Des Amerikaners liebstes Nahrungsmittel als Zeichen der Nächstenliebe

Nachdem wir unter den Anweisungen von Pam, der Leiterin der kleinen jüdischen Tafel von Kol Ami, alle Packstationen mit der gleichen Anzahl von Lebensmitteln versorgt hatten, verstummten die durch den großen Raum hallenden Unterhaltungen. Es wurde geschäftig still. Nur das Rascheln der braunen Papiertüten, die beim Auffalten leicht Ächzten und an ein leises Seufzen über die erwarteten Lebensmittel erinnerte, die nach und nach im Bauch der Tüten verschwanden, war in der großen Packhalle zu hören.

Wie jeden Donnerstagmittag seit dem Beginn der Pandemie hatte sich eine inzwischen eingeschworene Gemeinschaft an Personen eingefunden. Wie eine gut geölte Maschinerie vollzog sich das Packen von zahlreichen Essenstüten, die schon bald von einer weiteren Gruppe von Freiwilligen an undokumentierte Immigranten und diverse Einzelpersonen ausgegeben wurde. Fruchtsaft, Kartoffel-, Karotten-, Pfirsich-, Aprikosen- und Hühnerfleischdosen fanden am Boden der Tüten ihren Platz. Darauf stapelten sich eine Tüte Reis, Tortillas, Rosinen und Cracker. Und auch Peanutbutter, des Amerikaners liebstes Nahrungsmittel.

Während ich die durchsichtigen Gläser an ihren neuen Platz beförderte, tippte mich Pam mit einer Verpackung an. “Kannst du das lesen?”, fragte sie schmunzelnd. Ich sah mir den Karton näher an. Dort stand in großen Lettern weiß auf blau aufgedruckt in Deutsch “Erdnussbutter – Verschiedene Sorten”. Ich staunte nicht schlecht. Des Amerikaners liebstes Lebensmittel wurde heute als deutsches Produkt in einer New Yorker jüdischen Tafel für bedürftige Personen zum Austragen vorbereitet. Mich erfasste umgehend eine Welle der Dankbarkeit für diese Essensspenden und die Möglichkeit als Pfarrerin, deren Herkunftsland durch den Holocaust so viel Leid über andere gebracht hatte, diese Essensspenden weitergeben zu können.

Mein Dank gelte daher an dieser Stelle all denen, die in den letzten Monaten diese Arbeit durch ihre Spenden an Feeding Westchester mit unterstützt haben. Ihr seid solch ein Segen!

2 thoughts on “Des Amerikaners liebstes Nahrungsmittel als Zeichen der Nächstenliebe

  1. For thirteen years, even though I am a German Jewish man I would volunteer at the Church of Holy Apostles on 9th Avenue feeding people. I miss seeing my fellow volunteers as well as our guests, but since I am taking care of my mom (who was born in Nurnberg and whose father was born in Uffenheim) I have been staying away. My German is not fluent, but I figured out that a peanut must be Erdnuss! As the Pope just reminded us, we are all children of God so why not help each other out during this scary time.

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