KNÜLLER-PREIS. BARGAIN PRICE. Bold red letters on pure white. I stared at the paper advertisement as I ran through the offers at our local discounter. It was the week after the European election. We had suspected that there would be a shift to the extreme right (and maybe even left?), but the shift hurt in ways I can’t really put into words.
Numerous gave their precious votes, because the campaign pledges of the extreme parties seemed such a bargain. KNÜLLER-PREIS. BARGAIN PRICE. They would secure their wishes. But I wouldn’t be so sure – they numbed voters by catchy messages, cheap promises and easy answers. In many ways the history of the German herbal liquor „Jägermeister“ and the campaign strategy of the extremist parties fit very well. Both intoxicate. Both have roots in right-winged hatred.
The label on the German herbal liquor „Jägermeister“ states 1878, but this date is the founding of the original vinegar factory. Curt Mast, son of the company’s founder, shifted the production away from vinegar to spirits and wines. In 1934 he invented the famous liquor. It was the year, in which Hermann Göring was nominated „Reichsjägermeister“ to be the highest „professional hunter“ in Germany – the term Jägermeister hadn’t been used for centuries. Just one year later, Curt Mast introduced his new herbal liquor and named it after Göring, whom he knew well. The design of the bottle was held in green with a deer head and cross. There are photographies of Hermann Göring as Reichsjägermeister with his prey showing huge deer antlers. Many therefore even called the herbal liquor „Göring-Schnaps“. (1)
Hans-Jörg and Gisela Wohlfromm: „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“ Alltägliches und Kurioses aus dem Dritten Reich, p. 168.
It is this historic background that makes me nervous as extremism seems to creep into our society disguised as a bargain. KNÜLLER-PREIS. BARGAIN PRICE. Now it is on the shelves of democratic elections like this Schnaps is in my local supermarket. But we must be warned of how these extremists operate: they use symbols present in everyday life and can source each other with their right (or left) extremist ideology. Popular songs, pictures and numbers („88“) seem harmless, but have a hidden code extremists spot and identify. Dog whistling is such a dangerous mechanism. Nonetheless, it is just the first step. As soon as they have established themselves as the largest offer on the shelves of democracy we will be doomed.
A small lesson of history on a supermarket shelf.
I suddenly felt sick as I passed the display of the herbal liquor on my way to the cash register. Small, medium and large quantities – the latter only in a maximum quantity of five bottles. We should be vigilant that our democracy will not become a KNÜLLER-PREIS, a BARGAIN PRICE for extremists.
(1) see Hans-Jörg and Gisela Wohlfromm: „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“ Alltägliches und Kurioses aus dem Dritten Reich, p. 167.
Schülerinnen und Schülern für ein Thema durch eine besondere Zugangsweise zu sensibilisieren ist für Pädagoginnen und Pädagogen von großer Relevanz. Graphic Novels stellen für mich im Sekundär- und Tertiärbereich der deutschen Schulbildung eine wichtige Zugangsmöglichkeit dar. Hierüber schrieb ich in einem vorhergehenden Blogpost (Link).
Nun stelle ich verschiedene Literaturtipps zur Antisemitismusprävention vor, die vor allem an Pädagoginnen und Pädagogen gerichtet sind, die in Sekundär- und Tertiärstufen unterrichten. Die meiste Literatur ist in deutscher Sprache erhältlich – wo dies nicht der Fall ist, weise ich darauf hin.
Dieser Blogeintrag soll eine Hilfe für Kolleginnen und Kollegen sein, um ihr eigenes Wissen gegen Antisemitismus zu stärken und durch Bildung gegen diese menschenverachtende, tödliche Häresie durch Bildung vorgehen zu können. Für die Vorstellung der Literatur habe ich einen Weg gewählt, der versucht, eine zeitliche Achse mit der Grundsätzlichkeit der Bücher zu kombinieren. Die Abfolge stellt keine Wertung in deren Bedeutung da, vielmehr gehören diese zu einer Vielzahl wichtiger Publikationen und wecken hoffentlich weiteres Interesse zur Vertiefung dieses Themas.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Bildung ist die wichtigste Waffe gegen Antisemitismus und jegliche Form des Menschenhasses. Lest gegen Hass und gebt dieses Wissen an die euch anvertrauten Schülerinnen und Schüler weiter!
„Die Natur des Vorurteils“ von Gordon Allport
Aus dem Englischen – als Übersetzung erhältlich
„The Nature of Prejudice“ (1954) wurde von Gordon Allport (1897-1967) verfasst, einem amerikanischen Psychologen, der mit diesem Werk die Grundlage für die Vorurteilsforschung gelegt hat. Laut Springerverlag ist es das meistgelesene Buch innerhalb der Sozialpsychologie.
Für mich war dieses Buch trotz der inkongruenten Bezugsgruppe (weiße, protestantische, amerikanische Männer) ein Augenöffner für eine Erklärung und einen Umgang mit Vorurteilen, die sich bis hin zu extremen Hass entwickeln können. Nicht nur stellte Allport das Aggressionskonzept von Sigmund Freud in Frage, sondern führte stattdessen ein Feedback- und Kommunikationsmodell ein. Der nachhaltigste Beitrag, der Politik und Gesellschaft veränderte, war sein Plädoyer für einen Kontakt zwischen Gruppen, die Vorurteile gegeneinander hegten, um somit Vorurteile vorzuschützen und daraus eventuell entstehenden Hass zuvor zu kommen.
Wer sich für die sozialpsychologische Betrachtung der Entstehung von Vorurteilen und Hass interessiert und durch einen theoretisch fundierten Hintergrund hiergegen in Schule und Bildungseinrichtungen vorgehen möchte, sei dieses Buch ans Herz gelegt.
„Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten – Tagebücher 1933 bis 1945“ von Victor Klemperer
In Deutsch erschienen
Der deutsche Literaturwissenschaftler, Romanist und Politiker Victor Klemperer (1881-1960) ist einer der wichtigsten Zeitzeugen der NS-Schreckensherrschaft und deren mordender Brutalität, die akribisch vorbereitet und Sprache als ein grundlegendes Macht- und Beeinflussungsinstrument verwendet hatte.
In seinen Tagebüchern „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten (1933–1945)“ dokumentierte er seine bitteren Alltagserfahrungen, die er als intellektueller protestantischer Konvertit jüdischer Herkunft innerhalb der der deutschen Gesellschaft des Nationalsozialismus sammeln musste. Für mich ist Klemperer einer der wichtigsten Chronisten, die das Leben in dieser Schreckensherrschaft in alltäglicher Sprache und Sicht transparent werden lassen.
Besonders bewegend und erschreckend sind für mich die schonungslosen Einblicke in eine diktatorische Alltagswelt, die alle Bereiche des Lebens ergriffen hatten. Die Erfahrung der Komplizenschaft vieler einst verlässlichen Personen in Nachbarschaft, Beruf und Familie zeigen, wie diese Diktatur in ihrer Schärfe erst durch sie ermöglicht wurde und sollte uns nachdenklich gegenüber unseren eigenen Handlungsweisen stimmen.
„Hitler – 1889 bis 1945“ von Ian Kershaw
Aus dem Englischen – als Übersetzung erhältlich
Ian Kershaw (*1943), englischer Historiker und Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse, nimmt in seiner Hitler-Biografie nicht nur die Person des Diktators in den Blick, sondern die gesellschaftlichen und politischen Umstände, die es ihm ermöglicht hatten, das schlimmste Unrechts- und Mordsystem der Neuzeit zu etablieren.
Kershaw beschreibt anschaulich und lebendig, mit faszinierender Kenntnis des Protagonisten seines Buches untermauert mit historischen Quellen den Aufstieg des verhinderten Kunstmalers und kleinen »Weltkriegsgefreiten« zum mächtigsten Mann Deutschlands, der eine totale Diktatur errichtete, die Welt in einen schlimmen Krieg stürzte und, der mit vielen Komplizen verantwortlich ist für die Ermordung von Millionen europäischer Juden.
Wichtig wurde mir durch diese Lektüre: ohne die Person Hitler sind die Schrecken des Zweiten Weltkrieges nicht vorstellbar. Aber: Ohne die Gefolgschaft der Deutschen ebenso wenig. Mögen wir diese Warnung ernst nehmen und uns selbst in unseren Handlungen einen kritischen Spiegel vorsetzen!
„LTI – Notizbuch eines Philologen“ von Victor Klemperer
Auf Deutsch erschienen und in viele Sprachen übersetzt
Im Englischen heißt dieses Werk übersetzt aus dessen ursprünglicher Bezeichnung „Lingua Tertii Imperii“ bezeichnend „The Language of the Third Reich“. Es ist die zweite Buchempfehlung von Klemperer, die ich aufgrund deren Grundsätzlichkeit gerne weitergeben möchte.
In diesem Buch analysiert Klemperer die Sprache des Nationalsozialismus und dessen Wirkmacht in bewegender und nachdenklicher Weise. Meine Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärter weise ich stets darauf hin, dass Sprache ihre wichtigste Waffe darstellt. Umso wichtiger ist es daher, historische Kenntnis darüber zu haben, wie Sprache zum Bösen innerhalb unserer deutschen Geschichte verwendet wurde.
An dieser Stelle sei ebenso vermerkt, dass LTI 2003 unter dem Titel „Die Sprache lügt nicht“ (Originaltitel: „La langue ne ment pas“) für das Fernsehen als deutsch-französischer Dokumentarfilm von Stan Neumann adaptiert worden war. Dieser Film wurde im Juli 2005 beim Jerusalemer Filmfestival ausgezeichnet.
„Verbrannte Wörter – Wo wir noch reden wie die Nazis- und wo nicht“ von Matthias Heine
Auf Deutsch erschienen
Der deutsche Journalist und Buchautor Matthias Heine (*1961) nimmt uns in seinem Buch „Verbrannte Wörter“ mit auf eine wichtige Reise durch die deutsche Sprache und analysiert, inwieweit einzelne Begriffe einen nationalsozialistischen Hintergrund tragen oder vielleicht auch trotz einer Vermutung überraschender Weise doch nicht.
Wie steht es mit dem Begriff „Bombenwetter“, der immer noch verwendet wird?
Der „Aktion“, die immer noch in Organisationen wie „Aktion Mensch“ oder „Aktion Sühnezeichen“ zur Verwendung kommen?
Oder dem harmlos daherkommenden Ausdruck des „Hiwi“ als studentischer Hilfskraft?
Es sind erstaunliche Entdeckungen, die der Leser bei der Lektüre dieses Buches machen darf. Stets sind die einzelnen Begriffe gut eingebettet in geschichtliche Fakten und Referenzen, wie LTI als Quelle herangezogen. Der Autor macht am Ende jedes Begriffes eine kleine Empfehlung und regt dabei zur Entscheidung über eine etwaige Verwendung im eigenen Wortschatz an. Bei manchem hätte ich eine andere (strengere) Schlussfolgerung gezogen – doch in vielem kann ich dem Autor gut in einem Applizieren auf die sprachliche Praxis folgen.
„Hitlers amerikanisches Vorbild: Wie die USA die Rassengesetze der Nationalsozialisten inspirierten“ von James Q. Whitman
Als Übersetzung aus dem Amerikanischen erhältlich
James Q. Whitman, Professor für vergleichendes und internationales Recht an der Yale-Universität ist einer der angesehensten Rechtshistoriker der USA. Er deckt in seinem Buch „Hitlers amerikanisches Vorbild“ eine überraschend schmerzhafte Tatsache auf: Die „Jim-Crow-Gesetze“ und der tief verankerte Rassismus in den USA waren eine massgebliche Anregung für die Rassengesetze der Nationalsozialisten. Es ist ein schmerzhaft wichtiger Aspekt, der mit diesem Buch beleuchtet wird und Sprengkraft auf dem amerikanisch-deutschen Verhältnis haben kann.
In meiner Dissertation, die auf amerikanisch-deutschen Horizont die Versöhnungsarbeit aufgreift, habe ich mich daher in einem Kapitel mit diesem „Zyklus des Bösen“ befasst und hierzu auch schmerzhafte Aspekte in Hitlers „Mein Kampf“ herausgearbeitet. (Tröstend begegnete mir bei meiner Recherche für meine Dissertation ein „Zyklus des Guten“ – doch dies ist vielleicht ein Thema für einen späteren Blogeintrag.)
„Plantations and Death Camps – Religion, Ideology, and Human Dignity“ von Beverly Eileen Mitchell
Gegenwärtig nur in Amerikanisch erhältlich
Während meines Dissertationsstudiums am Wesley Theological Seminary, Washington D.C., durfte ich mehrere Seminare bei Prof. Dr. Beverly Mitchell besuchen. Die historische Theologin hat nicht nur durch ihre Biografie und ihren scharfen Verstand einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, sondern durch ihr Buch „Plantations and Death Camps“ mir die Augen hin zu einer Analogie des Grauens geöffnet.
In ihrem Buch vergleicht sie die menschenverachtende und vernichtenden Systeme der Plantagen und Konzentrationslager miteinander. Eine Zeitgleiche der Brutalität, die in die Abgründe menschlicher Seelen blicken lässt, die Macht, Gewinn und Unterdrückung über jegliche Menschlichkeit und Verbundenheit gesetzt hat. Die „Ideologien des Todes“, wie sie Mitchell bezeichnet, haben schlimme, verachtende und tödliche Konsequenzen diesseits und jenseits des Atlantiks hervorgebracht.
Das Buch ist ein Plädoyer, dies nie wieder geschehen zu lassen und regt zu einer eigenen biografischen Reflexion an. In einem vergangenen Blogeintrag (Link) schreibe ich hierüber.
„… trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“ von Viktor E. Frankl
Auf Deutsch erschienen
Viktor Frankl (1905-1997), der österreichische Psychiater, verbrachte mehrere Jahre in deutschen Konzentrationslagern. Hier wurde er mit unvorstellbarem Leid konfrontiert und musste sich mit der Frage auseinandersetzen, wie er und andere an diesen Orten der Unmenschlichkeit noch einen Sinn im Leben entdecken und die eigene Menschlichkeit bewahren konnte.
Für ihn war die Erfahrung, dass es möglich ist, auch noch unter inhumansten Bedingungen einen Sinn im Leben zu sehen, eine zentrale Entdeckung. Zukunftshoffnungen, von denen man getragen wurde, konnten über schwerstes Leid hinweghelfen – die Hoffnung, die Liebsten wiederzusehen oder, wie er sich vorstellte, nach einer Überwindung des Leides Vorlesungen geben zu dürfen, die die Auswirkungen des Lagers auf die Psyche zum Mittelpunkt hatten.
Dieses „Trotzdem“ hat bei mir tiefen Eindruck hinterlassen, vieles relativiert und die Gottesfurcht in den Mittelpunkt gestellt:
„So oder so – einmal kommt der Tag, für jeden der Befreiten, an dem er, rückschauend auf das gesamte Erlebnis des Konzentrationslagers, eine merkwürdige Empfindung hat: er kann es nun selber nicht verstehen, wie er imstande war, all das durchzustehen, was das Lagerleben von ihm verlangt hat. Und wenn es in seinem Leben einen Tag gab – den Tag der Freiheit-, an dem ihm alles wie ein schöner Traum erschien, dann kommt einmal der Tag, an dem ihm alles, was er im Lager erlöst, nur mehr wie ein böser Traum vorkommt. Gekrönt wird aber all dieses Erleben des heimfindenden Menschen von dem köstlichen Gefühl, nach all dem Erlittenen nichts mehr auf der Welt fürchten zu müssen – außer seinen Gott.“
… trotzdem Ja zum Leben, S. 139.
Einige von vielen Büchern, die Pädagoginnen und Pädagogen helfen können, sich durch Lektüren gegen Antisemitismus zu wappnen und dieses Wissen im Unterricht weitergeben zu können.
Lest gegen den Hass! Mit euren Schülerinnen und Schülern. Mit euren Kolleginnen und Kollegen. In Familien und Freundeskreisen.
Und kommt durch Unterhaltungen und Diskussionen auf Antisemitismus zu sprechen – einer menschenverachtenden und tödlichen Irrlehre, die Demokratie und Menschenwürde diametral entgegengesetzt ist. Damit sie in den Herzen und Gedanken nicht auf fruchtbaren Boden falle.
Als Seelsorgerin bei der Bundespolizei wurde mir die wichtige Aufgabe einer ethischen Unterrichtung unseres polizeilichen Nachwuchses und deren Begleitung sowie aller im Aus- und -fortbildungszentrum tätigen Personen übertragen. Mein Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und jegliche Form des Hasses stellt einen wichtigen Schwerpunkt meiner Arbeit dar – und führt fort, was ich in meiner New Yorker Zeit begonnen hatte: dem Hass die Stirn mit Bildung und Engagement zu bieten.
Gerade jetzt, in einer solch krisenhaften Zeit, in der Israel durch die Hamas mit unaussprechlichem Leid überzogen wird, ist es wichtiger denn je gerade mit den heranwachsenden Generationen über die Häresie des Antisemitismus auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen.
Aber wie nur?, fragt sich sicher der eine oder die andere Pädagogin.
Graphic Novels sind für mich ein Schlüssel, der Generationen, die visueller geprägt sind, einen Zugang zu dem vielschichtigen und schweren Thema des tödlichen und menschenverachtenden Antisemitismus schenken kann. Ein Startpunkt für wichtige Diskussionen, die mit denen geführt werden müssen, die unsere Demokratie stärken sollen – mögen sie Bürgerinnen und Bürger oder Polizistinnen und Polizisten sein.
Ich gebe zu, dass die Welt der Comics sich mir als Kind und Jugendliche nie wirklich erschlossen hat. Einen Zugang fand ich erst als mir eine jüdische Freundin aus New York den Graphic Novel „Belonging“ (dt. „Heimat“) von der deutschen Schriftstellerin Nora Krug schenkte. Ab diesem Moment war ich fasziniert von Inhalt und Kunst, die in tiefgründigen Büchern zusammen kamen.
Dieser Blogeintrag soll euch eine Hilfe in dieser schweren Zeit sein, in der ihr vielleicht in euren Schulklassen, Seminaren, Gesprächskreisen oder Tagungen aus der Sprachlosigkeit herausfindet in ein Thema das so wichtig, wie seit der Katastrophe des Nationalsozialismus kaum sein: eine Bekämpfung des immer noch gravierenden Antisemitismus.
Lesen gegen Hass!
Die einzelnen Graphic Novels wurden von mir aufgrund der geschichtlichen Abfolge in dieser Art und Weise geordnet, da sie in ihren Inhalten aufeinander aufbauen oder korrelieren. Alle Novels gibt es in Deutsch.
„Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion“ von Will Eisner
Will Eisner (1917-2005) ist der wohl bekannteste US-amerikanische Comiczeichner, der die Entwicklung des Comic maßgeblich geprägt hat. Auf ihn geht die Form des „Graphic Novel“ zurück. „Das Komplott“ ist seine letzte große Arbeit und nimmt ein Thema ins Visier, das grundlegend für den Antisemitismus des 20. Jahrhunderts bis zur Neuzeit ist: es stellt die Entstehung und Wirkung der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ da. Die Schrift wurde zur Grundlage des Hasses im Nationalsozialismus und schmerzlich betrachtet darüber hinaus bis zum heutigen Tage. Trotz eines Verbotes werden die Protokolle in viele Sprachen übersetzt und in alle Welt exportiert, um so zu einer Grundlage für Hass gegen Jüdinnen und Juden zu sein.
Ein Wissen über die Entstehung dieser Schrift sowie einer Warnung über dessen konstatierte „Weltverschwörung“ kann zu einer Aufklärung maßgeblich beitragen.
„Maus. Die Geschichte eines Überlebenden“ von Art Spiegelman
Art Spiegelman (* 1948) erzählt in „Maus“ die Geschichte seiner Eltern, die Holocaust-Überlebende waren und nach der Ermordung seines Bruders und weiter Teile seiner Familie 1951 nach USA ausgewandert waren. Spiegelman zeichnete viele Jahre für The New Yorker. „Maus“ ist und bleibt sein wichtigstes Werk, wobei ihn dieses aufgrund dessen Rezeption und Verbreitung belastend begleitet. Im Februar 2022 war das Buch im US-Bundesstaat Tennessee aus dem Lehrplan der 8. Klasse gestrichen worden.
„Maus“ ist ein Buch voller Hadern und Ringen um eine schwere Familiengeschichte, in der ein Sohn die Wahrheit über den familiären Hintergrund und das Leid seiner Eltern sowie Verwandten im Holocaust erfahren möchte. Die symbolträchtigen Figuren (Mäuse und Katzen) geben eine optische Tiefe, die das Herz berühren und große Betroffenheit hervorrufen.
„Beate & Serge Klarsfeld – die Nazijäger“ von Pascal Bresson und Sylvain Dorange
Berühmt wurde Beate Klarsfeld durch die Ohrfeige des damaligen Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger im Jahr 1968 bei einem CDU-Parteitag. Hiermit beginnt auch dieser Graphic Novel als einem perfekten Einstieg in die Nachkriegsgeschichte und dessen gebrochene Justiz, die die Täter des Nationalsozialismus nur punktuell zur Rechenschaft gezogen hatte.
Im Graphic Novel begleitet der Leser und die Leserin mit der deutschen Beate und dem französischen Juden Serge ein mutiges Paar, das sich aufgrund dessen persönlicher Betroffenheit der Jagd nach Nazis verschrieben hat: Serges Vater wurde Ausschwitz deportiert und dort ermordet. Beate hingegen will Gerechtigkeit für die Tätergeneration des Nationalsozialismus herbeiführen.
Ein Buch voller Emotionen und Menschlichkeit – und vor allem der Botschaft, dass sich Gerechtigkeit mit viel Engagement und Durchhaltevermögen seinen Weg bahnen kann.
„Heimat: ein deutsches Familienalbum“ von Nora Krug
In ihrer Suche nach der eigenen Familiengeschichte, dessen Gebrochenheit und einer eigenen Heimat, holt Nora Krug viele der Enkel- und Urenkelgeneration durch dieses Ansinnen ab.
Nora lebt seit 17 Jahren in New York und tut sich selbst schwer mit ihrer deutschen Herkunft. Ein Gefühl, das viele in dieser Generation ebenso trägt. Durch ihren jüdischen Mann geht sie daher auf die Suche nach der eigenen Familienvergangenheit und der Frage, was Heimat eigentlich für sie bedeutet. Ein wunderbar ehrliches autobiografisches Werk entfaltet sich Seite um Seite vor dem Leser.
Ihre grafische und schriftstellerische Kunst ist beeindruckend und wirft beim Leser Fragen zur eigenen Reflexion auf. Ein Buch, das Menschen in ihrer Frage nach den eigenen Wurzeln, der Suche nach Heimat und der gebrochenen deutschen Geschichte abholt.
„Weisse Wölfe – eine grafische Reportage über den rechten Untergrund“ von David Schraven und Jan Feindt
Die Reportage thematisiert die heiklen Themen eines international verwobenen Naziterrors sowie punktuell auch die gefährlichen „Turner-Tagebücher“, die in Deutschland verboten sind. Sie erzählen die Geschichte einer fiktiven rechten Terrorzelle in den USA und wurden Grundlage eines rechten Terrors, die ihren schmerzhaften und menschenverachtenden Ausdruck im Terror des NSU in Deutschland fanden.
Der Leser und die Leserin begleiten den Journalisten Schraven bei seinen Recherchen in der rechten Szene von Dortmund, seine Treffen mit Informationen und Informanten aus der Antifa und Neonazikreisen. Gleichzeitig wird in einem zweiten Handlungsstrang von der Radikalisierung eines seiner Dortmunder Informanten sowie dessen Verstrickungen in militante Neonazikreise berichtet.
Die Radikalisierung eines Schülers ist der schmerzhafte Dreh- und Angelpunkt dieses Graphic Novels, der sicher viel Diskussions- und Gesprächsstoff über Einflussnahme, Freundesgruppen und Sog in Hassnetzwerke bietet.
„Über Tyrannei – zwanzig Lektionen für den Widerstand“ von Timothy Snyder, illustriert von Nora Krug
Im Jahr 2017 verfasste der US-amerikanische Historiker Timothy Snyder (* 1969) auf dem Hintergrund starker politischer Umwälzungen in den USA eine Schrift, die den politischen Nerv unserer Zeit trifft: die zunehmend bedrohte Demokratie und der unter Umständen notwendige Widerstand zu deren Verteidigung. Dabei geht es darum, dass wir nicht erst handeln, wenn diese bereits sich in Gefahr befindet, sondern bereits bei den ersten Anzeichen.
Wie bei „Heimat“ ist Nora Krug mit ihrer Gestaltung ein künstlerisches Meisterwerk gelungen, das aufgrund seiner Ästhetik und der Zuhilfenahme tiefgründiger Kunst über die Wortebene hinaus wirkt.
Einige von vielen Büchern, die helfen können, zu sensibilisieren und eine pädagogische Waffe gegen Antisemitismus darstellen.
Lest gegen den Hass! Mit euren Schülerinnen und Schülern. Mit euren Kolleginnen und Kollegen. In Familien und Freundeskreisen.
Und kommt durch Unterhaltungen und Diskussionen auf Antisemitismus zu sprechen – einer menschenverachtenden und tödlichen Irrlehre, die Demokratie und Menschenwürde diametral entgegengesetzt ist. Damit sie in den Herzen und Gedanken nicht auf fruchtbaren Boden falle.
My voice shock as I read the names of victims. I didn’t dare to look up and concentrated on their names hoping to pronounce them rightly.
Elyona Estpank
Emil Smoylov
Erez Ariel
Erez Biton
Eric Yehuda Marciano
Eti Zak
After a small pause I stepped off the stone paved plateau. Dustin, a young politician and German Jew, lit a candle in a red protective cover, which we set on graves and places of mourning to show our grief. With a whispered „Danke“ and a slight nod he laid it into my outstretched hands. I cradled the candle in my hands as I searched for an appropriate spot to set it into the sea of sorrowful lights.
We had gathered in the center of Bamberg to commemorate and mourn the victims of the terror Hamas had spread over Israel taking precious lives all in a sudden. Jews and Christians. Believers and Non-Believers. Young and old. Politicians and citizens. All were gathered to express the grief inflicted through the horrors inflicted on thousands.
Shirt Yam Amar
Shiraz Brodash
Shirel Mor
Shlomi Molcho
Ayelet Molcho
Shlomi Mathias
My throat felt dry as I red the next six of hundreds of names. As a German I couldn’t wrap my head around the fact that so many Jews had lost their lives through terror, hate and unbelievable evilness – the largest number since the Holocaust. My nations and family´s history had committed me to counteract Antisemitism. As my friend you know about so many personal stories I had entrusted you with. They have formed me into the person I am now.
A cold shiver ran down my spine as I suddenly had to think of you. I remember, when I broke the news to you that I would return to Germany. I was called to become a chaplain within the German Federal Police. The sadness was lightened by the fact that I would infuse the commitment to counteract Antisemitism through teaching and involvement in this important part of our German democracy and state.
Sahar Zion Machlof
Salman Abu Mar´i
Samdar Mor Idan
Segev Schwartz
Segev Shalom
Shachar Kedem
As I read the names on the last sheet that was handed to me little did I know, what would come just a day later. Last night a synagogue in Berlin was attacked with Molotov cocktails last. Tonight protesters erected burning barricades. Police officers are actively attacked while they try to ensure security to sensitive areas. The Holocaust memorial in the center of Berlin is protected by hundreds of police officers.
Violence is erupting around the world.
It feels as if the world is set on fire.
But be assured, together with thousands I have committed myself to stand strong. We will not back down and give in to hate. Not in Germany. Never again.