenseits von Kirche einschlugen.

Während ich den in verstaubten Ordner mit seinen abgenutzten Ecken öffnete, saß ich plötzlich wieder in einem mittelgroßen Konferenzraum in Erlangen. Ich spürte die damals mich umgebende Nervosität, die gepaart war mit einer Art Vorfreude auf den wichtigen Studienabschnitt der Examensvorbereitung. Die Ziellinie schien nach vielen Jahren Studium, Hebräisch, Griechisch und Lateinauffrischung, einem Praxisjahr, ungezählten Stunden in Vorlesungen, Seminar- und Hausarbeiten zum Greifen nah. Die Landeskirche hatte für eine Informationsveranstaltung über die kirchlichen Examen einen Vertreter aus München gesandt, der uns Theologiestudierende mit bedeutungsschwerer Stimme begrüßte und dann wie oft in Kirche üblich zu einer kleinen Vorstellungsrunde einlud, in der wir uns persönlich kurz vorstellen und von unserem Studienstand sowie das anvisierte Datum des Examens erzählen sollten. Als ich an der Reihe war, wich die anfängliche Nervosität der Freude über die Möglichkeit kurz von meiner Person, meinem Familienstand sowie dem Studienstand einem wichtigen Vertreter meiner Landeskirche zu berichten. Der Kirchenrat räusperte sich nach meinem Beitrag und blickte mir in die Augen: „Danke, Frau Groß. Leider muss ich Sie darauf hinweisen, dass ein Kind in der Examensvorbereitung hinderlich ist. Nur selten schaffen Frauen die Doppelbelastung von Kindern und Examen. Ich gebe Ihnen den wohl gemeinten Rat, zuhause bei Ihrem Kind zu bleiben.“ Ich spürte, wie mein Gesicht heiß anlief während alle Blicke der Kommilitoninnen und Kommilitonen auf mir lagen. Nach vielen Dienstjahren und Herausforderungen waren die Gefühle dieses Tages in meinem kleinen Arbeitszimmer in Bamberg noch so präsent als ob sie gestern gewesen wären.

Mein Blick schweifte über den Inhalt des Ordners, der das erste und zweite lutherische Examen in Bayern, sowie mein „drittes“ reformiertes Examen in der Church of Scotland dokumentierte. Ein breites Grinsen huschte über mein Gesicht und vertrieb die trübe Erinnerung. Wenn der Kirchenrat heute wüsste, dass ich zu jedem Examen ein Kind bekommen hatte, und jedes durchaus sehr passabel bestanden hatte. Zwischen Windelwechseln, Stillen und kurzen Nächten das notwendige Wissen aneignete, um meinen Berufswunsch einer Pfarrerin zu erreichen. Beim „dritten“ Examen war ich sogar zwei Tage vor meinem eigentlichen Flugverbot aufgrund der Schwangerschaft mit dem Frühflug nach Edinburgh geflogen, hatte mittags meine mündliche Prüfung abgelegt und war mit dem Abendflug zurück nach Orkney geflogen. Eine kleine Ausnahme stellte meine Dissertation da – aber zu diesem Zeitpunkt war unsere Familie bereits komplett gewesen…

Ich bin dankbar, dass meine jungen Kolleginnen dies nicht mehr erleben müssen. Während man im Vikariat keine Ausnahme zum ersten Geburtstag meines zweiten Kindes genehmigte und mich anwies stattdessen an einem Ausflug zu einem Krematorium teilzunehmen, sorgt man sich nun in guter Weise um junge Eltern, die Familie, Studium und Vikariat unter einen Hut bringen wollen. Mit Stolz kann ich sagen, dass meine bayerische Landeskirche in meiner bisherigen Amtszeit segensreiche Lern- und Veränderungswege der Gleichberechtigung und Wertschätzung innerhalb der Ausbildung beschritten hat. Junge Vikarinnen und Vikare werden herzlich in der Mitte unserer Landeskirche begrüßt und willkommen geheißen. Inzwischen gibt es Dekaninnen, Regionalbischöfinnen, Kirchenrätinnen und Frauen in zahlreichen Führungspositionen. Man muss nur mutig sein und nach gut evangelischem Prinzip stetig einen Weg der Erneuerung gehen. Dann können wir trotz aller Herausforderungen und Veränderungen dennoch hoffnungsvoll in eine Zukunft mit und in Kirche blicken.