Waffen der Gerechtigkeit

Es war wie ein New Yorker Tag aus dem Bilderbuch mit einem strahlen blauen Himmel. Ein leichter Wind wehte wohltuend durch die Häuserschluchten und erfrischte mich beim Gehen trotz der hochsommerlichen Temperaturen. Sie die berühmte 5th Avenue, auf der es von Fußgängern und dichtem Verkehr immer nur so wuselte, war fast ausgestorben. Die meisten Luxusgeschäfte, in der die Reichen und Sternchen dieser Welt ihren Kaufgelüsten nachgingen, waren geschlossen. Manche waren immer noch seit dem Beginn der Unruhen vor einigen Wochen mit Sperrholzplatten vernagelt.

Während PRADA & Co. und deren kaufkräftige Kunden nun ins “pademie-sichere” Online-Geschäft migriert waren, ringt die USA mit diesem Dämon, der aus dem Ringen nach Profit, Konsum und Eigensucht geboren worden war: der Marginalisierung und Ausbeutung von Menschenleben und konkreten gesellschaftlichen Schichten.

Ich kehrte dem PRADA-Geschäft und seiner teuren Auslage den Rücken und konzentrierte mich auf den leuchtend gelben Schriftzug vor mir auf der 5th Avenue, der mir tröstend in großen Lettern BLACK LIVES MATTER entgegen strahlte.

BLACK LIVES MATTER, 5th Ave zw. 56. und 57. Street
BLACK LIVES MATTER, 5th Ave zw. 56. und 57. Street

Donnerstag vor einer Woche (9. Juli) hatten namhafte Vertreter New York Citys zusammen mit Bürgermeister Bill De Blasio vor Trump Tower diesen leuchtend gelben Schriftzug eigenhändig aufgezeichnet. Jeder Besucher und Bewohner dieses Luxusgebäudes auf einer der teuersten Straßen der Welt würde sich nun nicht mehr der “Black Lives Matter”-Bewegung und ihrem mahnenden Ruf gegen systemischen Rassismus entziehen können. Just nach Bekanntgabe des Plans sprach Präsident Trump via Twitter von einem Symbol des Hasses und einer Verunglimpfung der Luxusstraße. Eine Reaktion, die die Zeichenhandlung gegen ein ungerechtes kapitalistisches System nur noch mehr unterstrich.

Trump Tower, 5th Ave
Trump Tower, 5th Ave

Die Anbringung des Schriftzuges durch Vertreter New York Citys und Bürgermeister De Blasio erinnern mich an eine Reihe von Propheten, die die Botschaft Gottes durch ihre Handlungen sichtbar und erfahrbar werden ließen. So wird zum Beispiel von Jesaja berichtet, dass er drei Jahre nackt in Jerusalem herumgelaufen sei (Jes 20,3). Die Zeichenhandlungen der biblischen Propheten reichen von Haarescheeren (Ezechiel), über die Auferlegung eines Jochs (Jeremia) bis hin zur Heirat einer Prostituierten und Benennung von Söhnen mit Symbolnamen (Jesaja).

Propheten waren dazu berufen, Gottes Botschaft zu den Menschen zu bringen und auf Ungerechtigkeiten in Gesellschaft und Politik hinzuweisen. So nahm der Prophet Amos kein Blatt vor den Mund als er auf die sozialen Zustände seiner Zeit hinwies und die Frauen der damaligen Oberschicht als “fette Kühe” bezeichnete, deren Familien aufgrund der Ausbeutung von niederen Gesellschaftsschichten zu ihrem Wohlstand und Reichtum gelangt waren:

Hört dies Wort, ihr fetten Kühe auf dem Berge Samarias, die ihr den Geringen Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringt her, lasst uns saufen! Gott der Herr hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe, es kommt die Zeit über euch, dass man euch herausziehen wird mit Angeln und, was von euch übrig bleibt, mit Fischhaken. Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinausmüssen, eine jede vor sich hin, und zum Hermon weggeschleppt werden, spricht der Herr.

Amos 4,1-3

Die prophetische Tradition die Wahrheit Gottes und dessen Wunsch nach einer gerechten Gesellschaft auszusprechen und nicht vor den Zentren der Macht noch deren Vertretern in Gesellschaft und Politik zurück zu schrecken, ist ebenso bei Jesus vorzufinden. Er scheute sich nicht vor Diskussionen mit Entscheidungsträgern und lies das Reich Gottes Realität werden, indem er Kranke heilte, Ausgestoßene Aufmerksamkeit und Straftätern eine Möglichkeit zur Rückkehr gewährte. Dabei wartete er nicht auf den Beschluss eines Gremiums noch seiner Jünger, sondern wendete sich denen am Rand der Gesellschaft Befindlichen zu. Den Schwächsten und Bedürftigen. Dies gab er auch seinen Jüngerinnen und Jüngern als Richtschnur für ihr eigenes Handeln auf.

Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Mt 25,35-36

Weiterverfolgen können wir diese Tradition beim Apostel Paulus, der in seinem ersten Brief an die Korinther darauf hinwies, dass wir als Gemeinschaft ein Ganzes darstellen. Hierfür nutzte er das verständliche Bild des Leibes. Jeder hat sicherlich schon einmal erlebt, dass ein Körperteil erkrankt war und dadurch die ganze Person leiden musste. Diese Gesamtheit lässt sich ebenso auf gesellschaftliche Strukturen übertragen (1. Kor 12,26). Martin Luther King Jr. aktualisierte diesen Gedanken in einem fiktiven Brief des Apostels an amerikanische Christen, den er am 4. November 1956 neun Tage bevor der oberste amerikanische Gerichtshof die Segregation im Bustransport Alabamas als verfassungswidrig erklärte:

Der Missbrauch des Kapitalismus kann auch zu tragischer Ausbeutung führen. Dies ist in eurer Nation so oft passiert. Sie sagen mir, dass ein Zehntel der Bevölkerung mehr als vierzig Prozent des Reichtums kontrolliert. Oh Amerika, wie oft hast du den Massen das Nötigste genommen, um den [höheren] Klassen Luxus zu geben. Wenn ihr eine wahrhaft christliche Nation sein wollt, müsst ihr dieses Problem lösen. […] Ihr könnt im Rahmen der Demokratie arbeiten, um eine bessere Verteilung des Wohlstands zu erreichen. Ihr könnt eure mächtigen wirtschaftlichen Ressourcen nutzen, um die Armut vom Erdboden zu wischen. Gott hatte nie vor, dass eine Gruppe von Menschen in überflüssigem, übermäßigem Reichtum lebt, während andere in bitterer, tödlicher Armut leben. Gott beabsichtigt, dass alle seine Kinder die Grundbedürfnisse des Lebens haben, und er hat in diesem Universum “genug und teilbares” für diesen Zweck gegeben. Deshalb fordere ich euch auf, die Kluft zwischen bitterer Armut und überflüssigem Reichtum zu überwinden.” (1)

Martin Luther King, Jr., Pauls Letter to American Christians

Unglaubliche 64 Jahre später, ringt die USA immer noch um ein gerechtes gesellschaftliches System, das durchwoben ist von einer Benachteiligung gegenüber farbigen Bevölkerungsgruppen und anderen Minoritäten am Rande der Gesellschaft. Es bedarf daher vieler mutiger Personen, die in prophetischer Tradition gegen diese Ungerechtigkeiten aufsprechen und ihre Stimme für die erheben, die keine Stimme haben. So wie dies gegenwärtig durch die Bewegung “Black Lives Matter” geschieht. Ein biblische Erbe das Christinnen und Christen mutig annehmen sollten.

Eine Person äußerte mir gegenüber letztens ihre Erleichterung, dass Deutschland nicht mit den amerikanischen Problemen des Rassismus behaftet sei. Das ist zu einfach gedacht. Rassismus ist eine gesellschaftliche Realität in Europa. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Antisemitismus als dessen häretischer Zwilling unglaubliches Leid über Deutschland, Europa und weite Teile der westlichen Welt gebracht hat. (2) Während ich sprachlos in den Telefonhörer starrte und die Worte der Person ungehört an mir herunter perlten, zogen mich meine Gedanken in die Zeit des Nationalsozialismus: Was wäre gewesen, wenn man damals mutig aufgestanden wäre als Christen und als Kirche und vor die damaligen Zentren der Macht als deutsches Pendant “Jüdisches Leben Ist Wertvoll” oder den Anglizismus “Jewish Lives Matter” geschrieben hätte? Stattdessen wählten die großen Kirchen den Weg in die Mittäterschaft und unterstützten das mörderischste Hasssystem der Welt in seiner menschenverachtenden Politik. Gerade deshalb geht es Christ*innen in Deutschland besonders an! Sie müssen sich verpflichtet fühlen zu dem Jahrtausende alten Ruf der Propheten, der gegen Ungerechtigkeit von Benachteiligten und Menschen an den Rändern unserer Gesellschaft aufspricht. Weil andere Minoritäten sich in sozialer und finanzieller Not befinden, könnte zum Beispiel auch andere Rufe laut werden, wie…

“Jewish Lives Matter”

oder “Sinti Lives Matter”

oder “Homeless Lives Matter”

oder “Female Lives Matter” und so viele mehr.

Ich träume von einer Kirche, die dem prophetischen Ruf Gottes folgt und tief in der Beauftragung Jesu Christi verwurzelt ist. Je mehr diesem Ruf folgen, umso größer wird das Reich Gottes bereits in dieser Welt. Ein Vorgeschmack auf den Himmel und wie Gott sich unsere Welt erhofft.


(1) Originaltext: “The misuse of Capitalism can also lead to tragic exploitation. This has so often happened in your nation. They tell me that one tenth of one percent of the population controls more than forty percent of the wealth. Oh America, how often have you taken necessities from the masses to give luxuries to the classes. If you are to be a truly Christian nation you must solve this problem. You cannot solve the problem by turning to communism, for communism is based on an ethical relativism and a metaphysical materialism that no Christian can accept. You can work within the framework of democracy to bring about a better distribution of wealth. You can use your powerful economic resources to wipe poverty from the face of the earth. God never intended for one group of people to live in superfluous inordinate wealth, while others live in abject deadening poverty. God intends for all of his children to have the basic necessities of life, and he has left in this universe “enough and to spare” for that purpose. So I call upon you to bridge the gulf between abject poverty and superfluous wealth.

in: Martin Luther King Jr., A Knock at Midnight, 1998, S. 28.

(2) Auf diese Analogie hatte ich vor einiger Zeit in dem Artikel “Denk ich an Amerika”, Christ & Welt hingewiesen.

Wenn die Ebbe einsetzt…

Die Hitze des amerikanischen Ostküstensommers lähmte meine Bewegungen. Ich hatte mich in eine schattige Ecke unseres Balkons verzogen und betrachtete melancholisch die Bilder unseres Familienurlaubes vor genau einem Jahr. Damals hatten wir im Anschluss an eine Konferenz für EKD-Pfarrerinnen und Pfarrer, die nach Nordamerika als entsandt worden waren, für einige Tage ein kleines Haus am Strand gemietet. Nachdem ich als mitverantwortliche Person diese Konferenz organisiert und geleitet hatte, waren wir froh um die herrliche Ruhe, die Nähe zum Strand und den verlässlichen Rhythmus von Ebbe und Flut.

Ein Ausflug führte uns an einen wunderschönen Strand bei Bodega Bay, Sonoma County, der direkt an der Migrationsroute von Grau- und Blauwalen lag. Der kleine Strandabschnitt schmiegte sich sanft in eine Bucht und gab unseren Kindern die Möglichkeit auf samtweichen, hellgelben Sand spielen zu können. Mit dem Einsetzen der Ebbe wurden immer mehr Teile des Strandes sichtbar, die vorher vom Wasser verdeckt worden waren.

“Wenn das Wasser geht, werden nach und nach Dinge aufgedeckt, die man vorher so nicht wahrnehmen kann”, schoß es mir durch den Kopf, während ich den Verlauf der Küste auf dem Bild nochmals mit den Augen verfolgte. Bei diesem Gedanken stockte ich plötzlich. Das kam mir auf einmal sehr bekannt vor.

Gezeiten spielen bei Warren Buffet, einem US-amerikanischen Investor und drittreichstem Mann der Welt, im Zusammenhang von ökonomischen Betrachtungen eine interessante Rolle. In einem Brief an Aktionäre von Berkshire Hathaway hatte er im Februar 2008 ein interessantes Bild zur Verdeutlichung von ökonomisch schwierigen Zeiten und deren Auswirkungen verwendet. Hier schrieb er:

It’s only when the tide goes out that you learn who’s been swimming naked.

(Übersetzung: “Erst wenn die Flut geht, sieht man, wer nackt geschwommen ist.”)

Warren Buffet, Letter to Berkshire Hathaway shareholders, Feb 2008

Nun war mit der Pandemie weltweit in vielen Ländern eine wirtschaftliche Ebbe eingetreten. Nicht einmal während der Weltwirtschaftskrise von 1929 waren in den USA so viele Menschen arbeitslos wie in diesem Jahr aufgrund der Auswirkungen der Pandemie. Kein Bereich des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ist davon verschont. Auch nicht die Glaubensinstitutionen – oder sollte ich schreiben, gerade sie?

Wenn die ökonomische Ebbe einsetzt, sieht man deutlich, wie es um eine Institution, ein Unternehmen, eine Kirche und andere wirklich gestellt ist. Zwei Mal habe ich diese grundlegende Erfahrung als Pfarrerin sammeln müssen. Das erste Mal im Rahmen meines Dienstes in der Church of Scotland als die amerikanische Immobilienblase 2007 zu einer Wirtschaftskrise führte. Damals begleitete ich eine Gemeinde, die aus drei ursprünglich eigenständigen Gemeinden in eine zusammengefasst wurde, und mehrere ihrer Kirchengebäude zu veräußern, um überlebensfähig zu bleiben. Heute erlebe ich den unbarmherzigen Zusammenhang von Finanzen, Weltkrise und Kirche in meinem Dienst als Auslandspfarrerin in einer Gemeinde in New York, die sich zum allergrößten Teil nebst meines Gehaltes selbstfinanzierten muss.

Beide Gemeinden unterscheiden sich nicht nur durch ihren geografischen Ort signifikant, sondern ebenso durch Aufbau und Struktur. Erstere war eine Inselgemeinde mit überschaubarem Einzugsbereich und kleiner, über Jahrzehnte und manchmal Generationen verbundenen Mitgliedern. Zweite hingegen hat einen Einzugsbereich, der ungefähr dem Frankens gleicht, wobei jährlich im Sommer mindestens die Hälfte der Mitglieder durch Zu- und Wegzug von Expats (1) ausgetauscht wird.

Und dennoch hat sich bei beiden beim Er- und Durchleben einer ökonomischen Ebbe eines aufgezeigt: dort, wo Kirche für andere da ist, wo sie Heimat ist und sich um die in Not Geratenen kümmert, mag sie vielleicht ökonomisch “nackt” sein, aber immer wieder auf ihre Füße kommen. Eine solche Kirche bzw. Glaubensgemeinschaft macht das Rückgrat und Zentrum unseres Glaubens transparent : Die Sorge um den Nächsten, wie sie von Jesus gelebt wurde und uns Christen aufgetragen wurde, wird hierdurch erfahrbar.

Kirchen hingegen, die sich mehr um die auf einmal verspürte “Nacktheit” gekümmert haben, in stundenlangen Gremiumssitzungen diese Probleme betrachteten, lange und komplexe Statements ohne Taten verfassten, kamen in einer ökonomischen Ebbe nur schwer wieder auf die Füße.

Ich kann gut verstehen, dass die nicht nur in Deutschland eingetretenen Austrittszahlen verängstigen. Umso wichtiger ist es, dass sich Kirche und Glaubensgemeinschaften als relevant und nah zeigen – genau dort, wo unser Nächster unsere tatkräftige und unbürokratische Hilfe in Notzeiten benötigt. Dies kann sich in sehr unterschiedlicher Weise ausgestalten – ich möchte den Leser und die Leserin dabei nicht in eine gedankliche Enge führen. Eines aber würde ich mir sehr wünschen: dass wir uns zu unserem bedürftigen Nächsten tatkräftig auf den Weg machen, damit Kirche mitten in einer ökonomischen Ebbe dem Ruf Jesu nachkommen kann.

Wir sollten es trotz all der Angst vielleicht auch als Chance begreifen, die uns zu unserem “nackten” Selbst als Kirche wie Christus uns berufen hat, zurückführen könnte.


(1) Fach- oder Führungskraft, die von einer international tätigen Organisation im Rahmen einer Auslandsentsendung vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird.

Amerika im Ausverkauf

Ich schob meinen Einkaufswagen durch das immer noch ungewohnte Labyrinth von Einbahnstraßen. Alltägliches wie der Samstagseinkauf im Supermarkt war einer neuen Realität gewichen. Regale waren ausgedünnt und in weiterem Abstand voneinander platziert worden, um den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen genüge zu leisten. Ein “Einbahnsystem” vergrößerte das Gefühlt trotz allem einen sicheren Einkauf mitten in der Pandemie tätigen zu können.

Nachdenklich schob ich die wertvolle “Essensfracht” gen Kasse als mir ein Luftballon in Herzform und amerikanischer Fahne in einem Regal auffiel. Dahinter prange auf rotem Hintergrund in großer Schrift ein Ausverkaufsschild. Welch ironisch passendes Bild an einem Tag wie dem heutigen während die Nachrichten über ein Land hereinbrechen, das sich als führende Weltmacht und Verteidigerin der Demokratie versteht. Nun aber ist es weltführend im Ausbruch des Coronavirus und dem Zusammenbruch seines eigenen Justiz- und Wertesystems. “Amerika befindet sich im Ausverkauf”, schoß es mir unweigerlich beim Anblick der Supermarktauslage durch den Kopf.

Amerika im Ausverkauf
Amerika im Ausverkauf

Laut New York Times (Stand 11. Juli 2020) wurden über 3,199,700 Personen in den USA mit COVID-19 infiziert, wobei mehr als 133,900 an dem tückischen Virus verstarben. Nachdem viele US-amerikanische Staaten meinten, sich zwischen einer florierenden Wirtschaft und dem Sieg gegen das Virus entscheiden zu müssen, schoben viele Staaten Sicherheitsvorkehrungen beiseite und öffneten ihr gesellschaftliches und ökonomisches Leben vorzeitig. Sie führen nun die Statistik in besorgniserregender Weise an.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich Menschenleben und -schicksale, die allesamt durch das Versprechen der USA miteinander verbunden sind. Generationen von Migranten hat es und führt es immer noch im Sehnen nach einem besseren, gerechteren Leben in die “Neue Welt”. Diese Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft spiegelt sich in den Worten der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 wieder, denen sich alle US-Bürger*innen verpflichtet wissen. Diese Erklärung hatte sich gegen eine Kolonialmacht und deren Ausbeutung gestellt und besagt, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden und von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten, wie Leben, Freiheit und dem Streben nach Glückseligkeit ausgestattet sind. (1) Damals waren diese für „weiße“ Männer mit signifikanten Besitz geschrieben worden. Trotz der ursprünglichen Intension bergen die Worte der Unabhängigkeitserklärung den wichtigen Schatz der Gleichheit und Freiheit in sich, die entdeckt bzw. wiederentdeckt werden sollten.

Doch die Pandemie legt die wahre, aktuelle Struktur dieses Landes bloß: Es ist gegenwärtig regiert und dominiert von Personen, die dem Kapitalismus und dem Eigengewinn mehr Gehör schenken als den Bedürfnissen und Nöten der Nächsten. Gleichzeitig erodieren juristische Werte und Grundbeschaffenheiten, die die grundsätzlichen Versprechen der Unabhängigkeitserklärung nicht nur widersprechen, sondern mit ihr brechen. Die Reduktion des Strafmasses von Robert Stone, des ehemaligen Beraters und Freundes Donald Trumps, ist der letzte Ausdruck eines Ausverkaufs Amerikas. Die ehemals führende Industrienation befindet sich im Ausverkauf zu Gunsten einer kleinen profitierenden Schicht, deren Seilschaften und Verflechtungen gegenwärtig stärker sind als das demokratische System. Es bleibt zu hoffen, dass Amerikas Bevölkerung erwacht und die Macht der Basisdemokratie als Chance und Waffe gegen Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Marginalisierung von Bevölkerungsgruppen zugunsten weniger wiederentdeckt.

“Excuse me, Ma’am!” raunte eine ältere Dame mir entgegen während sie versuchte, ihren Einkaufswagen an mir vorbei zur Kasse zu manövrieren. Ich schob hastig meine Fracht zur Seite, um ihr Platz zu machen. Als ich über die Schulter blickte, hatte sich das amerikanische Luftballonherz vor das Ausverkaufsschild geschoben und damit verdeckt. Ich hoffe sehr, dass Amerika in den kommenden Monaten auf dem Weg hin zu einer Neuwahl sein eigentliches Herz wiederentdeckt, das besonders stark für eine Gleichheit aller schlagen sollte.


(1) Declaration of Independence, 1776: “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Stürmische Zeiten

Ausdauernd prasselte Regen auf die Dachfenster des Pfarrhauses während sich der Rhythmus der Regenbänder immer schneller wurde. Ich starrte nachdenklich aus dem Fenster und sah den ersten Ausläufern des tropischen Sturmtiefs zu, das im Laufe des Tages in rotierenden Regenbändern eine signifikante Menge an Niederschlag und bis zu 50 miles/h an Winden mit sich bringen sollte.

Seit Monaten fühle ich mich wie von einem großen, andauernden Sturm erfasst. Corona, Rassenunruhen, Polizeigewalt, Kampf gegen Armut und Hunger… Wie in einem immer währenden Zyklus kreisen diese Traumata wie gegenwärtig der tropische Sturm Fay über der Metropolregion New York und der gesamten USA. Es gibt Phasen, an denen meine Nerven sehr strapaziert sind. Nicht selten frage ich mich, ob meine Schlechtwetterkleidung als Pfarrerin, die vor allem aus einer tiefen Verwurzelung im Glauben besteht, ausreichend ist.

Søren Kierkegaard wies in seiner Auslegung von Mt 11,30 auf die besondere Kraft des Glaubens hin, der in angeblich unmöglichen und aussichtslosen Situationen die Perspektive nicht verliert. In der Bibelstelle betont Jesus, dass sein Joch sanft ist und seine Last leicht. Während viele diese Aussage als ein Paradoxon bezeichnen würden, weißt Kierkegaard auf das Vorbild des Kreuzes hin, die alle menschliche Logik auf den Kopf stellt und aus dem angeblichen Scheitern den Sieg Gottes macht.

Klugheit erreicht oft in Zeiten der Not ihre Grenzen. In diesem Moment sehe ich aus meiner eigenen Erfahrung, dass die Kraft des Glaubens beginnt. Kierkegaard schreibt:

Wenn die Klugheit in der dunklen Nacht des Leidens keine Handbreit vor sich sehen kann, da kann der Glaube auf Gott sehen; denn der Glaube sieht am besten im Dunkeln.

Søren Kierkegaard, Zwölf Reden, Halle 1886.

Gerade in dieser dichten und schwierigen Zeit des Auslandspfarramtes erlebe ich genau dies: Ich spüre die richtungsweisende Kraft des Glaubens in dieser dunklen Zeit, die mir andauernd zuspricht, die Hoffnung nicht zu verlieren und weiter in dem voranzuschreiten, was für uns Christen zentral ist: Unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst.

Dies bedeutet in stürmischen Zeiten wie diesen im Auslandspfarramt neben den klassischen Tätigkeiten wie Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindearbeit mich noch stärker für die Speisung einer stetig wachsenden Zahl von Bedürftigen zu widmen, einem deutlichen Aussprechen gegen Rassismus und Antisemitismus, aber auch der Polizeiseelsorge zu engagieren. Und hätte ich, mit Paulus gesprochen, meinen Glauben nicht, so wäre ich nichts.

Stürmische Zeiten bringen uns an die Grenzen unserer Kräfte, aber sie zeigen uns auch in bewegender Weise die Wichtigkeit des Glaubens auf, der im Dunkeln am besten sieht.

How Society gets used to Injustice

Every morning the newspaper is delivered to our drive way. It is the same procedure every day. I wait until the yellow school bus swallows our children and the door close with the same squeaking noise. Then I bend down and pick up my daily portion of news wrapped in a dark blue plastic bag.

As I opened todays paper and flipped through the pages a almost silent thought crept into my mind getting louder and louder with every new page I turned. A campus shooting in Texas, that had been a rather casual side note in TV last night, was not even worth a mention in todays edition. I couldn’t believe, how quickly one gets used to certain kinds of news.

This kind lack of information mirrors human behavior: The human mind gets quickly used to certain occurrences. In January 2020 there were 28 mass shootings costing 38 lives. Only few nowadays make it to the headlines. That was different, when I was a child. I still vividly remember the first mass school shooting in Germany.

As quickly as life and routines change, the way we see the world and what we perceive as dangerous, just or unjust seems to shift. Victor Klemperer (9 October 1881 – 11 February 1960), a German native and language scholar, experienced this shift of conscience in a very personal way. His diary tells us in details about his life under the Nazi dictatorship and is a frightening documentation of a shift in mind and ethics enabling the most destructive regime ever haunting the face of our earth.

These shifts never come abruptly. More so, they quietly make their way into society. Changing habits, thoughts, and mind-sets in small steps. Almost unnoticeable. They crawl into news, everyday life, conversations, and increasingly change how we perceive things. What formerly was branded as unjust, is after a while met with indifference, and later will even be seen as a just decision.

It was February 21, 1935. Victor Klemperer awaited the visit of two students. As a son of a Jewish parent he had lost his call as a University professor due to Adolf Hitler´s racial laws. Now he was forced into retirement and isolated from his highly active life as a renown scholar and teacher. Any kind of normality was happily welcomed by him and his wife reminding them of the life they had before the Nazi regime took its deadly grip of Germany. But the normality that entered his quiet, isolated home through two former students opened his eyes to the gradual disappearance of what he once called normality:

The girls are completely anti-Nazi. But when it came to talking about two young noble women who had just been executed in Berlin for espionage (for Poland, the friend!), they thought it was all right. They did not ask about the difference between peace and martial law, security through public negotiations, etc. The sense of justice is lost everywhere in Germany, is systematically destroyed.

Victor Klemperer, Tagebücher 1935-1936, Berlin, Germany 1998, p.15 (translation: Miriam Groß)

Miss Winkler and Miss Hildebrandt had been two average young students, who hadn’t supported the Nazi regime. Nonetheless, they too were changed gradually with what they perceived as just or unjust. They stand for millions of average Germans, who had not enthusiastically embraced Hitlers thoughts, but opened the gates to destruction through their increasing shift in the sense of justice. A bitter warning, Victor Klemperer left behind through a small remark in one of eight diaries describing the year 1935.

What was unjust yesterday, is perceived as normal and soon will be deemed just. Harsh sentences, brute words tweeted quickly without thinking sow the seeds of indifference and later hatred. Back then during the Nazi regime it started of with the normalization of violent slurs against Jews. And then escalated into the murder of millions of innocent people.

We should stay woke! Victor Klemperer´s diary is a important warning. May our sense for justice never again be lost. May it not be systematically destroyed as once in Germany.

I am afraid, this will take the courage of many to speak up and show that they are not indifferent towards any kind of totalitarianism. It will come at a high personal cost, but so be it.

The Sound of Broken Glas under my feet

As my heels touched the sidewalk the sound of broken glas sent a cold shiver down my spine. The words of Ruth Zimbler, who had experienced Kristallnacht  as a ten year old Jew in Vienna, Austria, echoed through my mind: “The sound of broken glas under my feet haunts me every day.”

2018-11-04 09.05.22

Here I stood as a Lutheran pastor in front of our small German Lutheran Church in Chelsea and couldn’t move one bit as the nightmare of the Kristallnacht haunted me in a unexpected way on this bright and sunny Sunday morning. In not even a weeks time it would be 80 years since Germany exploded in an orgy of unbelievable violence. As businesses and synagogues were destroyed. “This night of horror, a retreat in a modern state to the savagery associated with bygone ages, laid bare to the world the barbarism of the Nazi regime. Within Germany, it brought immediate draconian measures to exclude Jews from the economy, accompanied by a restructuring of anti-Jewish policy […]” (1)

It took the Hitler´s regime over five years until it showed its ugly face of destruction and hate to the world. Up to this point hate crimes had been steadily on the rise. The acceptance of these incidences grew into the normality of a steadily increasing number of Nazi-supporters, who were numbed by Hitler´s words and perspectives of work and bread through a increasingly busy rearming economy.

The political underdog Hitler had at last succeeded. After Hindenburg had brought him into office in January 1933, he had steadily built up a system of expansion based on the suffering of millions. His speech in front of SS leaders in early November 1938 had sparked deep hate and named the blameworthy people: Jews, freemasons, Marxists, and the Churches of the world were the enemies of his system of expansion (and mass destruction). Hitler pointed towards the Jewry as the driving opponents against his plans of “German grandness”.

This speech unleashed the terrors of Kristallnacht over Germany and Austria, and marked the official begin of unprecedented suffering and terror. The SS, the fire services, the police and other instruments of law and order, looked the other way – becoming instruments of terror and murder themselves.

The signs had been there from the beginning as Hitler was instated as Reichskanzler bei Hindenburg. Back then, numerous politicians thought, they´d be able to contain him and influence his political actions through a strong system. On his sixth anniversary of his takeover of power, Hitler publicly announced his evil plans to the public, which were received with great joy. The derided prophet had at last succeeded: “I have very often in my lifetime been a prophet,” he declared, “and a mostly derided. In the time of my struggle for power it was in the first instance the Jewish people who received only with laughter my prophecies that I would some time take over the leadership of the state and of the entire people in Germany and then, among other things, also bring the Jewish problem to its solution. I believe that this once hollow laughter of Jewry in Germany has meanwhile already stuck in the throat. I want today to be a prophet again: if the international finance Jewry inside and outside Europe should succeed in plunging the nations once more into a world war, the result will be not the bolshevization of the earth and thereby the victory of Jewry, but the annihilation of the Jewish race in Europe!” (2)

This political speech soon became a bitter reality as slow beginnings and normalization of hate numbed a whole nation. The “derided” prophet had at last succeeded in his evil doings.

May we be warned by history about those, who draw their diabolical strength and dehumanizing power as they gather followers for their evil deeds around them. May we be “upstanders” and not “bystanders”, as Ruth Zimbler had urges us to.

I tried to rub the shattered glas from my heels on the Church entrance, but with every new twist and turn of my foot they had dug themselves deeper into the shoe sole. I halted in my movement. Maybe they would be a fitting reminder for me as a German speaking pastor reminding me of the necessary commitment to stand against any hate crime in action.


(1) Ian Kershaw, Hitler. A Biography, New York 2008, p. 449.

(2) Ibid., p. 469.

The Slippery Slope starts with Words

The silence was ear deafening. One by one candles were lit by the tender hands of the female Rabbi. As the mourners kaddish filled the room said by numerous Jewish and Interreligious voices the grief formed a strong bond of commitment binding together the gathered people of different walks of life and faith.

2018-10-29 17.45.24

The slippery slope starts with words.” David Harris, Chief Executive and CEO of AJC, reminded in a calm and even more so intense voice of how the path leading to the Holocaust began long before the Kristallnacht on Nov 9, 1938. The big auditorium of the German General Consulate was filled to the brink as AJC together with the German Consul General David Gill and Ruth Zimbler, a 90 year old Kristallnacht survivor, commemorated together this despicable and tragic moment in German history.

I shivered in my seat as the events past and present simultaneously went through my mind. Kristallnacht began way before 1938. But in my mind they suddenly appeared isochronal. Wiping away the 80 year divide with one blink of an eye and a simple, but ever so wise statement.

The slippery slope starts with words.

Most beginnings are quiet. Almost silent or with few words change will begin to unfold. No one back in the spring of 1912 as Hitler was stranded in a Men´s home in Vienna had ever thought this drop-out and postcard painter would later become the greatest criminal and murderer of over 6 million people. Back then, his audience was small as he voiced his thoughts about race and inferiority of the Jews. Hitler then was still the underestimated outsider. The underdog. A existence he later very successfully used to climb to the highest political ranks as he spread disaster of almost the whole world.

My eyes were fixated to the lit memorial candles as if I tried to hold on to hope despite disaster past and present. But the sentence had a tight grip to my thoughts as I could feel my heartbeat increase even though I was sitting.

The slippery slope starts with words.”

As my head was spinning my thoughts were pulled to Germany of January 1933. It was in the office of the Reich President that Hindenburg expressed is great satisfaction that the political right had at last united against all the liberal and democratic forces. As Hitler himself swore he would act in the good of the whole nation, Hindenburg gave this political newcomer his blessings. In one voice, as it is stated through different sources, the call of Hitler as new Reichs Chancellor was underpinned with a single sentence: “And now, gentlemen, forward with God.”

As a woman of God, a faith leader and a German this heresy and abuse of faith is deeply hurtful. Even then, many, even Hindenburg, hadn’t suspected that they were already on a slippery slope leading to disaster, murder and destruction.

The slippery slope starts with words.”

May this sentence remind us of the power of words, which can develop the beautiful and more so the disastrous. “The Anti-Defamation League logged a 57 percent rise in anti-Semitic incidents in the United States in 2017, compared to the previous year — including bomb threats, assaults, vandalism, and anti-Semitic posters and literature found on college campuses.” (1) Words of hate and anti-Semitism lead to the deadliest attack towards Jews in the US in Pittsburgh as eleven innocent believers were murdered by a white supremacist. We know by now that the perpetrator Robert Bowers was encouraged and fed by anti-Semitic words and thoughts expressed by numerous sources.

The dehumanizing words presently used in politics are leading to a never before experienced rise in hate crimes. Murders like the one of the Pittsburgh Eleven, the two African-American in Kentucky, and “smaller” despicable acts in numerous shapes and sizes against women, LGBTQ, and other marginalized people are changing the shape and form of a free and accepting US-society.

In Germany it once began with small words and ideas uttered in back yards, at ordinary tables and in small groups. They infected others and spread hate like a deadly cancer in German society.

I sighed as my eyes fixated the candles. Never again. If the world is again on the path of a slippery slope, it will be our responsibility to hold against this trend as courageous as we are able to. As God commands us: “Be strong and courageous; do not be frightened or dismayed, for the Lord your God is with you wherever you go.” (Joshua 1:9)


(1) NY Times

The New Colossus revised

Four years ago we chose the US as our new home and left Germany. Our four kids were uprooted, family and friends left behind as we felt drawn to become part of the US as the largest immigrant nation of this world. What brought us here was not fleeing from a high crime rate in our homelands or to seek riches for ourselves, but the spirit of freedom, opportunity and equality we felt drawn to like many others, who are seeking a new life in this multinational  and -ethnic nation.

But the tide is turning quickly as this nation seems to undergo a massive political shift. While Germany learning from its Nazi history tried to become a welcoming nation during the 2015 refugee crisis, the US is closing its borders with its leader tweeting about rising criminality in Germany. If only one might check the facts! The criminality rate has gone down by 9.6 % and Germany is heavily trying to integrate the welcomed refugees.

What has happened to the Great Nation we sought as our new home only four years ago? The history of Germany teaches us wisely: We once had borders closed. Our leaders circulated fake facts. People were demised and humiliated, spat on because of their skin color and religion. Children ripped out of the hands of their parents, separated and traumatised. The Nazi regime orchestrating this and other uncountable evils lead to the greatest disaster of humanity. It is a very dangerous path to go down.

A lament of rewriting Emma Lazarus famous poem is the only thing that can slip from my lips as I look at the Statue of Liberty on the shores of New York.

„Hold back, ancient lands, your worried masses!“ cries she
With bitter thin lips. „Give me your money, your knowledge,
Your small numbers of rich yearning to act free,

The white upper class of your fruitless shore.
Send these, the powerful, richly abundant to me:
I lift my lamp only for them beside the golden door.“

If Miss Liberty would be able to move… the torch in her hand would fall out of her grip as she witnesses the destruction of the great American vision of freedom, opportunity and equality for all. The only thing she can do is silently weep in the captivity of her congealment.

2016-06-25 12.30.01

Free to love another

Loud pop music greeted us as we entered a small Irish pub in downtown Washington, D. C. Four women were on the seek for some good food and a place to enjoy time with one another. It seemed oddly fitting for us to choose exactly this location as a diverse group of women, who found friendship through a shared passion – the passion to proclaim the commandment to love neighbor and self in a public way as Jesus had asked his disciples.

The doctorate “Public Engagement” at the Wesley Theological Seminar (Washington, D.C.) had made our lives paths cross in an unexpected way. Maybe without Gods providence we would have never met one another. The communities we come from are very different and even if it hurts, to write this, in the United States these “social bubbles” might not interact as eagerly as one might wish.

But God has provided us a beautiful friendship, binding together in love and respect a Korean-American Methodist Minister, a African-American Church of Nazarene Minister, a Latina-American Methodist Minister, and a German Lutheran Pastor. It is this friendship that was formed early on in the course, which gave me the greatest lesson I could ever learn: that we are free to love another. We don’t need to stretch ourselves out of shape in order to love the other person, but if I accept my neighbor in his neighborliness I am able to find myself as a human being God the creator has made. By hearing their story, sharing our lives with one another, crying, celebrating, and just being there for one another. It is such a gift and privilege, because I can be, who I am. A German Lutheran, who carries the burden of the troublesome German past, and tries in her humanly ways to influence the the present and future driven by Gods love.

2017-05-17 18.36.18-1

It is in Howard Thurman I have found an exceptional theologian and mystic, who was able to put the experience I am making into beautiful words (please note that when he writes about male, I am freely contacting female as well!):

“The religious experience as I have known it seems to swing wide the door, not merely into Life but into lives. I am confident that my own call to the religious vocation cannot be separated from slowly emerging disclosure that my religious experience makes it possible for me to experience myself as a human being and thus keep a very real psychological distance between myself and the hostilities of my environment. Through the years it has driven me more and more to seek to make as a normal part of my relations with men the experiencing of them as human beings. When this happens love has essential materials with which to work. And contrary to the general religious teaching, men would not need to stretch themselves out of shape in order to love. On the contrary, a man comes into possession of himself more completely when he is free to love another.”

(Howard Thurman, The Luminous Darkness, New York 1965, p. 111.)

“Message in a book”

Soft and mild wind helped to ease the hot summer air. I was sitting on our patio listening to the song of cicadas as I opened my newest book purchase: A 40-Day Journey with Howard Thurman. With the school break and business slowing down even in New York it was the perfect time to start a spiritual journey.

There could have not been a better person than Howard Thurman to start with as a guide. Since a few months studying as a German Lutheran at Wesley Theological Seminary for my D. Min. I am increasingly emerged into the complexity of Racism and White Supremacy in the United States. A problem, which I growing up in Germany was not aware in its depth and brutality. Thurman, as I quickly discovered, offers a way to combine faith and social action, religion and politics by giving examples from his own upbringing and situation in a deeply divided south.

As I opened the first page of the "used book in good condition", as the seller had described it, a small handwritten note fell into my lap. This was not a "message in a bottle", but a "message in a book", that was carried to me on the waves of transport through the American Postal Service.

2017-08-11 11.42.02

With awe I read the anonymous penciled down message. The handwriting flowing over the page as if the words were spilled deeply out of a broken heart:

"When I dropped out of college, for weeks I didn't tell my parents. I just would be told I was a failure. I didn't want to disappoint my parents, my grandparents and my extended family. I don't recall calling on God to help me through this dark time. I probably felt I deserved all of it. Feelings and guilt and shame for not trying harder and sticking with it. I had quickly shed my faith after leaving home for college and avoided asking for guidance and help from God. I had better things to do than pray, " The last word was erased. Then my contact to the anonymous writer broke off completely.

My heart immediately burned for this stranger, who had experienced so much troubles. Was he able to make his way into a better and positive life? And more importantly: Was he able to find his way back into Gods loving arms? I would never know.

As our brief journey ended with the last hastily pencilled word, mine would just begin. The writings of Thurman I read up to now are an eye opener to understand the brutal make-up of a country I love since childhood. A country deeper divided by racism and skin color than I ever could imagine in my deepest nightmares. As I go on a 40-Day journey with Thurman to discover faith and love beyond color and race, my prayers will accompany the writer of this message in my book. May God show him the beauty in his broken-made-beautiful life.