Von Pandemien und geschichtlichen Lektionen

Trotz der hochsommerlichen Temperaturen lief mir ein eiskalter Schauer den Rücken herunter während ich voller Unglauben den Worten Trumps zuhörte. Normalerweise mied ich FOX News, doch dieser Sonntag zog mich und viele andere magisch vor den Fernseher. Chris Wallace, Moderator von FOX News Sunday, befragte den Präsidenten auf viele für seine Amtszeit relevante Themen. Die Unterhaltung führte schnell auf das brennende Thema der Pandemie. Selbstbewusst äußerte Trump, dass die USA eine der niedrigsten Mortalitätsraten der Welt habe. Auf Widerspruch des Moderators hin bat Trump sein Team um einen aktuelle. Ausdruck mit den neuesten Zahlen, die dem Weißen Haus vorlagen. Innerhalb von Augenblicken händigte eine Mitarbeiterin dem Präsidenten einen in großem schwarzen Lettern gestalteten Ausdruck. “Sehen Sie!”, sagte er während er stolz mit dem Zettel wedelte, “Ich habe recht!”

Laut eines Berichtes der New York Times hingegen haben die Vereinigten Staaten von Amerika die acht höchste Mortalitätsrate aller vom Coronavirus betroffener Länder. Eine orwellianische Situation sondergleichen offenbarte sich in diesem Interview vor meinen Augen, in der Wahrheit durch die Person im höchsten US-amerikanischen Amt passend gemacht wurde.

Das Interview zeigte wie kein zweites, mit welcher Ruchlosigkeit und kalkuliertem Umgang mit falschen Informationen die gegenwärtige Regierung versuchte, ihren eigenen Fall zu verdecken und als Sieg über einen unsichtbaren Feind zu maskieren. Doch selbst der Rahmen des sonst so Trump-freundlichen TV-Senders konnte dies nun nicht mehr verdecken und war für eine noch breitere Masse offenbar geworden.

Während sich Trump im Interview nervös von einem Thema zum nächsten hangelte, wanderten meine Gedanken in ferne, längst vergangene Jahrhunderte, in der schon einmal eine Seuche das die Machtverhältnisse von Mächten verändert hatte:

Unter Kaiser Justinian (527–565) war eine Pandemie ausgebrochen, die in Ägypten ihren Ursprung genommen hatte, dann 542 Konstantinopel erreichte und sich danach im gesamten Mittelmeerraum verbreitete. Die sogenannte Justinianische Pest rief eine Hungersnot und unglaubliches soziales Elend hervor, an die mich in USA die Auswirkungen der gegenwärtigen Pandemie in besorgniserregender Weise erinnern.

Klaus Bergdolt beschreibt in seinem Buch “Der schwarze Tod Europas” (1):

Wir wissen heute, daß die Justinianische Pest unabsehbare politische Konsequenzen hatte. […] Pest und Politik bildeten zur Zeit der Völkerwanderung zeitweise zwei Seiten einer Medaille.

Klaus Bergdolt: Der schwarze Tod Europas: Die große Pest und das Ende des Mittelalters, München 2003, 5. Auflage, S. 16.

Daher ist es für mich kaum verwunderlich, dass auch in den Vereinigten Staaten von Amerika Politik und Pandemie eine enge und durchaus makabere Verbindung eingegangen sind, indem das Agieren mancher Politiker wenig Sorge um die Betroffenen trägt als um den eigenen politischen Erfolg und das persönliche Fortkommen.

Und es geht in den USA um nichts weniger als um die Gestalt einer ganzen Nation. Ibram X. Kendi hebt hierbei hervor:

Ich denke, Amerikaner müssen entscheiden ob diese Nation eine multikulturelle Nation ist oder nicht. […] Wir haben noch nicht entschieden, als Staat, nicht einmal als Progressive und Liberale, ob wir eine multikulturelle Nation oder eine monochrome Nation sind.

Daniel Bergner, Whiteness Lessons, The New York Times Magazine, July 19, 2020, p. 50.

Das Beispiel der Justinianischen Pest zeigt deutlich, dass Pandemien Machtverhältnisse verändern und sogar Imperien, die Menschen ausbeuten und ihren Reichtum auf den Schultern anderer aufbauen, in die Knie zwingen können. Es sei an dieser Stelle deutlich hervorgehoben, dass wir gegenwärtig noch nicht das gesamte Ausmaß der Pandemie, ihre zukünftigen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, einzelne Länder oder die Gestaltung des globalen Machtverhältnisses absehen können. Für mich aber bleibt auf dem geschichtlichen Hintergrund ein Hoffnungsschimmer am Horizont der Pandemie: dass die wahre Agenda der jeweiligen Regierung entblösst wird und unter Umständen einem Wechsel zum Besseren weicht.

Hoffentlich ist dies nicht zu spät für eine Weltmacht, die sich über Jahrzehnte als Hüterin der Demokratie und Menschenrechte versteht, und gezwungen wird sich ehrlich mit ihrer eigenen gebrochenen Existenz auseinanderzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass sie dann endlich ihren selbstgegebenen Idealen von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück für alle gerecht wird.


(1) Klaus Bergdolt: Der schwarze Tod Europas: Die große Pest und das Ende des Mittelalters, München 2003, 5. Auflage.

Waffen der Gerechtigkeit

Es war wie ein New Yorker Tag aus dem Bilderbuch mit einem strahlen blauen Himmel. Ein leichter Wind wehte wohltuend durch die Häuserschluchten und erfrischte mich beim Gehen trotz der hochsommerlichen Temperaturen. Sie die berühmte 5th Avenue, auf der es von Fußgängern und dichtem Verkehr immer nur so wuselte, war fast ausgestorben. Die meisten Luxusgeschäfte, in der die Reichen und Sternchen dieser Welt ihren Kaufgelüsten nachgingen, waren geschlossen. Manche waren immer noch seit dem Beginn der Unruhen vor einigen Wochen mit Sperrholzplatten vernagelt.

Während PRADA & Co. und deren kaufkräftige Kunden nun ins “pademie-sichere” Online-Geschäft migriert waren, ringt die USA mit diesem Dämon, der aus dem Ringen nach Profit, Konsum und Eigensucht geboren worden war: der Marginalisierung und Ausbeutung von Menschenleben und konkreten gesellschaftlichen Schichten.

Ich kehrte dem PRADA-Geschäft und seiner teuren Auslage den Rücken und konzentrierte mich auf den leuchtend gelben Schriftzug vor mir auf der 5th Avenue, der mir tröstend in großen Lettern BLACK LIVES MATTER entgegen strahlte.

BLACK LIVES MATTER, 5th Ave zw. 56. und 57. Street
BLACK LIVES MATTER, 5th Ave zw. 56. und 57. Street

Donnerstag vor einer Woche (9. Juli) hatten namhafte Vertreter New York Citys zusammen mit Bürgermeister Bill De Blasio vor Trump Tower diesen leuchtend gelben Schriftzug eigenhändig aufgezeichnet. Jeder Besucher und Bewohner dieses Luxusgebäudes auf einer der teuersten Straßen der Welt würde sich nun nicht mehr der “Black Lives Matter”-Bewegung und ihrem mahnenden Ruf gegen systemischen Rassismus entziehen können. Just nach Bekanntgabe des Plans sprach Präsident Trump via Twitter von einem Symbol des Hasses und einer Verunglimpfung der Luxusstraße. Eine Reaktion, die die Zeichenhandlung gegen ein ungerechtes kapitalistisches System nur noch mehr unterstrich.

Trump Tower, 5th Ave
Trump Tower, 5th Ave

Die Anbringung des Schriftzuges durch Vertreter New York Citys und Bürgermeister De Blasio erinnern mich an eine Reihe von Propheten, die die Botschaft Gottes durch ihre Handlungen sichtbar und erfahrbar werden ließen. So wird zum Beispiel von Jesaja berichtet, dass er drei Jahre nackt in Jerusalem herumgelaufen sei (Jes 20,3). Die Zeichenhandlungen der biblischen Propheten reichen von Haarescheeren (Ezechiel), über die Auferlegung eines Jochs (Jeremia) bis hin zur Heirat einer Prostituierten (Hosea) und Benennung von Söhnen mit Symbolnamen (Jesaja und Hosea).

Propheten waren dazu berufen, Gottes Botschaft zu den Menschen zu bringen und auf Ungerechtigkeiten in Gesellschaft und Politik hinzuweisen. So nahm der Prophet Amos kein Blatt vor den Mund als er auf die sozialen Zustände seiner Zeit hinwies und die Frauen der damaligen Oberschicht als “fette Kühe” bezeichnete, deren Familien aufgrund der Ausbeutung von niederen Gesellschaftsschichten zu ihrem Wohlstand und Reichtum gelangt waren:

Hört dies Wort, ihr fetten Kühe auf dem Berge Samarias, die ihr den Geringen Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringt her, lasst uns saufen! Gott der Herr hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe, es kommt die Zeit über euch, dass man euch herausziehen wird mit Angeln und, was von euch übrig bleibt, mit Fischhaken. Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinausmüssen, eine jede vor sich hin, und zum Hermon weggeschleppt werden, spricht der Herr.

Amos 4,1-3

Die prophetische Tradition die Wahrheit Gottes und dessen Wunsch nach einer gerechten Gesellschaft auszusprechen und nicht vor den Zentren der Macht noch deren Vertretern in Gesellschaft und Politik zurück zu schrecken, ist ebenso bei Jesus vorzufinden. Er scheute sich nicht vor Diskussionen mit Entscheidungsträgern und lies das Reich Gottes Realität werden, indem er Kranke heilte, Ausgestoßene Aufmerksamkeit und Straftätern eine Möglichkeit zur Rückkehr gewährte. Dabei wartete er nicht auf den Beschluss eines Gremiums noch seiner Jünger, sondern wendete sich denen am Rand der Gesellschaft Befindlichen zu. Den Schwächsten und Bedürftigen. Dies gab er auch seinen Jüngerinnen und Jüngern als Richtschnur für ihr eigenes Handeln auf.

Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Mt 25,35-36

Weiterverfolgen können wir diese Tradition beim Apostel Paulus, der in seinem ersten Brief an die Korinther darauf hinwies, dass wir als Gemeinschaft ein Ganzes darstellen. Hierfür nutzte er das verständliche Bild des Leibes. Jeder hat sicherlich schon einmal erlebt, dass ein Körperteil erkrankt war und dadurch die ganze Person leiden musste. Diese Gesamtheit lässt sich ebenso auf gesellschaftliche Strukturen übertragen (1. Kor 12,26). Martin Luther King Jr. aktualisierte diesen Gedanken in einem fiktiven Brief des Apostels an amerikanische Christen, den er am 4. November 1956 neun Tage bevor der oberste amerikanische Gerichtshof die Segregation im Bustransport Alabamas als verfassungswidrig erklärte:

Der Missbrauch des Kapitalismus kann auch zu tragischer Ausbeutung führen. Dies ist in eurer Nation so oft passiert. Sie sagen mir, dass ein Zehntel der Bevölkerung mehr als vierzig Prozent des Reichtums kontrolliert. Oh Amerika, wie oft hast du den Massen das Nötigste genommen, um den [höheren] Klassen Luxus zu geben. Wenn ihr eine wahrhaft christliche Nation sein wollt, müsst ihr dieses Problem lösen. […] Ihr könnt im Rahmen der Demokratie arbeiten, um eine bessere Verteilung des Wohlstands zu erreichen. Ihr könnt eure mächtigen wirtschaftlichen Ressourcen nutzen, um die Armut vom Erdboden zu wischen. Gott hatte nie vor, dass eine Gruppe von Menschen in überflüssigem, übermäßigem Reichtum lebt, während andere in bitterer, tödlicher Armut leben. Gott beabsichtigt, dass alle seine Kinder die Grundbedürfnisse des Lebens haben, und er hat in diesem Universum “genug und teilbares” für diesen Zweck gegeben. Deshalb fordere ich euch auf, die Kluft zwischen bitterer Armut und überflüssigem Reichtum zu überwinden.” (1)

Martin Luther King, Jr., Pauls Letter to American Christians

Unglaubliche 64 Jahre später, ringt die USA immer noch um ein gerechtes gesellschaftliches System, das durchwoben ist von einer Benachteiligung gegenüber farbigen Bevölkerungsgruppen und anderen Minoritäten am Rande der Gesellschaft. Es bedarf daher vieler mutiger Personen, die in prophetischer Tradition gegen diese Ungerechtigkeiten aufsprechen und ihre Stimme für die erheben, die keine Stimme haben. So wie dies gegenwärtig durch die Bewegung “Black Lives Matter” geschieht. Ein biblische Erbe das Christinnen und Christen mutig annehmen sollten.

Eine Person äußerte mir gegenüber letztens ihre Erleichterung, dass Deutschland nicht mit den amerikanischen Problemen des Rassismus behaftet sei. Das ist zu einfach gedacht. Rassismus ist eine gesellschaftliche Realität in Europa. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Antisemitismus als dessen häretischer Zwilling unglaubliches Leid über Deutschland, Europa und weite Teile der westlichen Welt gebracht hat. (2) Während ich sprachlos in den Telefonhörer starrte und die Worte der Person ungehört an mir herunter perlten, zogen mich meine Gedanken in die Zeit des Nationalsozialismus: Was wäre gewesen, wenn man damals mutig aufgestanden wäre als Christen und als Kirche und vor die damaligen Zentren der Macht als deutsches Pendant “Jüdisches Leben Ist Wertvoll” oder den Anglizismus “Jewish Lives Matter” geschrieben hätte? Stattdessen wählten die großen Kirchen den Weg in die Mittäterschaft und unterstützten das mörderischste Hasssystem der Welt in seiner menschenverachtenden Politik. Gerade deshalb geht es Christ*innen in Deutschland besonders an! Sie müssen sich verpflichtet fühlen zu dem Jahrtausende alten Ruf der Propheten, der gegen Ungerechtigkeit von Benachteiligten und Menschen an den Rändern unserer Gesellschaft aufspricht. Weil andere Minoritäten sich in sozialer und finanzieller Not befinden, könnte zum Beispiel auch andere Rufe laut werden, wie…

“Jewish Lives Matter”

oder “Sinti Lives Matter”

oder “Homeless Lives Matter”

oder “Female Lives Matter” und so viele mehr.

Ich träume von einer Kirche, die dem prophetischen Ruf Gottes folgt und tief in der Beauftragung Jesu Christi verwurzelt ist. Je mehr diesem Ruf folgen, umso größer wird das Reich Gottes bereits in dieser Welt. Ein Vorgeschmack auf den Himmel und wie Gott sich unsere Welt erhofft.


(1) Originaltext: “The misuse of Capitalism can also lead to tragic exploitation. This has so often happened in your nation. They tell me that one tenth of one percent of the population controls more than forty percent of the wealth. Oh America, how often have you taken necessities from the masses to give luxuries to the classes. If you are to be a truly Christian nation you must solve this problem. You cannot solve the problem by turning to communism, for communism is based on an ethical relativism and a metaphysical materialism that no Christian can accept. You can work within the framework of democracy to bring about a better distribution of wealth. You can use your powerful economic resources to wipe poverty from the face of the earth. God never intended for one group of people to live in superfluous inordinate wealth, while others live in abject deadening poverty. God intends for all of his children to have the basic necessities of life, and he has left in this universe “enough and to spare” for that purpose. So I call upon you to bridge the gulf between abject poverty and superfluous wealth.

in: Martin Luther King Jr., A Knock at Midnight, 1998, S. 28.

(2) Auf diese Analogie hatte ich vor einiger Zeit in dem Artikel “Denk ich an Amerika”, Christ & Welt hingewiesen.

Wenn die Ebbe einsetzt…

Die Hitze des amerikanischen Ostküstensommers lähmte meine Bewegungen. Ich hatte mich in eine schattige Ecke unseres Balkons verzogen und betrachtete melancholisch die Bilder unseres Familienurlaubes vor genau einem Jahr. Damals hatten wir im Anschluss an eine Konferenz für EKD-Pfarrerinnen und Pfarrer, die nach Nordamerika als entsandt worden waren, für einige Tage ein kleines Haus am Strand gemietet. Nachdem ich als mitverantwortliche Person diese Konferenz organisiert und geleitet hatte, waren wir froh um die herrliche Ruhe, die Nähe zum Strand und den verlässlichen Rhythmus von Ebbe und Flut.

Ein Ausflug führte uns an einen wunderschönen Strand bei Bodega Bay, Sonoma County, der direkt an der Migrationsroute von Grau- und Blauwalen lag. Der kleine Strandabschnitt schmiegte sich sanft in eine Bucht und gab unseren Kindern die Möglichkeit auf samtweichen, hellgelben Sand spielen zu können. Mit dem Einsetzen der Ebbe wurden immer mehr Teile des Strandes sichtbar, die vorher vom Wasser verdeckt worden waren.

“Wenn das Wasser geht, werden nach und nach Dinge aufgedeckt, die man vorher so nicht wahrnehmen kann”, schoß es mir durch den Kopf, während ich den Verlauf der Küste auf dem Bild nochmals mit den Augen verfolgte. Bei diesem Gedanken stockte ich plötzlich. Das kam mir auf einmal sehr bekannt vor.

Gezeiten spielen bei Warren Buffet, einem US-amerikanischen Investor und drittreichstem Mann der Welt, im Zusammenhang von ökonomischen Betrachtungen eine interessante Rolle. In einem Brief an Aktionäre von Berkshire Hathaway hatte er im Februar 2008 ein interessantes Bild zur Verdeutlichung von ökonomisch schwierigen Zeiten und deren Auswirkungen verwendet. Hier schrieb er:

It’s only when the tide goes out that you learn who’s been swimming naked.

(Übersetzung: “Erst wenn die Flut geht, sieht man, wer nackt geschwommen ist.”)

Warren Buffet, Letter to Berkshire Hathaway shareholders, Feb 2008

Nun war mit der Pandemie weltweit in vielen Ländern eine wirtschaftliche Ebbe eingetreten. Nicht einmal während der Weltwirtschaftskrise von 1929 waren in den USA so viele Menschen arbeitslos wie in diesem Jahr aufgrund der Auswirkungen der Pandemie. Kein Bereich des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ist davon verschont. Auch nicht die Glaubensinstitutionen – oder sollte ich schreiben, gerade sie?

Wenn die ökonomische Ebbe einsetzt, sieht man deutlich, wie es um eine Institution, ein Unternehmen, eine Kirche und andere wirklich gestellt ist. Zwei Mal habe ich diese grundlegende Erfahrung als Pfarrerin sammeln müssen. Das erste Mal im Rahmen meines Dienstes in der Church of Scotland als die amerikanische Immobilienblase 2007 zu einer Wirtschaftskrise führte. Damals begleitete ich eine Gemeinde, die aus drei ursprünglich eigenständigen Gemeinden in eine zusammengefasst wurde, und mehrere ihrer Kirchengebäude zu veräußern, um überlebensfähig zu bleiben. Heute erlebe ich den unbarmherzigen Zusammenhang von Finanzen, Weltkrise und Kirche in meinem Dienst als Auslandspfarrerin in einer Gemeinde in New York, die sich zum allergrößten Teil nebst meines Gehaltes selbstfinanzierten muss.

Beide Gemeinden unterscheiden sich nicht nur durch ihren geografischen Ort signifikant, sondern ebenso durch Aufbau und Struktur. Erstere war eine Inselgemeinde mit überschaubarem Einzugsbereich und kleiner, über Jahrzehnte und manchmal Generationen verbundenen Mitgliedern. Zweite hingegen hat einen Einzugsbereich, der ungefähr dem Frankens gleicht, wobei jährlich im Sommer mindestens die Hälfte der Mitglieder durch Zu- und Wegzug von Expats (1) ausgetauscht wird.

Und dennoch hat sich bei beiden beim Er- und Durchleben einer ökonomischen Ebbe eines aufgezeigt: dort, wo Kirche für andere da ist, wo sie Heimat ist und sich um die in Not Geratenen kümmert, mag sie vielleicht ökonomisch “nackt” sein, aber immer wieder auf ihre Füße kommen. Eine solche Kirche bzw. Glaubensgemeinschaft macht das Rückgrat und Zentrum unseres Glaubens transparent : Die Sorge um den Nächsten, wie sie von Jesus gelebt wurde und uns Christen aufgetragen wurde, wird hierdurch erfahrbar.

Kirchen hingegen, die sich mehr um die auf einmal verspürte “Nacktheit” gekümmert haben, in stundenlangen Gremiumssitzungen diese Probleme betrachteten, lange und komplexe Statements ohne Taten verfassten, kamen in einer ökonomischen Ebbe nur schwer wieder auf die Füße.

Ich kann gut verstehen, dass die nicht nur in Deutschland eingetretenen Austrittszahlen verängstigen. Umso wichtiger ist es, dass sich Kirche und Glaubensgemeinschaften als relevant und nah zeigen – genau dort, wo unser Nächster unsere tatkräftige und unbürokratische Hilfe in Notzeiten benötigt. Dies kann sich in sehr unterschiedlicher Weise ausgestalten – ich möchte den Leser und die Leserin dabei nicht in eine gedankliche Enge führen. Eines aber würde ich mir sehr wünschen: dass wir uns zu unserem bedürftigen Nächsten tatkräftig auf den Weg machen, damit Kirche mitten in einer ökonomischen Ebbe dem Ruf Jesu nachkommen kann.

Wir sollten es trotz all der Angst vielleicht auch als Chance begreifen, die uns zu unserem “nackten” Selbst als Kirche wie Christus uns berufen hat, zurückführen könnte.


(1) Fach- oder Führungskraft, die von einer international tätigen Organisation im Rahmen einer Auslandsentsendung vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird.

Amerika im Ausverkauf

Ich schob meinen Einkaufswagen durch das immer noch ungewohnte Labyrinth von Einbahnstraßen. Alltägliches wie der Samstagseinkauf im Supermarkt war einer neuen Realität gewichen. Regale waren ausgedünnt und in weiterem Abstand voneinander platziert worden, um den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen genüge zu leisten. Ein “Einbahnsystem” vergrößerte das Gefühlt trotz allem einen sicheren Einkauf mitten in der Pandemie tätigen zu können.

Nachdenklich schob ich die wertvolle “Essensfracht” gen Kasse als mir ein Luftballon in Herzform und amerikanischer Fahne in einem Regal auffiel. Dahinter prange auf rotem Hintergrund in großer Schrift ein Ausverkaufsschild. Welch ironisch passendes Bild an einem Tag wie dem heutigen während die Nachrichten über ein Land hereinbrechen, das sich als führende Weltmacht und Verteidigerin der Demokratie versteht. Nun aber ist es weltführend im Ausbruch des Coronavirus und dem Zusammenbruch seines eigenen Justiz- und Wertesystems. “Amerika befindet sich im Ausverkauf”, schoß es mir unweigerlich beim Anblick der Supermarktauslage durch den Kopf.

Amerika im Ausverkauf
Amerika im Ausverkauf

Laut New York Times (Stand 11. Juli 2020) wurden über 3,199,700 Personen in den USA mit COVID-19 infiziert, wobei mehr als 133,900 an dem tückischen Virus verstarben. Nachdem viele US-amerikanische Staaten meinten, sich zwischen einer florierenden Wirtschaft und dem Sieg gegen das Virus entscheiden zu müssen, schoben viele Staaten Sicherheitsvorkehrungen beiseite und öffneten ihr gesellschaftliches und ökonomisches Leben vorzeitig. Sie führen nun die Statistik in besorgniserregender Weise an.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich Menschenleben und -schicksale, die allesamt durch das Versprechen der USA miteinander verbunden sind. Generationen von Migranten hat es und führt es immer noch im Sehnen nach einem besseren, gerechteren Leben in die “Neue Welt”. Diese Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft spiegelt sich in den Worten der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 wieder, denen sich alle US-Bürger*innen verpflichtet wissen. Diese Erklärung hatte sich gegen eine Kolonialmacht und deren Ausbeutung gestellt und besagt, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden und von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten, wie Leben, Freiheit und dem Streben nach Glückseligkeit ausgestattet sind. (1) Damals waren diese für „weiße“ Männer mit signifikanten Besitz geschrieben worden. Trotz der ursprünglichen Intension bergen die Worte der Unabhängigkeitserklärung den wichtigen Schatz der Gleichheit und Freiheit in sich, die entdeckt bzw. wiederentdeckt werden sollten.

Doch die Pandemie legt die wahre, aktuelle Struktur dieses Landes bloß: Es ist gegenwärtig regiert und dominiert von Personen, die dem Kapitalismus und dem Eigengewinn mehr Gehör schenken als den Bedürfnissen und Nöten der Nächsten. Gleichzeitig erodieren juristische Werte und Grundbeschaffenheiten, die die grundsätzlichen Versprechen der Unabhängigkeitserklärung nicht nur widersprechen, sondern mit ihr brechen. Die Reduktion des Strafmasses von Robert Stone, des ehemaligen Beraters und Freundes Donald Trumps, ist der letzte Ausdruck eines Ausverkaufs Amerikas. Die ehemals führende Industrienation befindet sich im Ausverkauf zu Gunsten einer kleinen profitierenden Schicht, deren Seilschaften und Verflechtungen gegenwärtig stärker sind als das demokratische System. Es bleibt zu hoffen, dass Amerikas Bevölkerung erwacht und die Macht der Basisdemokratie als Chance und Waffe gegen Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Marginalisierung von Bevölkerungsgruppen zugunsten weniger wiederentdeckt.

“Excuse me, Ma’am!” raunte eine ältere Dame mir entgegen während sie versuchte, ihren Einkaufswagen an mir vorbei zur Kasse zu manövrieren. Ich schob hastig meine Fracht zur Seite, um ihr Platz zu machen. Als ich über die Schulter blickte, hatte sich das amerikanische Luftballonherz vor das Ausverkaufsschild geschoben und damit verdeckt. Ich hoffe sehr, dass Amerika in den kommenden Monaten auf dem Weg hin zu einer Neuwahl sein eigentliches Herz wiederentdeckt, das besonders stark für eine Gleichheit aller schlagen sollte.


(1) Declaration of Independence, 1776: “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Stürmische Zeiten

Ausdauernd prasselte Regen auf die Dachfenster des Pfarrhauses während sich der Rhythmus der Regenbänder immer schneller wurde. Ich starrte nachdenklich aus dem Fenster und sah den ersten Ausläufern des tropischen Sturmtiefs zu, das im Laufe des Tages in rotierenden Regenbändern eine signifikante Menge an Niederschlag und bis zu 50 miles/h an Winden mit sich bringen sollte.

Seit Monaten fühle ich mich wie von einem großen, andauernden Sturm erfasst. Corona, Rassenunruhen, Polizeigewalt, Kampf gegen Armut und Hunger… Wie in einem immer währenden Zyklus kreisen diese Traumata wie gegenwärtig der tropische Sturm Fay über der Metropolregion New York und der gesamten USA. Es gibt Phasen, an denen meine Nerven sehr strapaziert sind. Nicht selten frage ich mich, ob meine Schlechtwetterkleidung als Pfarrerin, die vor allem aus einer tiefen Verwurzelung im Glauben besteht, ausreichend ist.

Søren Kierkegaard wies in seiner Auslegung von Mt 11,30 auf die besondere Kraft des Glaubens hin, der in angeblich unmöglichen und aussichtslosen Situationen die Perspektive nicht verliert. In der Bibelstelle betont Jesus, dass sein Joch sanft ist und seine Last leicht. Während viele diese Aussage als ein Paradoxon bezeichnen würden, weißt Kierkegaard auf das Vorbild des Kreuzes hin, die alle menschliche Logik auf den Kopf stellt und aus dem angeblichen Scheitern den Sieg Gottes macht.

Klugheit erreicht oft in Zeiten der Not ihre Grenzen. In diesem Moment sehe ich aus meiner eigenen Erfahrung, dass die Kraft des Glaubens beginnt. Kierkegaard schreibt:

Wenn die Klugheit in der dunklen Nacht des Leidens keine Handbreit vor sich sehen kann, da kann der Glaube auf Gott sehen; denn der Glaube sieht am besten im Dunkeln.

Søren Kierkegaard, Zwölf Reden, Halle 1886.

Gerade in dieser dichten und schwierigen Zeit des Auslandspfarramtes erlebe ich genau dies: Ich spüre die richtungsweisende Kraft des Glaubens in dieser dunklen Zeit, die mir andauernd zuspricht, die Hoffnung nicht zu verlieren und weiter in dem voranzuschreiten, was für uns Christen zentral ist: Unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst.

Dies bedeutet in stürmischen Zeiten wie diesen im Auslandspfarramt neben den klassischen Tätigkeiten wie Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindearbeit mich noch stärker für die Speisung einer stetig wachsenden Zahl von Bedürftigen zu widmen, einem deutlichen Aussprechen gegen Rassismus und Antisemitismus, aber auch der Polizeiseelsorge zu engagieren. Und hätte ich, mit Paulus gesprochen, meinen Glauben nicht, so wäre ich nichts.

Stürmische Zeiten bringen uns an die Grenzen unserer Kräfte, aber sie zeigen uns auch in bewegender Weise die Wichtigkeit des Glaubens auf, der im Dunkeln am besten sieht.

Grief piece by piece

“YES!” The small piece made a clicking sound as it found its place in the new jigsaw puzzle. It continuously took shape on the table of our sitting room leaving only a small space for other objects like a cup of milky tea. The fire was crackling in the back ground as I crouched over the mysterious picture slowly taking shape in front of me. The colorful and comic like drawing amused me as one piece after the other found its place. The displayed humor fit perfectly to the memories rising up from the depth of my soul like warm bubbles as every new puzzle piece clicked into its place.

Puzzling accompanies me and my family now almost a year. Presently, it is a sign of grief and remembrance as I feel drawn closer to one of the dearest people in my life, who I had lost too early and too quickly almost a year ago.

Just three weeks before his sudden passing away, we had spend a lovely holiday together. As we puzzled hours after hours, we talked a lot and just marveled at the gift of time, friendship and the deep connection we felt. Each time a puzzle piece found its place, he smiled accompanying it with a loud “YES!!!”. His voice still rings in my ears. As I repeated this gesture many times, yes thousands of times over the last year, it makes me feel closer to him. The memories give me strength. Life is different. It is lonely at times. His passing away has left a hole in my heart. But I have to honor his memories and his life as he is and will be an inspiration: No other person have I ever met was grounded so deeply in faith and loved so kindly beyond boundaries.

Grief is a difficult thing. I know that as a pastor as I have accompanied so many. I know it personally as I have lost numerous people dear to me. Grief needs different expressions. Mine is puzzling and evoking precious memories piece by piece.

If you out there are grieving, please be reminded that God loves you. May the memories of the loved one fill your heart and being with joy until you once meet again in God´s eternity.

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If you are curious about the puzzles, we use: The humorous puzzles are from Wasjig. They are a hilarious piece of art combined with a mystery to solve.

Standing in Solidarity as One

My heart stopped a beat as news poured into my busy day. A synagogue attacked in my home country Germany. The Holocaust memorial I know well desecrated by anti-Semitic hate symbols. Fear poured over me like waves of hurtful remembrance of times we thought were long gone. The nightmare of history repeating itself increasingly haunts my mind.

As I shared this anxiety with a friend, she politely wanted to diffuse my fears through words ascribed to Mark Twain: “History doesn’t repeat itself, but it rimes.” No matter, if it rhymes or repeats in a new version – the reality is a increase of anti-Semitic and racist hate crimes. According to the Southern Poverty Law Center, the number of hate groups across the U.S. has climbed from 954 in the year 2017 to staggering 1,020 in the subsequent year. In Germany the rise of right-winged extremism and hate has significantly risen from 2017 to 2018: a sum of 25.250 citizens have been involved in hate groups, right-winged political institutions and structures. This sum has risen by 100 in the following year according to the governmental organization protecting the German constitution (Verfassungsschutz) .

When I received the invitation to a Interfaith vigil in White Plains, Westchester on short notice, there was no holding back. As a descendant of a Nazi perpetrator and a German citizen I am committed to not hide in fear, but to stand strong against anti-Semitism, racism and other hateful actions against minorities. Yes, my grandfather fought as a marine in Hitler´s army. Yes, my home town had welcomed Julius Streicher and send innocent Jews into the Holocaust. Those opposing these hateful actions, went into hiding or out of fear. Numerous in contrary became part of a cheering crowd welcoming Hitler.

It is this legacy of remembrance, which drives me as I will not be silenced, driven into hiding because of fear or even changed to join a criminal group, which does not see all humans as the images of God.

The German Lutheran Theologian Martin Niemöller once put it into fitting words:

First they came for the socialists, and I did not speak out—because I was not a socialist.
Then they came for the trade unionists, and I did not speak out— because I was not a trade unionist.
Then they came for the Jews, and I did not speak out—because I was not a Jew.
Then they came for me—and there was no one left to speak for me.
” (1)

His question is vital and real for anyone of us. Systems of hate gradually and first silently build up. As they do not face backlash, they will spread their evil influence in a increasing manner. As the US is becoming a Nation, where minorities are becoming the majority (2), numerous Jews came up to thank me for my participation. This gratitude moved me to tears as I as a descendant of a Nazi grandfather shook hand after hand.

After the Interfaith Vigil, I stood at the Holocaust memorial with my colleague Jim O´Hanlon explaining the different mentioned places of horror, which are located in Germany. A lady interrupted our thoughtful exchange and shook our hands in gratitude while explaining that her grandfather had fled Germany due to the Nazi crimes. Her hand was warm and soft as she embraced mine for what felt like a long time. It felt as if she wanted to warm me through her friendly embrace.

I wish, our grandparents would have met in this warm fashion. I wish, my grandfather would have never been part of a Nazi regime that killed millions. As she spoke about her fears pondering if she should go into hiding, I looked firmly into her eyes.

No!

We will not be silenced by hate.

We will not hide driven by fear.

We will stand in solidarity as one with her and any other person, who is targeted by hate.

When they come for you, dear Jewish friend, we will stand strong and will speak justice in the name of the one God, in whose image we are made.

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(1) Gerlach, Wolfgang. And the Witnesses were Silent: The Confessing Church and the Jews . Lincoln, Nebraska: University of Nebraska Press, 2000, p. 47.

(2) Jim Wallis. Christ in Crisis. Why we need to reclaim Jesus. New York 2018, p. 57.

The Nightmarish Reality of Evil Imagination

It may be mentioned beforehand that the author is a animal friendly person. The cause of this blog post is to have a closer look at symbols, their manifestations and dangerous abuse in history to make the reader aware of epistemic dangers.

“… By the way, there is nothing better than a good old fashioned German Shepherd …”

My hands held the remote control in a tight grip as memories flooded into the dark living room as enthusiastically spoken words poured out of the TV.

Vivid memories took ahold of me and in an instance took me back to my ten-year-old self. The trembling of my hands extended into the living room many years later. As I wanted to open the dark and heavy metal garden gate to my late grandfathers house, I halted in an instance as I saw the aggressive German Shepherd speeding towards the gate like a gray-black-and brown lightening bolt. His massive body shook as he let out a deep barks gnashing his huge teeth. I retreated, clinging to my school bag as the German Shepherd rested his muscular paws as a additional sign of aggression on the dark fence while trying to get his teeth into what he perceived to be a dangerous enemy.

My grandfather came running out, calling his “good boy” back to him. The German Shepherds were Opas the whole pride. As they had served a full life in the German Police force, he made it his calling to give them a good retirement in his home. These dogs had many privileges. They sat at the table. Were fed high quality food. Took the best spot on the sofa. And they rewarded my grandfather with unconditional love combined with a aggressive form of protection towards anyone, who seemed to be an enemy.

Opa shook his head as he saw my ten-year-old self shaking heavily. Then he opened the gate while having a good grip on his dog. “He doesn’t mean it. Right, my boy? You are such a good boy!” Only slowly the adrenaline in my body subsided as I entered my grandparents´ home and the smell of homemade German food wove me into a blanket of sweet expectations for a good meal.

“… By the way, there is nothing better than a good old fashioned German Shepherd …”

Other memories flooded my mind as I sank deeper into the sofa. It was last summer, that the sight of German Shepherds at a memorial send shivers of fear down my spine combining the memories of my ten-year-old self with the experiences of those targeted in the protests of the Civil Rights Movement.

The Sculpture in Birmingham, AL, captured the horrible scene of suppression, brutality, and racism in a lively way – warning of instruments of hate. Durning the Birmingham campaign students flooded the prisons, causing the racist police commissioner Eugene “Bull” Connor to turn to a very different tactic as prisons had to be shut down. He used fire hoses and sicced trained police dogs on the “Foot Soldiers” of the movement that had fought for equality and freedom in a world of separation and injustice.

The pictures of the aggressive German Shepherds went around the world. Setting a spotlight on the racial injustice and oppressive system, which could no longer be ignored or downsized. As the obedient dogs did their duties for their masters the heartbeat of the world skipped in grief as once again injustice showed its evil grimace.

“… By the way, there is nothing better than a good old fashioned German Shepherd …”

“The dogs are here at Dora, as in all camps. Held on leashes by their masters, they grow ferociously whenever a prisoner is near. One word or gesture from the SS and the dogs will tear the prisoner apart. They are really more efficient than their masters; a prisoner seeking death could cross the line without worrying too much about a bullet in the back or head, but the dogs are a terrifying, visceral fear.”

Yves Béon, Planet Dora, A Meomoir of the Holocaust and the Birth of the Space age, trans. Yves Béon and Richard Fache (Boulder, Colo.: Westvieew Press 1997), p. 43.

In German concentration camps the German Shepherd was widely used as a guard dog and instrument of horror. While the breed was a relatively recent creation accepted in 1899 by the German Kennel Club, it became the distinctive German breed very popular amongst the Nazi officials. Max von Stephanitz saw his breed as distinctly German. Breeders and owners in other countries venerated the dog for its purity of blood, bravery and loyalty, a dog soldier. This back then much admired breed soon became a symbol for its owners rootedness in Aryanism.

Hitler playing with a German Shepherd
(https://warfarehistorynetwork.com/daily/wwii/the-madman-of-the-mountain-adolf-hitlers-personal-life/)

“The German is a real dog-lover, for it is part of his nature … to enter into the spirit of the Aryan mysticism, which makes us feel at one, interiorly, with clouds, trees, lake and heath, and with all living creation…. This appears in his religious beliefs, for the eagle and the wolf were dedicated to All-Father Wotan, King of Battlefields, Bestower of Victory…. [H]is wolves … roam the battlefields, crouch at his feet, and are cared for by the Lord of the World himself…. [T]wo stones with bason-like hollows were erected to the right and the left of the ancient altars of sacrifice, from which poured the blood of the sacrifice which had been offered in honour of Wotan, so that his wolves could feast on the entrails of slaughtered enemies.”

Max von Stephanitz, The German Shepherd Dog in Word and Picture, 1923.

It must be pointed out, that the German Shepherd itself like most dog breeds follows his instincts of bonding to his owner. As one should maybe discuss at another point the underlying Nazi thoughts the proclaimed scientist and nobel prize winner Konrad Lorenz must have had, it is interesting to point towards the psychological mechanism in bonding between dog and master.

“Lorenz […] explains that a dogs youthful attachment is an important milestone in development, because “love for the mother is transformed into love for the human master. Their main focus was not to be a rampaging killer, but to please their master. By being trained and rewarded in a certain fashion, they became horrible instruments of destruction.”

Robert Tindol, Animals and War, BRILL, 01. Nov 2012, p. 111.

Their actions therefore reflected the intention of their Nazi-Masters, who dehumanized and killed Jews and other incarcerated. The German Shepherd therefore is a specialized example of human cruelty. A pars pro toto for a system of pure evil.

”… By the way, there is nothing better than a good old fashioned German Shepherd …”

Childhood memories , memories of important happenings in the Civil Rights Movement, and memories of the cruelty my ancestry had inflicted on others during the Nazi-terror, hit me with full force as I heard the speech of the President Trump at a rally in El Paso, Texas on Feb 11.

Donald Trump spoke admirably of the German Shepherd in the context of the war on drugs. for him they seemed better weapons than any intelligent machinery. Cold flashes of fear and hot flashes of anger raced through my body as I tried to make sense of the most powerful man of the world talking admirably about a dog, who well through history had become a instrument of fear and destruction. A loyal, unreflected soldier, whose only target is to impress and please his owner, no matter whom might suffer.

The Holocaust, the Civil Rights movement, the many usages for suppression and domination, made the marveling words of Trump into a grotesque scene of simplistic thoughts or even worse: showed a vivid and very well alive expression of “fantastic hegemonic imagination”, which with the Nazi-regime become not only a imagination, but a manifested weapon made out of flesh and blood.

”… By the way, there is nothing better than a good old fashioned German Shepherd …”

In many respects, the German Shepherd is a living and breathing symbol of what Emilie M. Townes calls the “fantastic hegemonic imagination”. A manifested weapon of devoted hate and suppression.

In her book “Womanist Ethics and the Cultural Production of Evil” Emilie M. Townes explores the creation and cultural reproduction of structural evil as it is manifested in public policies and public policy making by highlighting this fact through examples within the US.

“Exploring evil as a cultural production highlights the systemic construction of truncated narratives designed to support and perpetuate structural inequities and forms of social oppression.”

Emilie M. Townes, Womanist Ethics and the Cultural Production of Evil, New York 2006, p. 4.

Townes emphasizes that a passion for justice is not enough, but that we need to become aware of a system in which we all participate and therefore take in injustice through supposedly harmless appearing caricatures and images. She calls this “fantastic hegemonic imagination” (Ibid., p. 113.)

The German Shepherd was certainly for many Nazis a beautiful symbol of domination, superiority, and Aryan strength as we have seen above through the words of Max von Stephanitz. But while Townes refers to symbols like the Black Mammy woven into the conscience of society, this living and breathing symbol goes a step further: the imagination or Aryan-“dream” became a dangerous, complicit, and nightmarish reality for uncounted victims.

The dogs of the camps, after all, did not kill 6 million humans, or even a small fraction of those 6 million. Their handlers, even if they did nothing in the war but train animals, were not quite so innocent.

Robert Tindol, Animals and War, BRILL, 01. Nov 2012, p. 120.

The German Shepherds have been mirrors of their masters evil deeds, who themselves were bound into a demonic system of dominance and destruction.

Is there really nothing better than a good old fashioned German Shepherd? May the people in power choose their words and actions wisely while drawing on life giving imaginations, not manifested weapons of hate.

Forgiveness beyond time and borders

The engines of the small airplane rattled loudly as if they were exhausted from the quick climb through turbulent north sea weather. My eyes fixated the slowly disappearing islands as if they wanted to hold on to them as long as possible. As I admired the beauty of the Orkney islands glistering in the sun, memories of a lifechanging time in ministry flooded my thoughts. I could almost feel the warmth of a nice cup of tea and the overwhelming admiration of the spectacle evolving in front of my eyes as stormy waters crashed over the Churchill barriers. The view of the old Church of Scotland Manse was one of a kind and had left a lasting impression on my mind. Not only because of its unique and spectacular beauty, but more so for me as German minister. Eleven years ago I had been allowed to care for the people of the East Mainland Church of Scotland, over whom and uncounted others my German nation had brought terrible pain and suffering. I very soon in my call learned a very deep and moving lesson of reconciliation and forgiveness.

Churchill Barriers with Kirk Sound and Italian Chapel

Almost every day as I was working in the study of the Manse, my eyes traced the tracks of the life destroying Nazi fleet as it sailed through Kirk sound into the natural harbor of Scapa flow killing brutally quick in an unexpected attack 883 men out of a crew of 1219. As my own German grandfather had served in the Nazi navy fleet, I over and over couldn’t believe that the very same people, who suffered under my nation had welcomed me and my family in such a heartfelt way into their daily life. They soon changed my life’s path forever as grace and forgiveness took hold of my calling as a woman of faith.

As if to make it sink in, I looked at the view unfolding beneath the Manse over and over again. October 14, 1939 was according to a parishioner one of these rare very calm Orkney nights as captain Günther Prien sailed around Kirk Sound into Scapa Flow  as “HMS Royal Oak” lay there on anchor. This well accomplished battleship had fought successfully at the Battle of Jutland in 1916, but by 1939 had not been as versatile as the modern warships of the Kriegsmarine, which were much smaller and faster battle cruisers. As war broke out, the “Royal Oak” had been stationed in Scapa Flow as part of a large naval fleet and it was presumed that it was perfectly safe from any foreign attack. But the starry and calm October night shattered this illusion as torpedoes fired by the German submarine ripped holes into the well accomplished battleship forcing it to sink very quickly. 883 men, amongst them many boy sailors, lost their lives. As disaster and devastation struck their families and Great Britain as a whole, this crime was celebrated as the first big success in Nazi Germany. Today it is one of the largest war graves, reminding everyone of a brutal and destructive Nazi dictatorship. As the commemoration of this brutal event will be marked for the 80thtime in October 2019, this large war grave may warn all nations about the brutality and destruction mankind can bring over one another.

Source: Wikipedia https://en.wikipedia.org/wiki/HMS_Royal_Oak_(08)#/media/File:U-47_raid.svg

It has been this exact spot that had filled my life and identity as a German with a unforgettable lesson of reconciliation and forgiveness as I was accepted as a human being beyond my national identity and once even asked to be part of a service commemorating the lost lives. As prayers and readings filled the small Italian Chapel on Lamb Holm, it was a tender experience of grace that flooded my being and made me understand Paul´s words to the Ephesians in a deeper way (4:31-32):

Put away from you all bitterness and wrath and anger and wrangling and slander, together with all malice, and be kind to one another, tenderhearted, forgiving one another, as God in Christ has forgiven you.

A tender ripple shook the small plane as if to wake me out of my thoughts. I blinked as the beautiful Islands of Orkney disappeared completely under a soft, bright blanket of clouds surrounding me of a warm feeling of thankfulness. The privilege of ministering in Orkney had both gifted me with the beautiful gift grace and had put my determination as a minister on the path of bringing reconciliation and forgiveness into our broken world.

The Sound of Broken Glas under my feet

As my heels touched the sidewalk the sound of broken glas sent a cold shiver down my spine. The words of Ruth Zimbler, who had experienced Kristallnacht  as a ten year old Jew in Vienna, Austria, echoed through my mind: “The sound of broken glas under my feet haunts me every day.”

2018-11-04 09.05.22

Here I stood as a Lutheran pastor in front of our small German Lutheran Church in Chelsea and couldn’t move one bit as the nightmare of the Kristallnacht haunted me in a unexpected way on this bright and sunny Sunday morning. In not even a weeks time it would be 80 years since Germany exploded in an orgy of unbelievable violence. As businesses and synagogues were destroyed. “This night of horror, a retreat in a modern state to the savagery associated with bygone ages, laid bare to the world the barbarism of the Nazi regime. Within Germany, it brought immediate draconian measures to exclude Jews from the economy, accompanied by a restructuring of anti-Jewish policy […]” (1)

It took the Hitler´s regime over five years until it showed its ugly face of destruction and hate to the world. Up to this point hate crimes had been steadily on the rise. The acceptance of these incidences grew into the normality of a steadily increasing number of Nazi-supporters, who were numbed by Hitler´s words and perspectives of work and bread through a increasingly busy rearming economy.

The political underdog Hitler had at last succeeded. After Hindenburg had brought him into office in January 1933, he had steadily built up a system of expansion based on the suffering of millions. His speech in front of SS leaders in early November 1938 had sparked deep hate and named the blameworthy people: Jews, freemasons, Marxists, and the Churches of the world were the enemies of his system of expansion (and mass destruction). Hitler pointed towards the Jewry as the driving opponents against his plans of “German grandness”.

This speech unleashed the terrors of Kristallnacht over Germany and Austria, and marked the official begin of unprecedented suffering and terror. The SS, the fire services, the police and other instruments of law and order, looked the other way – becoming instruments of terror and murder themselves.

The signs had been there from the beginning as Hitler was instated as Reichskanzler bei Hindenburg. Back then, numerous politicians thought, they´d be able to contain him and influence his political actions through a strong system. On his sixth anniversary of his takeover of power, Hitler publicly announced his evil plans to the public, which were received with great joy. The derided prophet had at last succeeded: “I have very often in my lifetime been a prophet,” he declared, “and a mostly derided. In the time of my struggle for power it was in the first instance the Jewish people who received only with laughter my prophecies that I would some time take over the leadership of the state and of the entire people in Germany and then, among other things, also bring the Jewish problem to its solution. I believe that this once hollow laughter of Jewry in Germany has meanwhile already stuck in the throat. I want today to be a prophet again: if the international finance Jewry inside and outside Europe should succeed in plunging the nations once more into a world war, the result will be not the bolshevization of the earth and thereby the victory of Jewry, but the annihilation of the Jewish race in Europe!” (2)

This political speech soon became a bitter reality as slow beginnings and normalization of hate numbed a whole nation. The “derided” prophet had at last succeeded in his evil doings.

May we be warned by history about those, who draw their diabolical strength and dehumanizing power as they gather followers for their evil deeds around them. May we be “upstanders” and not “bystanders”, as Ruth Zimbler had urges us to.

I tried to rub the shattered glas from my heels on the Church entrance, but with every new twist and turn of my foot they had dug themselves deeper into the shoe sole. I halted in my movement. Maybe they would be a fitting reminder for me as a German speaking pastor reminding me of the necessary commitment to stand against any hate crime in action.


(1) Ian Kershaw, Hitler. A Biography, New York 2008, p. 449.

(2) Ibid., p. 469.