Von Cartoons, Müllvermeidung und biblischen Geschichten

Vorsichtig trocknete ich die frisch abgespülten „Druckverschlusstüten“ ab. Aus Übersee hatten wir einige wenige Packungen dieser praktischen Haushaltshelfer mitgebracht. Nun aber gingen sie nach dreieinhalb Jahren langsam zu neige. Ich grinste in mich hinein während ich mit dem weichen Geschirrtuch die Ecken austrocknete. Meine Großmutter (Gott hab sie selig) würde jubilieren, denn was uns als Enkel vor über vierzig Jahren befremdlich vorkam, war nun Teil meiner Haushaltsroutine geworden: Plastiktüten, erst recht die wertvollen Druckverschlusstüten, mehrfach zu verwenden. Damals kugelten wir Enkel uns heimlich vor Lachen, denn wozu sollte man sich solche Mühe um eine gebrauchte Plastiktüte machen? Sie gehörte in den Müll – es gab ja schließlich genug neue zu kaufen. Müllvermeidung war damals, so bitter dies nun zu lesen ist, noch kein großes gesellschaftliches Thema.

Nicht schlecht staunte ich bei der Eröffnung der Ausstellung „Jetzt noch die Kurve kriegen“ der Stadt Bamberg als mir zum Thema Plastikmüll eine sehr eindrückliche Visualisierung entgegentrat, die mir mahnend vor Augen führte, wie wichtig Vermeidung von Müll ist:

Ein völlig verärgerter Jesus geht über ein verschmutzte Wasseroberfläche und tritt dabei eine alte Dose wütend in die Luft. Eine weiße Gedankenblase gibt dabei Einblicke in seine Gedanken: „Wenn kein Wunder geschieht, kann bald jeder übers Wasser laufen…“

Rainer Unsinn

Als Theologin und Familienfrau hat es mir dieser Cartoon von Rainer Unsinn angetan, denn für mich klingt im Cartoon eine biblische Geschichte an, die mir sehr am Herzen liegt:

Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!
Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Mt 14,25-31 LUT

Übers Wasser gehen. Ein Wunsch, den Petrus hegte. Ob wir das wirklich wollen? Unsere Meere und Gewässer so lange „zumüllen“ bis wir selbst als Menschen darauf laufen können? Schon jetzt befinden sich in unseren Weltmeeren gefährliche Ansammlungen an Müll. Griechische Fischer ziehen jedes Jahr unglaubliche 50 Millionen Tonnen Müll als „Beifang“ aus dem Meer.

Wird uns nicht dabei wie Petrus damals Angst und Bang? Während all der Müll unsere Meere verstopft und unsere Umwelt mit Makro- und Mikropartikel vergiftet werden? Ja, irgendwie sind wir doch Kleingläubige – kleinkariert bedacht auf unseren Vorteil, unsere Bequemlichkeit. Lieber keine Arbeit. Wo das Plastik dann letztendlich hinkommt, verliert sich im gedanklichen Nebel der eigenen Komodität.

Ich sah auf meine inzwischen handtuchtrockenen Druckverschlusstüten, die ich über die daneben stehenden Trinkgläser stülpte, damit sie vollständig austrocknen würden. Ganz Müll vermeiden würde in unserem Haushalt schwierig werden, aber ein wenig mehr Achtsamkeit, das würde sich lohnen und ganz nebenbei Erinnerungen an meine verstorbene Oma wecken.


Ausstellungstipp

Noch bis zum 22. Juli ist die Karikaturenausstellung im Eingangsbereich des Klinikum Bambergs für alle Besucherinnen und Besucher geöffnet. Es lohnt sich sehr und hilft, dass wir uns und unser Umweltengagement hinterfragen!

Anbei noch einige andere Impressionen:

My dear Jewish friend 21: Bargain prices, German herbal liquor and history’s warning

KNÜLLER-PREIS. BARGAIN PRICE. Bold red letters on pure white. I stared at the paper advertisement as I ran through the offers at our local discounter. It was the week after the European election. We had suspected that there would be a shift to the extreme right (and maybe even left?), but the shift hurt in ways I can’t really put into words.

Numerous gave their precious votes, because the campaign pledges of the extreme parties seemed such a bargain. KNÜLLER-PREIS. BARGAIN PRICE. They would secure their wishes. But I wouldn’t be so sure – they numbed voters by catchy messages, cheap promises and easy answers. In many ways the history of the German herbal liquor „Jägermeister“ and the campaign strategy of the extremist parties fit very well. Both intoxicate. Both have roots in right-winged hatred.

The label on the German herbal liquor „Jägermeister“ states 1878, but this date is the founding of the original vinegar factory. Curt Mast, son of the company’s founder, shifted the production away from vinegar to spirits and wines. In 1934 he invented the famous liquor. It was the year, in which Hermann Göring was nominated „Reichsjägermeister“ to be the highest „professional hunter“ in Germany – the term Jägermeister hadn’t been used for centuries. Just one year later, Curt Mast introduced his new herbal liquor and named it after Göring, whom he knew well. The design of the bottle was held in green with a deer head and cross. There are photographies of Hermann Göring as Reichsjägermeister with his prey showing huge deer antlers. Many therefore even called the herbal liquor „Göring-Schnaps“. (1)

Hans-Jörg and Gisela Wohlfromm: „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“ Alltägliches und Kurioses aus dem Dritten Reich, p. 168.

It is this historic background that makes me nervous as extremism seems to creep into our society disguised as a bargain. KNÜLLER-PREIS. BARGAIN PRICE. Now it is on the shelves of democratic elections like this Schnaps is in my local supermarket. But we must be warned of how these extremists operate: they use symbols present in everyday life and can source each other with their right (or left) extremist ideology. Popular songs, pictures and numbers („88“) seem harmless, but have a hidden code extremists spot and identify. Dog whistling is such a dangerous mechanism. Nonetheless, it is just the first step. As soon as they have established themselves as the largest offer on the shelves of democracy we will be doomed.

A small lesson of history on a supermarket shelf.

I suddenly felt sick as I passed the display of the herbal liquor on my way to the cash register. Small, medium and large quantities – the latter only in a maximum quantity of five bottles. We should be vigilant that our democracy will not become a KNÜLLER-PREIS, a BARGAIN PRICE for extremists.


(1) see Hans-Jörg and Gisela Wohlfromm: „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“ Alltägliches und Kurioses aus dem Dritten Reich, p. 167.

Mehr als Fußnoten – von feministischer Literatur und Hoffnungsmomenten

Auf nachtblauem Hintergrund hielt eine in Chagallblau gehaltene Frau in stolzer Haltung ein Schwert vor sich. Goldene Akzente betonten ihr ritterliche Kleidung und durchzogen in feinen und gröberen Zügen den Nachthimmel. Meine Hand streifte vorsichtig über den Einband, während ich den Form des Buchtitels auf dessen Oberfläche erspüren konnte.

Die zahlreichen Seiten der Fantasy-Dilogie „Sisters of Sword and Shadow“ der britischen Autorin und Feministin Laura Bates waren in den letzten Tagen im Nu an mir vorübergeeilt. Ich war eingetaucht in eine Welt zur Zeit König Arthurs, in der Frauen weder Macht, noch Reichtum, geschweige denn eine Förderung gemäß ihrer Begabungen und ihres Potentials erhielten. Die Hauptfigur Cass, die von ihrer Familie für eine arrangierte Ehe bestimmt worden war, träumt von Freiheit, Selbstbestimmung und Verwirklichung ihrer eigenen Gaben. Durch eine Verkettung von Umständen folgt sie einer fremden Frau und wird in geheime Schwesternschaft weiblicher Ritter aufgenommen. Hier lernt sie zu kämpfen um die geheime Gemeinschaft zu schützen und durch Männer entstandenes Unrecht wiedergutzumachen. Als Leserin tauchte ich in eine Welt tödlicher Fehden ein und erlebte mit, wie die Hauptfigur ihre besonderen Fähigkeiten allen Widerständen zum Trotz entdeckte und zu sich selbst fand.

Jenseits aller fantastischer Ausschmückung tat mir die im Buch dargestellte Solidarität sehr gut, die innerhalb der Frauengemeinschaft gelebt wurde. Denn nicht selten erlebe ich eine andere Realität. Frauen, die anderen Frauen keine Förderung gönnen. Frauen, die anderen Frauen angebotene Möglichkeiten zerstören statt ihnen zu helfen, das von Gott geschenkte Potenzial zu leben. Frauen, die sich mit einem in-sich-geschlossenen männlichen System solidarisieren, um Vorteile zu nutzen, als zu ihren Kolleginnen zu stehen.

Laura Bates weiß, wovon sie schreibt: als Gründerin des „Everyday Sexism Project“ hat sie über 250.000 Schilderungen von Alltagssexismus gesammelt. Die zu Tage getretene Ungleichheit, der versteckte oder offenen Sexismus gegenüber Frauen, der hierdurch offen gelegt wurde, führte in Großbritannien zu Veränderungen in Schul-Curricula, Facebook-Regelungen und hatten sogar großen Einfluss im Vorgehen der „British Transport Police“ hinsichtlich sexuellen Übergriffen.

Während Romane nicht das angestammte Metier von Laura Bates sind, lege ich ihr Buch „Fix the System – Not the Women“ jeder Person ans Herz, die sich mit sexualisierter Gewalt und der ihr zugrundeliegenden Vorurteilen gegenüber Geschlechtern auseinandersetzen will.

Im Gegensatz zu den oft bitteren realen Schilderungen sexualisierter Gewalt gegen Frauen, die in diesem Projekt gesammelt wurden, findet die Hauptfigur Cass allen Widerständen zum Trotz zu sich und ihrem Potential. Sie und einige andere weibliche Figuren treten damit in das Zentrum des Romans, um eine andere, eine Welt aus weiblich-selbstbewusster Sicht aufzuzeigen. Wie oft wurde und wird unsere Welt aus männlicher Sicht beschrieben oder deren Sicht niedergeschrieben. Denken wir doch einfach an viele Sagen, Legenden oder Erzählungen, biblische Bücher und so vieles mehr. Aber Frauen wollen mehr sein als nur eine Fußnote. Das nimmt die Autorin in ihrem Buch ernst und entfaltet dies in ihrem Nachwort:

Cass is a heroine I hope will resonate with the young people I work with – finding her inner power in a world that wants to force her into a footnote. She rejected the minor, submissive, supporting role that has been written for her, and exchanges it instead for an exhilarating life of adventure, power and sisterhood. Above all, she finds the strength to write her own story. This is everything I wish for my readers.

Vielleicht braucht es genau solch eine fiktionale Figur, die inspirieren kann, dass Frauen nicht nur eine Fußnote im Text des Lebens und der Geschichte sein wollen, sondern ihrem Gaben gemäß sich entfalten können. Das mag in vielem der oftmals gesellschaftlich zugewiesenen Rolle entgegenstehen, aber nicht jede Frau – und auch nicht jeder Mann!- findet sich darin wieder, sondern möchte sich in anderer Weise in unsere Gesellschaft einbringen.

Nachdenklich schlug ich das Buch endgültig zu. Es lag schwer in meiner Hand als ich es an seinen neuen Platz in meinem Bücherregal zur Frauenliteratur stellte. Das Chagallblau der Frau strahlte mir inmitten all dem Rosa, Violett und Pink der meisten anderen Gleichstellungsliteratur aufmunternd entgegen als ob es mir sagen wollte, dass wir Frauen allen erlebten Widerständen zum Trotz die Hoffnung nicht aufgeben sollte – Frauen dürfen und sollen mehr sein dürfen als Fußnoten in der gesellschaftlichen Struktur.

Lesen gegen Hass 4: im Nachgang der Europawahl Lernen wider Angst und Rechtsextremismus

TikTok hat ganze Arbeit geleistet. Das müssen wir im Nachgang der Europawahl zähneknirschend anerkennen. Die bekannte soziale Plattform wurde effizient von der Partei AfD und vielen anderen rechten Influencern für ihre rechtsextremen Zwecke genutzt. Dafür haben andere Parteien, deren Vertreter und Institutionen mit vielfacher Abwesenheit geglänzt oder sich nur punktuell dort eingebracht. Ich nehme mich dabei nicht aus – obwohl ich digitalaffin bin, bin ich vor TikTok zurückgeschreckt. Die Plattform stellt nicht nur eine datenschutzrechtliche Katastrophe dar, sondern aufgrund meiner gegenwärtigen Tätigkeit als Seelsorgerin in einer Sicherheitsbehörde habe ich hinsichtlich dieser große Vorsicht walten lassen.

Doch die Stimmanteile innerhalb der Jungwähler bei der gerade durchgeführten Europawahl ließen mich erschrocken aufhorchen und veranlaßten mich, einen Beitrag der Tagesschau hinsichtlich dieser Altersgruppe in meiner privaten Storyline zu reposten. Eine Kollegin schrieb mir hierauf: „So schrecklich. Das sind unsere AnwärterInnen.“

Sie hat recht. Es sind diejenigen, die wir Lehrerinnen und Lehrer, Dozentinnen und Dozenten gegenwärtig in den unterschiedlichen Schultypen und Universitäten Deutschlands unterrichten. Die ab sechzehn wählen dürfen. Es ist auch die Generation, die gerade in meinem eigenen Haushalt aufwächst. Viele Diskussionen entbrannten in den Tagen vor der Europawahl am heimischen Essenstisch. Besonders erstaunlich war für mich, dass sich in ihren Worten eine gewisse Ratlosigkeit, Skepsis und Angst breit machte, die ich meinen eigenen Kindern und dieser heranwachsenden Generation nicht wünsche. Vielmehr würde ich ihnen gerne einen Zukunftsoptimismus zusprechen, mit dem meine Generation aufwachsen durfte: einem Europa, dessen Grenzen sich öffneten; einer Vernetzung über Länder hinweg, die neue Möglichkeiten und Freiheiten schaffen würde. Aber wir müssen uns dem stellen, dass dieser Optimismus im Nachgang der Pandemie, mit den vielen Kriegen, kriegerischen Auseinandersetzungen und wirtschaftlichen Herausforderungen einem Zögern, bei manchen sogar einem Zukunftspessimismus gewichen ist.

Dies hat selbstverständlich Auswirkungen auf die politische Struktur von Ländern. Und diese emotionale „Großwetterlage“ hat nicht nur die junge Generation erfasst, sondern reicht weit darüber hinaus.

Gemeinsam mit den Sechzehnjährigen hat ganz Europa gewählt. In Deutschland war es mit 64,8 % die höchste Wahlbeteiligung seit der Wiedervereinigung. Eine durchaus stattliche Zahl, die erfreuen sollte. Interessant aber wird es, wenn man sich das Wahlverhalten genauer ansieht. Hierbei interessieren vor allem aufgrund der deutschen Geschichte die Ergebnisse im Bereich der rechtsgerichteten Parteien – im Fall Deutschlands der AfD. Während viele Nachrichtenportale und Printmedien die Erstwählerinnen und -wähler hervorheben, sollten wir etwas vorsichtiger sein, denn die Klimax besteht vor allem bei denen, die mit 35-44 Jahren mitten im Leben stehen. Die Stimmanteile fallen erst wieder im Alterssegment 70 und älter.

Was also treibt alle diese Personen in die Arme einer rechtsgerichteten Partei? Eine Frage, die wir uns alle stellen sollten. Erst recht diejenigen unter uns, die in Bildung verortet sind. Mag dies eine Schule, eine andere Bildungsstätte oder eine religiöse Einrichtung sein. An allen Orten, an denen Bildung geschieht, sollten wir miteinander dringend ins Gespräch kommen, was uns Angst macht, um uns dieser zu stellen und gemeinsam gangbare Wege zu finden. Denn nichts geringeres als unsere Demokratie steht hier auf dem Spiel. Eine Demokratie, die aus der Katastrophe des zweiten Weltkrieges, seinen Morden und Unrecht als Gegenmodell entstanden ist, die eine gerechtere Welt zum Zentrum hat.

Für mich ist der Ort, an dem Ängste ausgesprochen werden dürfen und Bildung stattfindet, gegenwärtig der berufsethische Unterricht in der Bundespolizei. Bei Ihnen mag es ein ganz anderer Ort sein. Wie wir den Zahlen der Europawahl entnehmen können, müssen solche Austausch- und Bildungsmöglichkeiten für alle Altersgruppen geschaffen werden.

Ich stelle im folgenden vier Bücher vor, die für einen solchen Austausch durchaus von Vorteil sein können. Für mich sind diese die Grundlage eines Unterrichtsmoduls, das ich gegenwärtig für ein Seminar des Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrums erstelle. Neben einer grundsätzlichen Information über Rechtsextremismus und Angst, wird es den Bogen von Alltag hin zu rechtsextremen Hass und der eigenen Verantwortung beschreiten. Im Dialog sollte hierauf folgend Wege der Hoffnung gemeinsam gesucht und beschritten werden.

Den Anfang macht ein Buch, das hilft, die Ängste zu verstehen, die uns alle erfassen können und auf denen Rechtsextremismus ein Einfallstor in die Gedanken und Herzen von Menschen findet.

„Logik der Angst. Die rechtsextreme Gefahr und ihre Wurzeln“ (Berlin 2023) von Peter R. Neumann

Das Buch von Peter R. Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King’s College London, gibt einen hilfreichen Überblick über die einflussreichsten Denker und Werke rechtsextremer Strömungen. Auf übersichtlichen 166 Seiten klärt der Autor in leicht verständlicher Sprache über die Geschichte des Rechtsextremismus und seine aktuellen Erscheinungsformen auf. Das Buch gibt keine konkreten Handlungsanweisungen, kann aber als Verständnisgrundlage für Ängste dienen, die Menschen in die Arme rechtsextremer Parteien treibt.

Aufbauend auf diesem empfiehlt sich als Einstieg in das Thema eine Perspektive, die vom Alltäglichen her sich entfaltet und Personen in ihrem Alltag, aber auch dem Befremdlichen einer Zeit abholt, in der Rechtsextremismus gesellschaftlich etabliert war.

„Und morgen gibt es Hitlerwetter! Alltägliches und kurioses aus dem Dritten Reich“ (Frankfurt am Main 2006) von Hans-Jörg und Gisela Wohlfromm

Wer kennt ihn nicht, den olympischen Fackellauf? Oder die „Goldene Kamera“, die jedes Jahr in Deutschland verliehen wird? Oder den Eintopf, der ab und an seinen Weg auf den Essenstisch zur Freude der Erwachsenen oder zum Leid so manchen Kindes findet?

Alle genannten haben ihre Wurzeln und ihre Entstehung im Nationalsozialismus.

Um Geschichte verstehen zu können und mit der eigenen Lebensumgebung vergleichen zu können, lohnt sich ein Blick in den Alltag des Dritten Reiches. Das Buch greift einiges Bekannte, aber noch mehr Unbekanntes auf und schafft dadurch eine notwendige Brücke und Diskussionsgrundlage.

Mit dem hierdurch eröffneten Problemhorizont kann man dann einen mutigen Schritt zu dem wohl destruktivsten Buch der Weltgeschichte wagen, um es zu entzaubern und vor seinen dort niedergeschriebenen Ideen und Konzepten zu warnen.

„Mein Kampf. Die Karriere eines deutschen Buches“ (Stuttgart 2015) von Sven Felix Kellerhoff

Dieses sollte in Kombination mit der wissenschaftlichen Ausgabe des „Originals“ besprochen werden:

„Hitler, Mein Kampf: Eine kritische Edition“ (München – Berlin 2020)

Sven Kellerhoff gelingt mit seinem Buch ein wichtiger Einblick in die bekannteste Hetzschrift der Welt und des meistverkauften deutschen Buches aller Zeiten. Die Wirkung dieses Buches hatte im Nationalsozialismus verheerende tödliche Folgen, die bis heute nicht nur nachwirken, sondern neue Nachfolge und Nachahmungen finden.

Das Buch gibt Einblicke in die Entstehung der Hetzschrift Hitlers, die ein tödliches Lügenkonstrukt hervor schälen, das viele und bis zum heutigen Tage Rechtsextreme inspirieren. Hitler wird hierin als Verfälscher seiner eigenen Biografie und als korrupter Steuerhinterzieher entlarvt. Ein entzauberndes, wichtiges Buch, das vor solchen und anderen mörderischen Menschen und deren Ideologien warnt.

Einige von vielen Büchern, die im Nachgang der Europawahl helfen können, sich der immer deutlicher werdenden Angst zu stellen und gemeinsam auf die Suche nach demokratischen Wegen zu machen.

Lest gegen Hass! Mit euren Schülerinnen und Schülern. Mit euren Kolleginnen und Kollegen. In Familien und Freundeskreisen.

Gebt Menschen die Möglichkeit, die sie bewegende Angst auszusprechen, aber daraufhin umso mehr einer Hoffnung, die in schweren Zeiten bessere Wege der Demokratie weisen kann. Damit statt Hass in den Herzen und Gedanken der euch Anvertrauten nicht auf fruchtbaren Boden falle.

My dear Jewish friend 20: D stands for Democracy

D-Day and the European election – a covenant for democracy

The large, slim envelope brought quite official business into our home and now it was time to open it. June 6 was the perfect day to open my absentee vote. D-Day.

The day, when thousands of British, American and Canadian soldiers set ashore in Normandy, France to fight against the Nazi regime and free Europe from the grip of an evil dictator and his allegiance. Eighty years later I’d uphold firmly as a German citizen living in a free Europe D stands for Democracy.

Paul Dickson quotes different meanings for D-Day:

Many explanations have been given for the meaning of D-Day, June 6, 1944, the day the Allies invaded Normandy from England during World War II. The Army has said that it is “simply an alliteration, as in H-Hour.” Others say the first D in the word also stands for “day,” the term a code designation. The French maintain the D means “disembarkation,” still others say “debarkation,” and the more poetic insist D-Day is short for “day of decision.” When someone wrote to General Eisenhower in 1964 asking for an explanation, his executive assistant Brigadier General Robert Schultz answered: “General Eisenhower asked me to respond to your letter. Be advised that any amphibious operation has a ‘departed date’; therefore the shortened term ‘D-Day’ is used.”

Paul Dickson: War Slang. American Fighting Words & Phrases since the Civil War, Mineola, New York 1994, p. 146.

D for day.

D for disembarkation.

D for debarkation.

D for decision.

D for departed date.

D for day.

It was just passed midnight June 6, 1944. The bad weather over the English Channel had somewhat calmed down. The Allied commander-in-chief, US General Dwight D. Eisenhower, bid farewell to the men who would be risking their lives for democracy and peace in Europe:

Soldiers, Sailors, and Airmen of the Allied Expeditionary Force!

You are about to embark upon the Great Crusade, toward which we have striven these many months. The eyes of the world are upon you. The hope and prayers of liberty-loving people everywhere march with you. In company with our brave Allies and brothers-in-arms on other Fronts, you will bring about the destruction of the German war machine, the elimination of Nazi tyranny over the oppressed peoples of Europe, and security for ourselves in a free world.

Your task will not be an easy one. Your enemy is well trained, well equipped and battle-hardened. He will fight savagely.

But this is the year 1944! Much has happened since the Nazi triumphs of 1940-41. The United Nations have inflicted upon the Germans great defeats, in open battle, man-to-man. Our air offensive has seriously reduced their strength in the air and their capacity to wage war on the ground. Our Home Fronts have given us an overwhelming superiority in weapons and munitions of war, and placed at our disposal great reserves of trained fighting men. The tide has turned! The free men of the world are marching together to Victory!

I have full confidence in your courage, devotion to duty and skill in battle. We will accept nothing less than full Victory!

Good luck! And let us beseech the blessing of Almighty God upon this great and noble undertaking.

D-day statement to soldiers, sailors, and airmen of the Allied Expeditionary Force, 6/44, Collection DDE-EPRE: Eisenhower, Dwight D: Papers, Pre-Presidential, 1916-1952; Dwight D. Eisenhower Library; National Archives and Records Administration.
 General Dwight D. Eisenhower’s Order of the Day (1944), in: National Archives.gov

D for disembarkation

175,000 men disembarked the huge ships. They arrived with tanks weighing more than 30 tons and with artillery. With carbines, machine guns, pistols, bayonets. With flamethrowers and mortars, pipe bombs and hand grenades, sticky explosives and mines. Their task: to conquer the continent. Even in the 5th year of the global conflagration, Europe was still largely controlled from Berlin.

Landing at Utah Beach. (Source: Wikipedia.com)

D for decision

It must have been a horrible decision, but a utmost courageous act that lead to breaking the tides in favour of democracy. It was the only way to free Europe from the deadly grip of the murderous Nazi regime. Casualties were enormous on all sides. Allied casualties were documented for at least 10,000, with 4,414 confirmed dead. German casualties on D-Day have been estimated at 4,000 to 9,000 men. Horrible numbers. Those, who had to make this important decision have been aware of the deadlines the day would bring upon uncounted families.

American Cemetery overlooking Omaha beach. (Source: wikipedia.com)

D for departed date

Brigadier General Robert Schultz once said that any amphibious operation has a ‘departed date’ – the shortened term ‘D-Day’. I understand this precise military term, but as I hold the absentee vote for the European election in my hands, D-Day has a very different and utmost important meaning for me as a German citizen living and breathing freedom with every breath I take in a free Europe.

D stands for Democracy

It is a covenant we must take by voting. Uncounted have fought for our freedom. Todays D-Day reminds us of this covenant we must take. D for Democracy. For a future in a free world. I will therefore vote for a democratic party, which will make our voice heard.

As I took the large absentee paper into my hands and made my cross fear crawled up my spine as memories of times past flashed through my mind. Hitlers party started off as a very small organisation and in a landslide took over Germany and half of Europe with its hateful and murderous ideology.

1926 German regional elections in Saxony: 1,6 %

1928 German State elections: 2,6 %

1930 German State elections: 18,3 %

1932 German State elections: 33,1 %

1933 German State Elections: 43,9 %

(Hans-Jörg und Gisela Wohlfromm: Und morgen gibt es Hitlerwetter! Alltägliches und Kurioses aus dem dritten Reich, S. 142)

Presently, we have a right winged party called „Alternative für Deutschland“ (AfD). It started as a protest party in 2013. Only four years later they received seats in the Bundestag (Federal German Parliament). They are forcefully voicing and living out right extremist ideas in a democratic Germany. Presently, 15,7% of the German population would vote for them. I would be lying, if I wouldn’t say that I am scared. There was a landslide back that brought Hitler into power.

I will use the only power I hold in my hands: a vote for a democratic party. It is a covenant every German and European citizen must make as our freedom was bought through the lives of those setting ashore on the beaches of Normandy June 6, 1944. May their souls rest in peace as they have handed-off the baton of democracy to us.

D-Day stands for Democracy.

Suche nach Frieden

Sprachlosigkeit umfasste mich. Hatte ich nicht erst am Ende der Lagebesprechung meinen polizeilichen Führungskräfte für das herannahende Wochenende einen Segenswunsch zugesprochen, der den Wunsch nach Frieden zum Mittelpunkt hatte? Stattdessen durchbrachen Nachrichten und Bilder eines iranischen Angriffs auf Israel die Stille des Sonntags, für mich eines Tages der Ruhe, Einkehr und Friedens.

Es ist, also ob wir uns als Menschen auf einer ständigen Suche nach Frieden befinden. Seit den letzten Monaten und Jahren durch den Krieg in der Ukraine und im Heiligen Land umso mehr. Es fühlt sich so an, als wenn die Welt an verschiedenen Orten in Brand gesteckt worden sei. Während die Politik und die Mächtigen um Wege ringen, ist es schwer für uns einzelne. Was gegenwärtig bleibt, ist mit unserer Sprachlosigkeit vor Gott zu treten.

Vielleicht kann uns dieses Gebet in all dem Hadern, Zweifeln und Flehen ein wenig aus der Sprachlosigkeit hinaus in Gottes Nähe und Geborgenheit führen.

Das trotzige Prinzip des Osterwunders – oder: Die Osterkerze, die nicht aufgeben wollte

Der Ostermorgen war endlich angebrochen. Auf unserem Rückweg von der Osternacht tauchten wir in den Gesang der Vögel ein – fast fühlte es sich so an, als ob sie für uns frühe Gottesdienstbesucherinnen und -besucher einen vielstimmigen Osterjubel angestimmt hatten. Unsere vier Kinder hatten ihre Osterkerzen in die Fahrradkörbe gestellt und waren voraus gefahren. Trotz des alljährlichen Wettbewerbs, wessen Osterlicht erfolgreich leuchtend nach Hause kam, spurteten sie eilig voraus. Schließlich wartete nach der langen Fastenzeit ein buntes Osterfrühstück mit allerlei Leckereien, auf die sie viele Wochen verzichtet hatten.

Ich lief mit dem Osterlicht in der einen und dem Fahrradlenker in der anderen Hand hinter ihnen her und war einfach nur froh, dass endlich Ostern war. Nach mehreren Wochen durchzogen mit vielen dienstlichen Herausforderungen und einer Erkrankung, der ich nicht die Aufmerksamkeit schenken konnte, die sie eigentlich gebraucht hätte, waren das Wunder des Osterfestes das, was meine Seele brauchte.

Unser ältester Sohn wartete lachend auf mich während er auf seinen Fahrradkorb nebst Schutzblech deutete. „Schau mal, Mama!“, er schüttelte den Kopf, „Die Kerze war umgekippt, aber hat noch gebrannt.“ Auch ich musste das Lachen anfangen, denn das Schutzblech sah aus als ob Vögel im Tiefflug sich fleissig erleichtert hatten. „Das sieht ja aus als ob dein Fahrrad direkt unter einem beliebten Baum für Vögel stand.“

Von Vögeln schrieb auch Hilde Domin in einem Gedicht, das für mich in vielerlei Weise emotional mit Ostern verbunden ist und für mich fast wie eine kleine Anleitung darstellt, wie ich dem Osterwunder gegenübertreten sollte:

Nicht müde werden /

sondern dem Wunder /

leise wie einem Vogel /

die Hand hinhalten

Hilde Domin

Nicht müde werden in Herausforderungen. In Trübsal. Krankheit. Tod. Das ist schwer. Und manchmal will man vielleicht auch gar nicht mehr die Hand hinhalten, weil die Muskeln aufgrund des Widerstands und der vielfach wiederholten Bewegung schmerzen, die Knochen sich anfühlen als ob sie unter dem Druck brechen.

Doch das Osterfest spricht mitten hinein in solche Situationen ein trotziges Trotzdem und streckt Herausforderungen, Trübsal, Krankheit und Tod mutig die Stirn entgegen. Denn Jesus verspricht uns, auch in den Dunkelheiten des Lebens präsent zu sein und die Finsternis als Licht des Lebens zu erleuchten.

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Joh 8,13

Dieses Versprechen Jesu nimmt kaum die uns umgebende Finsternis weg, aber so wie ein einziges Licht in der Dunkelheit Orientierung schenkt, so hält er die Situation mit aus und schenkt trotz allem Hoffnung.

Das trotzige Prinzip des Osterwunders.

Die Osterkerze, die nicht aufgeben wollte, hatte mich daran erinnert. Diese Hoffnung ist nicht immer wunderschön, sondern kommt manchmal wie ein unkontrollierter Ansturm von Vögeln und deren erleichternder Spuren einher. Ein wunderbar unlogisches Trotzdem im Chaos des menschlichen Lebens.

Ausgang und Eingang – Gedanken in der Karwoche

Endlich hatte ich die Osterkrippe aufgebaut. Zwei Tage zu spät. Nach Palmsonntag war mir nicht gewesen, noch hatte ich die Kraft dazu. Traurigkeit, Verärgerung und Fieber hatten in den letzten Tagen das erste Mal in vielen, vielen Jahren ihren Tribut gefordert: das erste Mal brach ich mit der über Jahrzehnte lieb gewonnenen Tradition unsere Osterkrippe mit unseren Kindern an Palmsonntag feierlich aufzubauen.

Heute früh aber war es Zeit dafür geworden. In der Stille der Morgenstunden platzierte ich vorsichtig die fragilen Figuren auf dem Untergrund der Osterkrippe. Flugs hatte sich eine Menge vor den Toren der aus Holz bestehenden Stadt Jerusalem versammelt, die sich Jesus auf dem Eselsfüllen zugewandt hatte und ihm freudig entgegen jubelten. Dabei summte ich leise einen wohlbekannte Kanon vor mich hin.

Ausgang und Eingang. Anfang und Ende.

Mein Blick fiel auf den Weihnachtsstern, der nichts besseres zu tun hatte, als ausgerechnet zum herannahenden Osterfest zu blühen. Ich schüttelte den Kopf über die Launen der Natur, musste aber auch Lächeln. Irgendwie hatte er ja recht, dieser störrische Weihnachtsstern, denn Ausgang und Eingang lagen so nah beieinander. Weihnachten und Ostern. Der Einzug Jesu und sein Tod.

In diesem Jahr fehlte etwas, das sonst nie Platz in unserer Osterkrippe hatte: Weihnachten. Also suchte ich unsere kleine, übersichtliche Krippe mit ihren zarten Figuren und stellte sie auf die andere Seite des Weihnachtssterns.

Ausgang und Eingang. Anfang und Ende.

Ich musste schlucken. Heute würde die Trauerfeier eines Kollegen der Bundespolizei stattfinden. Als Seelsorgerin begleitete ich meine Polizeischülerinnen und -schüler, die ihn kannten und um ihn trauerten, dorthin. Viel zu jung wurde er in Gottes Ewigkeit gerufen und hinterließ eine Witwe, die ihr ungeborenes Kind unter ihrem Herzen trug. Auf einmal waren Ausgang und Eingang so schmerzhaft nah, dass es ein Beben in unserem Innersten auslöste. Sterben und neues Leben. Weihnachten und Ostern. Alles kam an diesem Tag in einem Menschenschicksal zusammen.

Im Psalm heißt es vorher:

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.

Psalm 121,7

Vor allem Übel hatte der Herr den Kollegen nicht bewahrt, aber seine Seele war nun in Gott geborgen. Ostern würde in einigen Tagen anbrechen und hoffentlich die österliche Botschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, auch die Betroffenen mit Zuversicht mitten in dieser schweren Zeit erfüllen.

Denn auch wenn wir es als Menschen kaum ergründen können:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, liegen bei dir, Herr, füll uns die Hände.

Der Duft der Erinnerung

Vorsichtig drückte ich auf die leicht verblichene Creme-Tube, damit nur nicht zu viel des wertvollen Inhaltes herauskam. Während ich mich damit einkremte, verbreitete sich umgehend der wohlbekannte Duft von süßer Vanille im Raum und würde mich in den nächsten Stunden wie eine unsichtbare Hülle begleiten.

Ich schloss meine Augen und wurde weggetragen aus meiner verregneten deutschen Stadtwohnung ins ferne USA. Länger zurückliegende Kindheitserinnerungen, aber auch schöne Erinnerungen an meine Zeit in New York waren mir durch diesen speziellen Vanille-Duft wieder gedanklich so nah. Die Creme war die letzte, die ich als Souvenir vor drei Jahren mitgebracht hatte. Nun würde sie bald zu neige gehen.

Wie Weihrauch werdet ihr Duft verströmen und aufblühen wie eine Lilie. Erhebt eure Stimme zum Lobgesang und preist den Herrn für all seine Werke. Verherrlicht seinen Namen und stimmt in sein Lob ein mit Singen und Klingen,…

Sir 39,14-15a

So steht es in Jesus Sirach geschrieben. Ich stockte in meinen Gedanken. Selbstverständlich preise ich Gott für all das, was Er getan hat. In meinem Leben sehe ich viele Segensspuren:

Meine Familie…

Gesundheit…

Genug zu Essen und ein Dach überm Kopf…

Menschen, die mir vertrauen…

Personen, die mir nahestehen…

Auslandserfahrungen…

… und so vieles mehr. Aber es gibt auch Zeiten, an denen der Duft der Erinnerung verblasst oder gar nicht mehr da ist. Wo anstatt süßer, verheißungsvoller Vanille andere Nuancen schwer in der Luft schweben und das Atmen erschweren. Manchmal in mir sogar das Gefühl des Erstickens hervorrufen.

Als ich an diesem Tag wieder so haderte während meine Creme fast zu neige war, half mir ein Blick in die Bibel. Dort steht nämlich weiter:

… preist ihn und sprecht so:
Alle Werke des Herrn sind sehr gut; und was er gebietet, geschieht zur rechten Zeit. Und man darf nicht sagen: Was soll das? Wozu ist das? Denn zur rechten Zeit tritt alles ein. Durch sein Wort stand das Wasser wie eine Mauer und durch seine Rede die Wasser, als wären sie eingefasst. Jeder seiner Befehle zeigt sein ganzes Wohlgefallen, und wenn er rettet, kann’s keiner hindern.
Aller Menschen Werke sind vor ihm, und vor seinen Augen ist nichts verborgen. Er blickt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und nichts ist unbegreiflich vor ihm. Man darf nicht sagen: Was soll das? Wozu ist das? Denn jedes Ding ist zu seinem Zweck geschaffen. […]

Sir 39,19b ff.

Ich nahm mir fest vor, nicht mehr so viel an Gottes Plan zu hadern und zu hinterfragen. Gottvertrauen war es, das ich mir selbst mahnend vornahm, in den Mittelpunkt zu stellen.

Einige Tage später bummelte ich durch eine lokale Drogeriekette. Wie magisch angezogen griff ich ein saisonales Duschgel aus dem Regal. Sein Inhalt aus Vanille, Macadamia und Kakaobutter verhieß Wunderbares. Ich öffnete den Deckel des Duschgels und wurde umgehend eingehüllt von einem wohlbekanntem Duft. Wer weiß, vielleicht würden sich nach drei schweren, sehr durchwachsenen Jahren zurück in Deutschland doch irgendwann auch hier Erinnerungen einstellen, die ich gerne mit auf meinen Lebensweg nehmen könnte… Das passende Duschgel jedenfalls stand nun als Ablösung zur amerikanischen Creme bereit.